Italienische Bankenkrise

Monte dei Paschi braucht noch mehr Geld

Neun Milliarden Euro statt fünf – der Kapiteldarf der Krisenbank Monte dei Paschi ist laut EZB viel höher als angenommen. Roms Parlament hat bereits einen Fonds aufgelegt, doch auch die EU-Kommission muss entscheiden.
Update: 27.12.2016 - 11:06 Uhr 10 Kommentare

Monte dei Paschi wackelt viel stärker als gedacht

MailandDie italienische Krisenbank Monte dei Paschi di Siena, die BMPS, braucht deutlich mehr Geld als bisher angenommen. Die Europäische Zentralbank habe für das Kreditinstitut eine Kapitallücke von 8,8 Milliarden Euro ermittelt, teilte die nur noch durch Staatshilfe zu rettende Traditionsbank – sie ist das älteste Institut der Welt – am späten Montagabend in Siena mit. Bislang war stets von einem Kapitalbedarf in Höhe von fünf Milliarden Euro die Rede.

Das Institut bestätigte nun die Summe von knapp neun Milliarden Euro. Die italienische Zeitung „Il Sole 24 Ore“ hatte am Montag erstmals von der Zahl berichtet. Die EZB habe die Summe am vergangenen Donnerstag festgelegt. Der italienische Staat solle sechs Milliarden Euro investieren, der Rest solle über Anleihen eingeholt werden. Drei mit den Plänen vertraute Personen sprachen bei der Nachrichtenagentur Reuters von 6,5 Milliarden Euro, die aus dem Fonds kommen sollen. Der Rest des Kapitalbedarfs werde durch den Tausch von nachrangigen Anleihen in Aktien der Traditionsbank gedeckt, was 2,0 bis 2,3 Milliarden Euro bringen soll.

Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Kapitalbedarf von Monte Paschi am Montag auf 8,8 Milliarden Euro taxiert, deutlich mehr als die bisher erwarteten fünf Milliarden Euro. Die Regierung hatte in der vergangenen Woche einen 20 Milliarden Euro schweren Fonds zur Stabilisierung des Bankensektors ins Leben, der zunächst Monte Paschi stabilisieren soll.

Schon für die Deckung des Bedarfs von fünf Milliarden hatte die Bank keine privaten Geldgeber gefunden, so dass Italiens Regierung in der vergangenen Woche ein Rettungspaket schnüren musste. Das Kabinett schaffte die Voraussetzungen für die Bildung eines Fonds mit Mitteln in Höhe von 20 Milliarden Euro. Das Geld ist dazu gedacht, neben Monte dei Paschi auch andere Krisenbanken im Land zu stützen.

Die neue Berechnung des Finanzbedarfs sei Monte dei Paschi mitgeteilt worden, nachdem das Geldhaus beantragt hatte, von der „vorsorglichen Rekapitalisierung“ durch den Staat Gebrauch zu machen. Auch die Liquidität der Bank habe sich zwischen dem 30. November und dem 21. Dezember rasch verschlechtert, hieß es in der Mitteilung.

Monte dei Paschi braucht dringend frisches Geld, um die Verluste bei der Auslagerung fauler Kredite abzudecken. Darlehen im Gesamtvolumen von rund 45 Milliarden Euro werden vermutlich niemals zurückgezahlt. Beim Stresstest der Europäischen Bankenaufsicht, die EBA, Ende Juli schnitt die BMPS am schlechtesten ab.

Bundesbank-Präsident Jens Weidmann hatte vor einer Rettung der Krisenbank durch den italienischen Staat eine sorgfältige Prüfung angemahnt. Die EU-Regeln verbieten mittlerweile eigentlich staatliche Rettungsaktionen für Banken. Bevor der Steuerzahler zur Kasse gebeten wird, sollen nach europäischen Abwicklungsregeln zunächst die Gläubiger von Anleihen mit Verlusten rechnen.

Das Problem in Italien ist, dass viele Kleinanleger ihre Ersparnisse in diese Papiere gesteckt haben. Ministerpräsident Paolo Gentiloni hatte vergangene Woche betonte, dass die Intervention des Staates darauf abziele, die Ersparnisse von Bürgern so weit wie möglich zu schützen und Italiens Bankensektor zu stärken.

Am Freitag erklärte ein Sprecher der EU-Kommission, unter gewissen Auflagen sei eine „vorsorgliche Rekapitalisierung“ möglich. Es gebe bereits „enge und konstruktive Kontakte“ zur Ausarbeitung eines Sanierungsplans. Die Hilfen müssten von der EU-Kommission genehmigt werden.

