Italienische Großbank
Unicredit macht fast elf Milliarden Euro Verlust

Italiens größte Bank muss auf Beteiligungen in Österreich und Osteuropa fast elf Milliarden Euro abschreiben und streicht Tausende Jobs - auch die deutsche Tochter HVB kommt nicht ungeschoren davon. Die Aktie sackt ab.
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MailandDie Unicredit-Aktie wurde heute kurz vor der Mitteilung der Quartalszahlen vom Börsenhandel ausgesetzt. Inzwischen ist klar, warum: Italiens größte Bank setzt nach einem Mega-Verlust von mehr als zehn Milliarden Euro im dritten Quartal zum Befreiungsschlag an. Weil das Institut angesichts der italienischen Schuldenkrise massiv unter Druck steht, braucht es dringend frisches Geld. Damit will der Mailänder Konzern, zu dem auch die Münchner Hypo-Vereinsbank (HVB) und die Wiener Bank Austria gehört, die strengeren Kapitalanforderungen der europäischen Bankenaufsicht EBA erfüllen.

Während die übrigen Institute in Europa bislang den geforderten Kapitalpuffer aus eigener Kraft schaffen wollen, kündigt die Unicredit nun als erste Großbank eine Kapitalerhöhung im Volumen von 7,5 Milliarden Euro an. Diese Finanzspritze sei komplett durch ein Bankenkonsortium garantiert und solle im ersten Quartal 2012 abgeschlossen werden. Die EBA hatte zuletzt bei den Italienern einen Bedarf von 7,4 Milliarden Euro ausgemacht.

Schlechte Nachrichten hatte Bank-Chef Federico Ghizzoni für die Aktionäre: Für 2011 kündigte das Institut an, die Dividende komplett zu streichen. Das wird die größten Eigentümer, darunter auch die Allianz, hart treffen. Am frühen Montagnachmittag sind die Unicredit-Papiere vom Börsenhandel ausgesetzt worden. Kurz zuvor hatte die Aktie ein Minus von 2,6 Prozent auf 80 Cent verbucht, nach einem Plus am Vormittag von vier Prozent. Ein solche Aktion wird von Unternehmen eingesetzt, wenn es eine Pflichtmitteilung gibt, die einen erheblichen Einfluss auf den Kurs haben könnte, beispielsweise einen Konkursantrag oder eine Fusion. Inzwischen wurde der Handel wieder aufgenommen und die Papiere brachen mehr als acht Prozent ein.

Im dritten Quartal habe es Firmenwert-Abschreibungen von rekordverdächtigen 9,6 Milliarden Euro und einen Verlust von 10,6 Milliarden gegeben. Bis 2013 will die Bank in ruhigeres Fahrwasser und auf einen Gewinn von 3,8 Milliarden Euro kommen. Für 2015 peilt Ghizzoni einen Gewinn von 6,5 Milliarden Euro an. Dazu will er auch risikoreiche Anlagen radikal abbauen. Zudem sind Einsparungen vorgesehen. Allein Italien sollen bis 2015 rund 5.200 Stellen wegfallen.

In Arbeitnehmerkreisen wird der Abbau von im schlimmsten Fall bis zu 10.000 Stellen befürchtet. Die Einschnitte dürften aber etwas milder ausfallen. Die italienische Zeitung "Il Giornale" berichtete von 5.000 bedrohten Jobs. Aber auch die HVB komme nicht ganz ungeschoren davon - bis zu 1.000 Stellen könnten hier betroffen sein, wobei ein großer Teil davon bereits in bekannten Kostensenkungsprogrammen vorgesehen ist. Zudem sind auch HVB-Stellen in London betroffen. Die britische Financial Times (FT) hatte in der Wochenendausgabe ohne Quellenangabe berichtet, dass sich die Unicredit zudem teilweise aus Osteuropa zurück ziehen könnte.

Die Mailänder zapfen mit der Kapitalerhöhung nun zum dritten Mal seit der Finanzkrise 2008 den Finanzmarkt an. Bei den beiden vorangegangen Schritten hatte die Bank zusammen 7 Milliarden Euro eingenommen. Seitdem ist der Staat Libyen als Großaktionär mit an Bord. Die Unicredit ist vergleichsweise gering in Anleihen der hoch verschuldeten Staaten Griechenland, Irland, Portugal und Spanien investiert. Dagegen macht ihr Krise im Heimatland schwer zu schaffen.

Bis zum 30. Juni müssen systemrelevante Banken auf eine harte Kernkapitalquote von neun Prozent bei einer gleichzeitigen marktgerechten Bewertung ihrer Staatsanleihen kommen. Die Commerzbank will das etwa dadurch schaffen, dass sie sich von Randgeschäften trennt und die Risiken schneller abbaut. Zudem dürfen Teile des Geschäfts vorübergehend keine neuen Kredite ausgeben.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
Carina Kontio ist Redakteurin im Ressort Unternehmen & Märkte.
Carina Kontio
Handelsblatt / Redakteurin Unternehmen

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  • Meine Herren, das sind Abschreibungen, gehen wir doch mal von einem positiven Szenario aus:

    Die Krise wird überwunden, die Lage erholt sich, die Papiere die jetzt abgeschrieben erholen sich ebenfalls und es kommen wieder unerwartete gewinne (Zuschreibungen) rein.

    Deswegen finde ich ist es eine gute Sache jetzt abzuschreiben, in einer Zeit der Unsicherheit..
    Abschreibung heißt nicht dass das Unternehmen 11 Mrd. in die "Nasse" gesetzt hat, wie so schöön gesagt wurde, sondern dass nur der BUCHWERT herabgesenkt wird.
    d.h. als Folge daraus reden wir nicht von Verlusten sondern von einem Schritt Veröffentlichung, der Ehrlichkeit. Die UniCredit musste nicht Abschreiben, sondern es waren sogenannte "good-will"-Abschreibungen.
    Diese Ehrlichkeit und unverschönernde Nüchternheit, zeigt doch gerade in der derzeitigen Situation, in der die meisten Banken versuchen ihre Papiere nicht abschreiben zu müsssen, um Ihre (ver)schöne(rte) Bilanz nicht zu zerschlagen, wie Kompetenz der UniCredit Führung.

  • Wenn diese Bank 11 Mrd. Verlust ausweist, dann ist das nicht mal die halbe Wahrheit. Zerschlagt den Laden endlich !

  • Betriebsbedingte Kündigung nach 5 Jahren, gerne!!!!

    Neuer Job ist derzeit garantiert, für die Abfindung kann sich der smarte Manager die fünfte Immobilie in München, Berlin oder am Gardasee kaufen....

    Ach ja, 6 - 9 Monate bezahlter Urlaub ist Ehrensache (mit Dienstwagen-Nutzung....)

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