Italien
Staatsrettung für Monte dei Paschi steht bevor

Italiens Krisenbank schockt mit der Nachricht, dass ihre Finanzlage schlechter sei als bisher bekannt. Die Bank scheitert wohl mit dem Versuch, private Investoren anzulocken. Die Aktie ist wieder im freien Fall.
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MailandDie italienische Krisenbank Monte dei Paschi steuert auf eine Rettung durch den Staat zu. Das Geldhaus aus der Toskana teilte am Mittwochabend mit, keinen Ankerinvestor gefunden zu haben. Die drittgrößte Bank des Landes, die unter einem Berg fauler Kredite ächzt, hatte gehofft, den Staatsfonds von Katar überzeugen zu können, neue Aktien zu zeichnen. Dieser sollte allein eine Milliarde Euro zur Verfügung stellen. Die Option sei nun nicht mehr auf dem Tisch, sagte eine mit der Situation vertraute Person zu Reuters. „Ohne einen Ankerinvestor gibt es keine Nachfrage von anderer Seite.“

Zugleich verdichtet sich, wie die Bank gerettet werden könnte. Auf der Sitzung des italienischen Senats und der Abgeordnetenkammer gaben die Parlamentarier am Mittwoch grünes Licht, dass die Regierung bis zu 20 Milliarden Euro zusätzliche Schulden machen darf, um den angeschlagenen Bankensektor im Notfall stützen zu können.

Die Rettung der Krisenbank durch den italienischen Staat wird sich einem Medienbericht zufolge über mehrere Monate hinziehen. Die Staatshilfe erfolge in mehreren Schritten und erforderte zwei bis drei Monate Zeit, berichtete die Tageszeitung „Il Sole 24 Ore“ in ihrer Donnerstagausgabe. Auch unter dem Rettungsprogramm werde die Kapitalerhöhung bei etwa fünf Milliarden Euro liegen.

Die Aktie der italienischen Krisenbank Monte dei Paschi schwankt am Donnerstag extrem. Die Papiere stürzten zu Handelsbeginn um 6,8 Prozent auf ein neues Rekordtief von 14,71 Euro, wenig später notierten sie im Plus. Immer wieder wurde der Handel wegen automatischer Volatilitäts-Aussetzungen unterbrochen.

Der vor fünf Monaten als Chef bei Italiens größter Bank Unicredit gestartete Jean-Pierre Mustier zeigt sich im Handelsblatt-Interview optimistisch: „Ich bin extrem zuversichtlich, dass es eine Lösung für Italiens Banken geben wird“, sagte der Franzose, der im ersten Quartal die Rekordsumme von 13 Milliarden Euro bei den Anlegern für eine Kapitalerhöhung einsammeln will.

Am Mittwochmorgen hatte sich abgezeichnet, dass die Zukunft Monte dei Paschis Spitz auf Knopf steht. Die älteste Bank der Welt hatte bekannt gegeben, dass die Finanzlage sehr viel schlechter sei, als bisher bekannt. Die Liquidität reiche nur noch für vier Monate. Bislang war die Konzernführung davon ausgegangen, dass das Geld noch für elf Monate reichen werde. Derzeit wird das Liquiditätspolster auf etwa 10,6 Milliarden Euro beziffert.

Am Mittwoch und Donnerstag waren die Monte-Aktien vom zeitweise Handel ausgesetzt worden. Erst im November hatte das Geldhaus aus dem toskanischen Siena seine Aktien zusammengelegt, um den Kurs zu stützen. Mit dem Parlamentsbeschluss aus Rom konnten die Titel am Mittwoch zunächst die Verluste reduzieren, sie drehten zeitweise sogar ins Plus. Doch dann gaben die Papiere deutlich nach – eine wahre Achterbahnfahrt, die sich am Donnerstag fortsetzte.

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Staatsrettung für Monte dei Paschi steht bevor

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Faule Kredite als Grundübel

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  • Was spräche denn dagegen diese überschuldeten Banken abzuwickeln, bzw. meistbietend (geringster Negativbetrag) an ausländische Banken zu verkaufen.

    Ärgerlich ist dass bei der geplanten Prozedur vermutlich der Deutsche Sparer?/Steuerzahler? direkt/indirekt mitbezahlt.

    Von einer Wirtschaftszeitschrift hätte ich z.B. bezüglich der Deutschen Beteiligung nähere Informationen erwartet.

    Mal sehen ob dieser Kommentar gelöscht, oder zensiert wird.

  • Wenn man Monte de Paschi nun Staatshilfen zukommen lässt -entgegen der gerade erst neu gefassten europäischen Vereinbarungen, wonach zunächst Eigentümer und Gläubiger der bank haften sollen- mit welcher Begründung will man dann zukünftig anderen notleidenden Italo-Banken die Staatshilfe verwehren? Und wie soll der mit bereits 130% zum BIP verschuldete italienische Staat das schultern? Oder liegt der ESM-Antrag schon fertig in irgendeiner Schublade?

    Ich denke, die Wahrscheinlichkeit ist groß dass die Banken zunächst beim italienischen Staat die Hand aufhalten, und danach der italienische Staat bei Europa (=Deutschland). Allerdings: Italien ist für EU und Euro zwar "systemrelevant", also "too big to fail" aber auch "too big to rescue", den die griechische Dimension wird hier um den Faktor 10 gesteigert. Man wird den Deutschen kaum noch weiss machen können, dass wir an den ESM-Krediten an Italien auch noch "Zinsen verdienen".

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

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