Italienische Banken
Die Branche lechzt nach frischem Geld

Monte dei Paschi rennt die Zeit davon. Italiens Branchenprimus hingegen bereitet eine Mega-Finanzspritze vor. Bis zu 13 Milliarden Euro sind im Gespräch. Klarheit dürfte es ab Dienstag geben.
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MailandBekommen italienische Banken trotz ihrer massiven Probleme und der jüngsten Regierungskrise in Rom von Investoren noch Geld? Bei der größten Krisenbank des Landes, Monte dei Paschi di Siena, gestaltet sich dies nach dem Rücktritt von Ministerpräsident Matteo Renzi schwierig. Dringend benötigtes Kapital dürfte hier vor allem vom Staat kommen, weil private Anleger zögern. In diesem Umfeld wagt sich nun wohl auch Italiens Branchenprimus Unicredit aus der Deckung. Nächste Woche könnte die Mutter der Münchner Hypovereinsbank die lange erwartete Kapitalerhöhung bekanntgeben. Ein Volumen von bis zu 13 Milliarden Euro ist Insidern zufolge im Gespräch. Das könnte ein Befreiungsschlag werden.

Eine mit der Situation vertraute Person sagte der Nachrichtenagentur Reuters, UniCredit-Chef Jean-Pierre Mustier habe sich noch nicht endgültig festgelegt. Zwei andere Insider sagten, der neue Mann an der Spitze wolle die Bedenken zur Kapitalausstattung des Instituts ein für alle Mal ausräumen. Laut einem weiteren Insider könnte bei zehn Milliarden Euro Schluss sein.

Es wäre aber immer noch ein großer Schluck aus der Pulle – schließlich kommt die in 17 Ländern aktive Bank derzeit doch nur auf einen Börsenwert von 15 Milliarden Euro. 2016 hat sich die Marktkapitalisierung mehr als halbiert. Aktienhändler verweisen auf die vielen faulen Kredite und den im Vergleich mit europäischen Rivalen sehr niedrigen Gewinn der Mailänder.

Mustier – ein Investmentbanker aus Frankreich – soll es jetzt richten. Er ist seit dem Sommer im Amt. Am kommenden Dienstag soll die neue Strategie verkündet werden. Dann dürfte es auch Details zur Kapitalerhöhung geben. Insidern zufolge soll sie vermutlich Anfang 2017 über die Bühne gehen. Die Regierungskrise in Rom wird daran voraussichtlich nichts ändern: „Wir planen langfristig“, sagte Mustier zuletzt in einem Interview.

Die Marktbedingungen sind allerdings widrig. Völlig offen ist derzeit, wie die nächste Regierung aussehen wird. Neuwahlen und ein Sieg der Anti-Euro-Bewegung „Fünf Sterne“ gelten als möglich. Laut Rating-Agentur Moody's werden dringend notwendige Reformen jetzt wohl erst einmal ausbleiben.

Viele große Investoren bleiben deshalb vorerst lieber in Deckung – erst recht, wenn es darum geht, neues Geld in die ohnehin wackelige italienische Finanzbranche zu pumpen. Es gebe einen „monströsen Rückstau“, sagt der Chef-Investmentstratege Andrea Cuturi vom Vermögensverwalter Anthilia Capital Partners.

Die jahrelange Wirtschaftskrise hat viele Kredite platzen lassen. Unicredit hat zum Beispiel das größte Portfolio mit problembehafteten Darlehen in ganz Europa. Insidern zufolge kann es nächste Woche auch um Pläne gehen, bis zu 20 Milliarden Euro davon aus der Bilanz zu bekommen. Auch dafür dürfte das frische Kapital eingesetzt werden. Denn in der Regel übernehmen Investoren Teile solcher Portfolien nur, wenn sie einen deutlichen Abschlag gewährt bekommen. So entstehen Verluste in den Bilanzen der Banken.

Etwas Luft erhält UniCredit derzeit immerhin durch zahlreiche Verkäufe, mit denen Mustier den Konzern verschlanken will. So wird beispielsweise exklusiv mit der französischen Amundi verhandelt, die die UniCredit-Fondsgesellschaft Pioneer übernehmen will. Das könnte 3,5 Milliarden Euro einbringen. Rund 2,5 Milliarden Euro wurden zudem gerade durch einen Verkauf in Polen eingespielt.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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