Investmentsparte
Aufregung über Ethik-Fonds der Deutschen Bank in Israel

Wenige Tage vor dem Besuch von Kanzlerin Merkel in Israel sorgen Berichte für Aufsehen: Die Deutsche Bank soll eine israelische Großbank wegen ethischer Bedenken aus einem Investmentfonds ausgeschlossen haben.

JerusalemIn Israel haben wenige Tage vor dem Besuch von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) Berichte für Aufsehen gesorgt, wonach die Deutsche Bank eine israelische Großbank wegen ethischer Bedenken aus einem Investmentfonds ausgeschlossen haben soll. Wie israelische Medien am Dienstag berichteten, fragte Vizeminister Ofir Akunis von der Likudpartei am Montag im Knessetplenum: „Ist es hinnehmbar, dass eine deutsche Bank Juden boykottiert, als wäre niemals etwas geschehen?“ Ein Sprecher der Deutschen Bank wies die Darstellung in israelischen Medien auf AFP-Anfrage zurück.

Das israelische Onlineportal „Walla“ und die konservative Tageszeitung „Maariv“ berichteten am Dienstag, Vizeminister Akunis habe sich auf einen Fonds der größten deutschen Bank bezogen, bei dem Investitionen in 16 Unternehmen unter moralischen Gesichtspunkten ausgeschlossen seien. Neben 13 Rüstungsfirmen finde sich ganz oben auf der Liste die zweitgrößte israelische Bank Hapoalim, weil diese in Siedlungen in den besetzen Palästinensergebieten sehr aktiv sei.

Ein Sprecher der Investmentsparte der Deutschen Bank sagte AFP, bei Fonds wie dem kritisierten definiere nicht das Geldinstitut die „Kriterien für die Auswahl oder den Ausschluss von einzelnen Unternehmen“. Außerdem biete die Bank „eine Reihe von aktiv gemanagten Fonds an, die in die Bank Hapoalim investieren“.

Wie aus Kreisen der Deutschen Bank verlautete, wollte die dänische Organisation Danish National Research Foundation (DNRF) bei der Bank in einen speziell für sie gestalteten Fonds investieren, der auf dem MSCI World Index beruht. 16 Unternehmen dieses internationalen Aktienindex' wollte die DNRF in ihrem Fonds aber offenbar aus ethischen Gründen nicht vertreten haben, darunter die Hapoalim. Der entsprechend gestaltete Fonds wurde im vergangenen November aufgelegt und ist bisher nicht an den Börsen zugelassen. Anderen Interessenten als der dänischen Stiftung steht der Fonds also nicht ohne Weiteres zur Verfügung.

In Israel herrscht große Sorge, dass sich die Beschränkungen ausweiten, die europäische Staaten und Firmen gegen die nach internationalem Recht illegalen Siedlungen richten. So werden seit dem vergangenen Jahr verstärkt Kooperationen mit Forschungseinrichtungen, Finanzinstituten und Versorgungsunternehmen kritisch geprüft, die auch in den Siedlungen aktiv sind. Die israelische Regierung hofft dabei auf deutsche Zurückhaltung. Bundeskanzlerin Merkel wird am Montag mit Teilen des Kabinetts zu zweitägigen Regierungskonsultationen nach Jerusalem reisen.

Agentur
afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur
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