Investoren bemängeln geringe Liquidität Hedge-Fonds entdecken Handel mit Emissionsrechten

Der noch junge Handel mit Kohlendioxid-Verschmutzungsrechten kommt in Schwung - zumindest in Europa.

HB FRANKFURT/M. Volumen und Preise steigen, weil neben Unternehmen auch Banken, Hedge-Fonds und andere spekulative Investoren den Markt mit CO2-Emissionszertifikaten entdecken. Der Preis für die Berechtigung zum Ausstoß einer Tonne CO2 verfünffachte sich seit Start des offiziellen Handels in Europa Anfang des Jahres von sechs auf beinahe 30 Euro. Zwar hat der Preis mittlerweile wieder etwas nachgegeben, doch kosten entsprechende Verschmutzungsrechte in den USA lediglich rund zwei Dollar (1,65 Euro). Allerdings findet der Handel in den USA auf freiwilliger Basis und in weit geringerem Umfang statt. Die Vereinigten Staaten als Land mit dem höchsten Energieverbrauch und dem höchsten CO2-Ausstoß haben das Kyoto-Abkommen zum Klimaschutz, auf dem der Emissionshandel in Europa basiert, nicht ratifiziert.

Otto Steinmetz, Vorstand der Dresdner Bank begründet das starke Engagement seiner Bank im CO2-Emissionshandel mit dem Wettbewerbsvorsprung, den ein frühzeitiges Engagement bringen kann. Stefan Bender von der Deutschen Bank spricht ebenfalls von einem interessanten Zukunftsmarkt, schränkt aber ein, dieser Markt verfüge über eine geringe Liquidität. Ähnlich argumentiert auch Raphael Blunschi von der RMF Group in New York, einer Tochter der weltweit größten Hedge-Fonds-Gesellschaft Man Group: „Der CO2-Emissionsmarkt wird auch für Hedge-Fonds immer interessanter.“ Allerdings sei der Markt im Vergleich zum Stromhandel im allgemeinen Verständnis noch weit zurück. Hier müsse noch viel Aufklärungsarbeit geleistet werden. Als negativ wird allgemein die ablehnende Haltung der US-Regierung gewertet. Gleichwohl wurde 2001 in den USA mit der Chicago Climate Exchange die erste Emissionsbörse in der Welt gegründet. Jetzt gerät die Regierung Bush im eigenen Lande unter zunehmenden Druck. Neun Bundesstaaten im Nordosten der USA haben in den vergangenen Tagen eine Vereinbarung zur freiwilligen Reduzierung von Treibhausgasen um zehn Prozent bis zum Jahr 2020 erarbeitet.

„Je länger die USA mit ihrer Entscheidung pro Emissionshandel warten, desto größer wird in Zukunft der Anpassungsdruck für die amerikanische Wirtschaft sein“, sagt Steinmetz. Dann hätten jene Länder einen Wettbewerbsvorteil, die heute bereits diese neuen Handelsmechanismen beherrschten und sich bei der Entwicklung neuer Umweltschutz-Technologien eine Führungsposition erarbeitet hätten. „Europa und Deutschland müssen diese Idee nachhaltig vorantreiben“, sagt Steinmetz. „Dies verbessert letztendlich unsere Wettbewerbssituation.“ Und Arbeitsplätze schaffe es auch.

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