Investmentbanking: Sitzt die Deutsche Bank in einem sinkenden Schiff?

Investmentbanking
Sitzt die Deutsche Bank in einem sinkenden Schiff?

Barclays entlässt 7000, die RBS sogar 14.000 Investmentbanker. Viele Geldhäuser meiden das kapitalintensive und risikoreiche Geschäft. Die Deutsche Bank macht genau das Gegenteil. Ob die Rechnung aufgehen wird?
  • 0

DüsseldorfFred Goodwin, der ehemalige Chef der Royal Bank of Scotland (RBS), darf seit 2012 nicht mehr mit „Sir“ angesprochen werden. Sein Handeln war nicht mehr mit dem Ehrentitel vereinbar. Goodwin war für das zügellose Treiben der RBS während der Hochphase des Investmentbankings im Jahre 2008 verantwortlich, an dessen Ende die Bank zu 80 Prozent in Staatsbesitz überging.

Der neue RBS-Chef, Ross McEwan, hat sich nun die Investmentbanking-Sparte der Bank zur Brust genommen. Vergangene Woche hatte er angekündigt nach einer tiefroten Jahresbilanz das Investmentbanking drastisch zu verkleinern. Wie drastisch zeigt ein Bericht der „Financial Times“ am Mittwoch. Einem Insider zufolge müssen von den 18.000 Investmentbankern der RBS 14.000 ihren Schreibtisch räumen.

Auch bei Barclays, der anderen großen britischen Investmentbank, müssen die Finanzjongleure um ihren Job fürchten. Ein Viertel der Investmentbanker wird vor die Tür gesetzt – insgesamt 7000 Leute. Nicht nur in Großbritannien ist der Kahlschlag in vollem Gange. Rund um den Globus machen die Großbanken einen Bogen um das kapitalintensive Geschäft. Die UBS, die Commerzbank, die Societe Generale und viele andere europäischen Geldhäuser glauben nicht mehr daran, dass das Investmentbanking Renditen wie vor der Krisen bringen wird.

Nicht so die Deutsche Bank. Das größte deutsche Finanzinstitut konnte vor allem dank des Investmentbankings im letzten Quartal 2014 überraschend einen Gewinn von 441 Millionen Euro verbuchen. Auch die Großbanken in den USA reiben sich die Hände. 2014 stieg der Nettogewinn im Investmentbanking bei Goldman Sachs um acht Prozent auf 6,5 Milliarden Dollar. Bei JP Morgan stieg der Gewinn im vierten Quartal 2014 um zwei Prozent auf 1,54 Milliarden Dollar, bei der Citigroup vergrößerte er sich im zweiten Quartal 2014 sogar um satte 16 Prozent. In den USA wollen die Finanzinstitute daher den Rückzug der Konkurrenz für sich nutzen. Sie sprechen von einer vorübergehenden Flaute im Investmentbanking. Die Statistiken stützen ihre Vermutung.

Vor der Krise im Jahre 2007 verzeichneten Banken, die mit Kapitalmarktprodukten handelten, weltweit Gebühreneinnahmen von 101,8 Milliarden Euro. Nach den Verwerfungen brachen die Einnahmen dramatisch ein. Doch seit 2011 weht der Wind wieder von einer anderen Seite. 2014 beliefen sich die Gebühreneinnahmen auf knapp 84 Milliarden Euro, Tendenz steigend.

Auch die Deutsche Bank will in Lücken vorstoßen, die die Rivalen hinterlassen. Und nicht nur das. Sie will zu den ganz Großen im weltweiten Bankengeschäft gehören. Um das zu erreichen, muss sie im Investmentbanking auch auf der internationalen Bühne eine Rolle spielen.

„Deutschland braucht ein international wettbewerbsfähiges Finanzinstitut“, sagt Jürgen Kurz von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) Handelsblatt Online, „und um das realisieren zu können, kommt man derzeit um das Investmentbanking wohl kaum herum.“

Kommentare zu " Investmentbanking: Sitzt die Deutsche Bank in einem sinkenden Schiff?"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%