Italiener räumen auf
14 Milliarden Verlust für Unicredit

Im vergangenen Jahr hat die italienische Großbank Unicredit wegen Abschreibungen auf Firmenwerte rote Zahlen geschrieben. Analysten erwarteten die Sonderlasten offenbar nicht. Dieses Jahr soll es wieder aufwärts gehen.
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MailandDer bevorstehende EZB-Stresstest für Banken zeigt schon jetzt Wirkung: Die italienische Unicredit räumt ihre Bilanz massiv auf und muss deswegen für 2013 einen Verlust von 14 Milliarden Euro verkraften, wie das Institut am Dienstag in Mailand mitteilte. An der Börse wurde trotz des immensen Verlusts honoriert, dass sich die Bank damit fit für den EZB-Test macht. Unicredit-Aktien verteuerten sich am Dienstag um sechs Prozent, auch weil das Management keinen Bedarf sieht, frisches Kapital aufzunehmen.

Bankchef Federico Ghizzoni sagte, das Management sei zuversichtlich, genug getan zu haben, um grünes Licht von den EZB-Aufsehern zu bekommen. „Wir hätten die Verluste über viele Jahre strecken können, haben uns aber entschieden, es alles in einem Jahr zu buchen.“

Der Verlust geht auf zwei Hauptfaktoren zurück: Einerseits wurden in der Bilanz die Firmenwerte auf Aktivitäten in Italien, Österreich und Osteuropa komplett abgeschrieben. 2005 war die Unicredit mit der Übernahme der Münchner HVB samt ihrer Töchter wie der Bank Austria zu einer Macht in Europa geworden. Andererseits setzen den Mailändern faule Kredite zu. Denn Italien kämpft sich nur mühsam aus der längsten Rezession seit dem Zweiten Weltkrieg heraus. Viele Verbraucher und Firmen können ihre Schulden nicht mehr zurückzahlen. Die Rückstellungen für faule Kredite summierten sich bei der Unicredit 2013 auf 13,7 Milliarden Euro. Das ist mehr als drei Mal so viel, wie Analysten erwartet hatten.

Die Europäische Zentralbank (EZB) übernimmt bald die Aufsicht über die größten europäischen Geldhäuser und überprüft diese vorher noch auf Herz und Nieren. Am Ende steht ein Stresstest, bei dem die Institute unter Beweis stellen müssen, dass sie auch unter schwierigen Bedingungen wie einer Rezession oder einem Einbruch des Handels noch über genügend Kapitalreserven verfügen. Die Ergebnisse sollen im Oktober publik gemacht werden. Dann wird sich zeigen, wie viele Banken Kapitallücken füllen müssen, die bislang nicht bekannt waren. Die Expertenschätzungen gehen hier weit auseinander und reichen bis zu einem Bedarf von 700 Milliarden Euro.

Von Reuters befragte Analysten hatten die Unicredit-Sonderlasten offenbar nicht erwartet. Denn sie hatten 2013 mit einem Gewinn von gut 916 Millionen Euro gerechnet. Schon dieses Jahr soll es aber wieder aufwärtsgehen. Das Institut kalkuliert mit einem Überschuss von rund zwei Milliarden Euro. Dazu plant das Management, die Kosten zu senken und Beteiligungen zu verkaufen. So dürften bis 2018 rund 8500 von insgesamt gut 148.000 Stellen wegfallen, der Großteil davon in Italien. Die Bank Austria rechnet zudem damit, trotz der politischen Krise ihre ukrainische Tochter innerhalb eines Jahres abstoßen zu können. Der Verkaufsprozess sei gestartet worden und es gebe bereits einen Interessenten, sagte Bank-Austria-Chef Willibald Cernko in Wien. Zudem soll die Unicredit-Direktbanktochter Fineco 2014 an die Börse gebracht werden.

Die Münchner HVB, bei der das Investmentbanking der Gruppe gebündelt ist, ist seit Jahren eine wichtige Stütze von Unicredit. In den ersten neun Monaten fuhr die HVB einen Vorsteuergewinn von 1,6 Milliarden Euro ein. Die Zahlen für 2013 legt die Bank am Mittwoch vor. Vor einem Jahr hatte die HVB eine Sonderdividende nach Mailand überwiesen, um die Kapitaldecke der Unicredit zu stärken.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Italiener räumen auf: 14 Milliarden Verlust für Unicredit"

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  • da wundert es mich nicht wenn sie dann die 500 HVB Filialen dicht machen wollen, die eh´ keiner vermisst, gell?

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