Monte dei Paschi taumelt - Finanztitel unter Druck

Monte dei Paschi taumelt - Finanztitel unter Druck
  • dpa
  • rtr
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10 Kommentare zu "Italienische Bankenkrise: Monte dei Paschi braucht noch mehr Geld"

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  • Niemand stellt die Frage, wer die Kredite abgegriffen hat und warum sie zu faulen Krediten wurden. Kann es sein, daß Gelder in Form von "Darlehen" massenweise an Bekannte, Verwandte, Mafiosi vergeben wurden, ohne die Bonität vorher geprüft zu haben? Da kann ich nur bedauern, daß ich keinen Bekannten bei der Monte dei Paschi habe, sonst hätte ich mich gerne in die Schlange vor dem Bankschalter eingereiht. Dann hätte ich das Geld verprasst und nach einiger Zeit ganz plötzlich auf bankrott gemacht, wohlwissend, daß Draghi seine Landsleute nicht im Stich lässt.

  • Ist denn überhaupt noch Banknoten Druckerpapier vorhanden???
    Letztes Jahr mussten am Amazons 2000 Hektar gefällt werden ... u. es langte immer noch nicht!!!

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich. http://www.handelsblatt.com/netiquette 

  • Wo liegt das Problem ?
    Ob man jetzt 5 Mrd. Kloopapier druckt oder 10 dauert halt etwas länger.

    Es gilt den Euro mit seiner zugehörigen Bürokratie zu erhalten um jeden Preis !

    Was würde geschehen, wenn man die dort Beschäftigten alle in den Hartz schicken würde, so viele Agenturen für Arbeit gibt's gar nicht um die zu verwalten.

    Diese genialen Schachzüge, klammheimlich übernehmen wir die lukratrivsten Firmen der USA.
    Fiat -> Chrysler
    Basf -> Monsanto

    Alles für lau, also was soll's !
    Diese Eurokraten mit ihrer Weitsicht, Nachhaltigkeit und Sinn für den Untergang.
    Das erschließt sich dem Normalbürger einfach nicht mehr !

  • Monte dei Paschi hat sich wieder mal in großem Umfang mit Derivaten verzockt und möchte jetzt die Verlußte vom europäischen (besser deutschen) Steuerzahler ersetzt haben. Dann ist das Casino wieder eröffnet und die Show kann weitergehen.

  • Michael Mouse stellt die Frage zu Recht!

    Es wird immer alles auf die Banken geschoben. In Wirklichkeit sind es doch die Schuldner, welche ihre Kredite nicht zurückbezahlen!

    WER SIND DIE SCHULDNER?

    Wenn der Steuerzahler einspringt, hat er auch ein Recht zu erfahren wer die Schuldner sind!

  • Der Anstieg des Kapitalbedarfs von MPS um nahezu 80% innerhalb eines Wochenendes lässt doch für weitere italienische Rekapitaliierungsorgien bei italienischen Banken "hoffen". Andererseits: wenn der Staatstopf mal offen ist, sollte man sich auch nicht lumpen lassen.

  • Man sollte wirklich nicht zu kleinlich sein. Denn der italienische Staat hat übehaupt kein Geld, um zu "retten". Vielmehr gibt er Anleihen aus, die die ezb aufkauft. Auch wird die ezb die Anleihen deser merkwürdigen Bank aufkaufen, wer denn sonst.

    Diese sagenhaften Anleihen kommen zu den 1600 Milliarden hinzu, die Mister Draghi bereits aufgekauft hat, da kommt es auf 10 Milliarden nicht an.

    Da Italien die Anleihen niemals zurückkaufen wird, bleiben sie also bei der ezb. Und sind wertlos, weil man für nicht eingelöste Anleihen eines Pleitiers nichts bekommt. Und im Falle des Konkurses oder des Auflösens der ezb verbleiben diese wertlosen Anleihen bei deren Eigentümern. Das wird wohl die Bundesbank sein, die als letzte "im Euro" bleiben wird. Dann ist die eben auch pleite.

  • Mal eine "blöde Frage" .... wenn die Bank nun mit vielen Milliarden Steuergelder !! Ihre Faulen Kredite bezahlt bekommt. Dann müssten doch im Umkehrschluss eine ganze Menge Schuldner danach Schuldenfrei sein ;-) .Oder bekommt die Bank etwa Milliarden Steuergelder geschenkt ( für offensichtlich schlechte Geschäftsführung ) und die "Faulen" Kredite sind danach immer noch Faul !! ??? Da erschließt sich einem "nicht BWL'er " der Sinn der Maßnahme irgendwie nicht.

  • Da sollte man nicht so kleinlich sein, sind ja nur Milliarden.

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