Investmentbanker: Die Zocker übernehmen die Macht

Investmentbanker
Die Zocker übernehmen die Macht

Während der Finanzkrise galten Investmentbanker als rücksichtslose Zocker, doch nun scheinen sie bereits rehabilitiert. Wenn es um die Führung mächtiger europäischer Großbanken geht, sind Investmentbanker wie Bob Diamond wieder erste Wahl - sehr zum Unmut einiger Politiker.
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LONDON/ZÜRICH. Noch vor kurzem galten sie als rücksichtslose Zocker, die ihre Arbeitgeber und die gesamte Finanzwelt an den Rand des Abgrunds brachten. Doch nur zwei Jahre nach dem Höhepunkt der Finanzkrise scheinen die Investmentbanker bereits rehabilitiert. Zumindest machen sich die Vertreter dieser Zunft daran, die Macht bei einigen der prominentesten Adressen in der europäischen Finanzbranche zu übernehmen.

Anfang der Woche begann die britische Großbank Barclays mit dem Stühlerücken in der Chefetage. Der oberste Investmentbanker Bob Diamond soll im März den bisherigen Vorstandsvorsitzenden John Varley ablösen. Auch bei Europas größter Bank, HSBC, hat der Führungswechsel begonnen. Chairman Stephen Green gibt Anfang 2011 seinen Posten auf. Einer der Favoriten für die Nachfolge ist der Vorstandsvorsitzende Michael Geoghegan, der wiederum vom Chef-Investmentbanker Stuart Gulliver abgelöst werden könnte.

Bei der Deutschen Bank gilt ebenfalls der Leiter des Investment-Bankings, Anshu Jain, als klarer Favorit für die Nachfolge von Vorstandschef Josef Ackermann, und die beiden Schweizer Banken UBS und Credit Suisse werden bereits von Ex- Investmentbankern geführt.

Bei vielen Politikern kommt der schnelle Wiederaufstieg der Banker allerdings gar nicht gut an - das beweist der Fall Bob Diamond. Vor allem bei den an der britischen Regierung beteiligten Liberalen sorgt die überraschend schnelle Beförderung für Entrüstung. "Wir machen uns große Sorgen über die Kombination von Kasino-Banking mit einem traditionellen Geldhaus, Bob Diamond ist ein besonders krasses Beispiel für diese Verbindung", warnte Wirtschaftsminister Vince Cable in einem Radiointerview. Matthew Oakeshott, der finanzpolitische Sprecher der Liberalen, geht noch einen Schritt weiter. Die Entscheidung, Diamond zum Barclays-Chef zu befördern, sei ein Schlag ins Gesicht der Regierung. Diamond "ist ein Zocker, aber er hat keine Erfahrung im Privatkundengeschäft", schimpft Oakeshott.

Die Politiker empören sich vor allem über das viele Geld, das Diamond während der Finanzkrise verdiente. 2009 kassierte der Banker inklusive Boni und Einnahmen aus dem Verkauf von Wertpapieren mehr als 40 Millionen Pfund. Zwar kam Barclays ebenso wie HSBC und die Deutsche Bank ohne direkte Hilfe der Steuerzahler durch die Finanzkrise. Allerdings profitierten alle drei Institute von staatlichen Garantien und billigem Zentralbankgeld.

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  • Da kann man nur sagen, die kleinen Diebe hängt man, die "Großen" lässt man laufen. Vielleicht würde eine Standesvertretung, die sich um Ethik und verantwortungsvolles Handeln kümmert da weiterhelfen.
    Vielen gehört zu mindest auf Zeit berufsverbot erteilt. Über Sozialarbeit hätten Sie dann die Chance vom "Saulus zum Paulius" zu werden und die
    Sperrzeit abzukürzen. Wo bleibt die Ehre und das
    Verantwortungsbewusstsein von Vorständen und Aufsichtsräten. Traurige bild was die abgeben.

  • Der Glass-Steagall-act trennte banken und investmenthäuser nach den bitteren Erfahrungen der 20er-Jahre des letzten Jhrhdts.
    Seit der Aufhebung der Trennung geht das Elend wieder los.
    Es ist gewollt...

  • Wer soll das bankgeschäft auch anders machen als banker? Freiwillig wird sicherlich niemand seinem Posten verlassen. Die Menschen vertrauen lieber einen banker mit Erfahrung. Wenn ein banker die hat, warum soll er dann plötzlich Autos verkaufen? bei meinen bankgeschäften und bei der Religion gilt für mich der Spruch: Das wo das Wissen aufhört, fängt der Glaube an.

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