Investorenvertreter drohen
Aktionärsberater nehmen Deutsche Bank aufs Korn

Die Hauptversammlung der Deutschen Bank könnte für einige Aufsichtsräte unangenehm werden. Einflussreiche Investorenvertreter wollen sie nicht wiederwählen. Die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger geht noch weiter.
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FrankfurtDie Deutsche Bank muss sich nach Informationen des Handelsblatts auf Ärger auf der am kommenden Donnerstag anstehenden Hauptversammlung einstellen. Die Altlasten der Ära Ackermann werden jetzt auch im Aufsichtsrat des größten deutschen Geldhauses ein Thema. Auf dem Aktionärstreffen wollen gleich mehrere einflussreiche Investorenvertreter gegen langjährige Kontrolleure vorgehen. Besonders im Fokus der Großaktionäre steht dabei der frühere SAP-Chef Henning Kagermann.

Die mächtige US-Aktionärsberatung ISS moniert, dass Kagermann bereits seit 13 Jahren im Kontrollgremium der Deutschen Bank sitzt und ihm damit die nötige Unabhängigkeit fehle. Außerdem stößt sich die ISS an den fünf weiteren Aufsichtsratsmandaten Kagermanns. Deshalb empfehlen die Berater in einer schriftlichen Analyse, den 1.700 Großinvestoren, die zu ihrem Kundenkreis zählen, Kagermann nicht erneut in den Aufsichtsrat zu wählen. Erst vor kurzem hätte die ISS um ein Haar die Wahl des ehemaligen Lufthansa-Chefs Wolfgang Mayrhuber in den Aufsichtsrat der Fluggesellschaft verhindert.

Noch deutlicher wird die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger. Die SdK will auf der Hauptversammlung den gesamten Aufsichtsrat der Deutschen Bank - mit Ausnahme der neuen Mitglieder Paul Achleitner, Peter Löscher und Klaus Trützschler - nicht entlasten. „Grund dafür ist die Tatsache, dass der Aufsichtsrat - mit den benannten Ausnahmen - trotz der offen zu Tage getretenen Organisations- und Kontrollprobleme diese Probleme nicht gelöst hat“, sagte SdK-Vertreter Markus Kienle dem Handelsblatt.

Er spielt damit auf Klagen in den USA im Zusammenhang mit faulen Hypothekenpapieren, den Verdacht auf die Manipulation des globalen Referenzzinses Libor, sowie Ermittlungen wegen des Verdachts auf Umsatzsteuerbetrug an.

Hans-Christoph Hirt von der britischen Investorenberatung Hermes Equity Ownership Services (EOS) ist mit den alten Aufsichtsräten ebenfalls unzufrieden. „Die Wiederwahl der Kandidaten, die teilweise schon sehr lange Mitglieder des Aufsichtsrats sind, sehen wir aufgrund der unzureichenden Arbeit des Gremiums unter der Führung des damaligen Aufsichtsratschefs Clemens Börsig kritisch. Und von Herrn Kagermann würden wir ein Nachdenken über die Anzahl seiner Mandate bei anderen Unternehmen begrüßen, da fraglich ist, ob er auch in Krisensituationen für die Wahrnehmung seiner Mandate genügend Zeit zur Verfügung hätte.“

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  • in der Medien-Landschaft hat sich in der Tat ein anderer Berichtsstil formiert. Nebensächliches wird überbetont und die wirklich wichtigen Informationen werden nur noch am Rande erwähnt.

  • Wieso heisst die Bank eigentlich noch "Deutsche" Bank???

    Laut einer Studie der Unternehmensberatung Ernst & Young,
    sind alle 30 DAX-Unternehmen mehrheitlich in ausländischer Hand!!

    Wie die Unternehmensberater nachrechneten, waren im letzten Jahr 55% aller DAX-Aktien im Besitz ausländischer Investoren!

    Wieso erfahren wir davon nichts in den Medien?

    Gehören die "deutschen" Medien vielleicht auch den ausländischen "Investoren"???

    Bitte nicht löschen, Herr/Frau Zensor danke

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