Investoren: Bonitätswächter zu streng Heftige Kritik an Ratingagenturen

Die großen Ratingagenturen ziehen erneut den Unmut vieler Investoren auf sich. Doch anders als zu Beginn der Finanzkrise werfen ihnen Analysten und Fondsgesellschaften diesmal keine zu laxen Bewertungen vor, sondern das Gegenteil.
Skyline von Frankfurt am Main. Die Ratingagenturen ziehen den Ärger von immer mehr Investoren auf sich - diesmal, weil sie zu streng urteilen. Quelle: ap

Skyline von Frankfurt am Main. Die Ratingagenturen ziehen den Ärger von immer mehr Investoren auf sich - diesmal, weil sie zu streng urteilen.

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FRANKFURT. „Nach unserer Einschätzung sind die verschärften Annahmen der Ratingagenturen bei weitem überzogen“, sagt Alexander Ohl, Rentenfondsmanager der Fondsgesellschaft Union Investment.

Hintergrund für die Kritik ist eine Welle von Ratingherabstufungen, die vor einigen Monaten angerollt ist. Viele Wertpapiere, in die Unternehmensdarlehen, private oder gewerbliche Immobilienkredite verpackt wurden, sind entweder schon abgewertet worden, oder sie müssen in Kürze damit rechnen. Moody's hat die Ratinganpassung vieler Verbriefungen bereits in großen Teilen abgeschlossen. Standard & Poor's (S&P) dürfte im dritten Quartal folgen, fürchten Finanzexperten. Schlechtere Bonitätsnoten sind in wirtschaftlichen Schwächephasen normal, da die Gefahr von Zahlungsausfällen steigt. Deshalb räumt auch Ohl ein, dass die Ratingentscheidungen in die richtige Richtung gehen. „Aber das Ausmaß stimmt nicht mehr. Das wirkt panisch“, sagt er.

Auf den ersten Blick wirkt die neue Kritik von Investoren paradox, da zu Beginn der Krise zu optimistische Ratingurteile gegeißelt wurden. Übertrieben niedrige Ratings sind für die Investoren aber ebenso schmerzlich: Schlechte Bonitätsnoten mindern meist den Marktwert solcher Wertpapiere. Manche Investoren sind zudem wegen ihrer Anlagerichtlinien gezwungen, Wertpapiere zu verkaufen, wenn deren Note unter ein bestimmtes Niveau sinkt. Banken, die solche verbrieften Wertpapiere besitzen, müssen zudem erheblich mehr Eigenkapital vorhalten.

Die Ratingagenturen wehren sich gegen die Kritik. „Angesichts dieses außergewöhnlichen Abschwungs und der scharfen fundamentalen Verschlechterung, die wir sehen, sollte es nicht überraschen, dass unsere Ansicht über die Kreditwürdigkeit vieler Emittenten sich verändert“, sagt Martin Winn, Europa-Sprecher von S&P.

Diese Sicht teilen nicht alle Investoren. „Es ist zwar logisch, dass sich im Abschwung Ratings verschlechtern, doch in einigen Bereichen stufen sie sehr schnell und scharf herab“, sagt etwa Andreas Römer, Rentenfondsmanager bei der DWS. Aus seiner Sicht befinden sich die Ratingurteile nun auf einem nachvollziehbaren Stand. „Bei nachrangigen Bankanleihen überschießen die Agenturen bei einigen Adressen mit ihren Ratingurteilen aber negativ“, sagt er.

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