Italienische Krisenbank: Monte Paschi prüft Derivate-Deal mit Deutscher Bank

Italienische Krisenbank
Monte Paschi prüft Derivate-Deal mit Deutscher Bank

Derivate-Deals mit der Deutschen Bank haben das italienische Geldinstitut in die Bredouille gebracht. Nun will Monte Paschi die Geschäfte überprüfen – auch, wenn die Deutsche Bank sagt, sie habe sich korrekt verhalten.
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Mailand/FrankfurtDie italienische Krisenbank Monte dei Paschi nimmt komplexe Derivate-Geschäfte genauer unter die Lupe. Geprüft werde, welche Auswirkungen die in der Bilanz befindlichen Papiere noch haben könnten und wie das Institut weiter verfahren werde, erklärte die mehrfach vom Staat gerettete Bank am Donnerstagabend. Bei der Prüfung, die noch nicht abgeschlossen sei, gehe es um rechtliche, finanzielle und bilanzielle Aspekte der Transaktion. Monte dei Paschi, die als älteste Bank der Welt gilt, äußerte sich nicht dazu, welche strukturierten Produkte im einzelnen untersucht werden.

Nach der Rettung in der Finanzkrise hatte der italienische Staat der drittgrößten Bank des Landes im November erneut mit 500 Millionen Euro unter die Arme gegriffen. Als Grund für die erneute Kapitalspritze nannte Monte dei Paschi in der Vergangenheit abgeschlossene Derivate-Geschäfte. Die Agentur Bloomberg hatte am Donnerstag berichtet, dass die Deutsche Bank eine Schlüsselrolle bei diesen Geschäften gespielt habe. Sie habe im Dezember 2008 einen Derivate-Kontrakt für Monte dei Paschi entwickelt, mit dem die italienische Bank einen Verlust von 367 Millionen Euro aus einem älteren Derivate-Deal abschwächen konnte. Auch das vorherige Derivate-Paket, das auch von der Wertentwicklung von italienischen Staatsanleihen abhing, habe Deutschlands größte Bank entworfen.

Die Deutsche Bank betonte, sie habe sich bei den Geschäften mit Monte dei Paschi korrekt verhalten. Das Institut sei 2008 eine Transaktion mit seinem Kunden Monte dei Paschi eingegangen, erklärte die Bank. „Die Transaktion hat unseren strengen internen Genehmigungsprozess durchlaufen und auch unser Kunde, der unabhängig beraten wurde, gab die nötige Zustimmung.“

Die Deutsche Bank, die weltweit in zahlreiche Rechtsstreitigkeiten verwickelt ist, steht in Italien bereits wegen riskanter Zinswetten gegen Städte und Kommunen in der Kritik. Ein Gericht in Mailand befand die Deutsche Bank, die Schweizer UBS, die US-Bank JP Morgan und die deutsch-irische Depfa im Dezember des schweren Betrugs für schuldig. Die Banken hatten Derivate an die Stadt Mailand verkauft, die sie mit der Aussicht auf niedrigere Zinsen köderten. Doch letztlich kosteten die Zinsswaps die Stadt Millionen.

Die Banken, die Berufung gegen das Urteil eingeleitet haben, müssen sich auf eine Serie von weiteren Prozessen in dem Mittelmeerland einstellen: Rund 600 italienische Kommunen haben Derivate im Volumen von 36 Milliarden Euro gekauft, nun drohen ihnen nach Daten der heimischen Notenbank daraus Verluste von fast vier Milliarden Euro.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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