Italienische Krisenbank
Monte Paschi steht vor neuen Vorwürfen

Die nächste Krise bei Monte Paschi: Die italienische Börsenaufsicht wirft der Bank vor, 2012 unvollständige Angaben gemacht zu haben. Das neue Management sei laut dem Geldhaus aber nicht Ziel der Untersuchungen.
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Mailand/RomDer italienischen Krisenbank Monte Paschi droht neues Ungemach. In einem Schreiben der Börsenaufsicht Consob an die Staatsanwaltschaft in Siena wirft die Behörde dem ältesten Geldhaus der Welt vor, zwischen April und Oktober 2012 unvollständige und unrichtige Angaben gemacht zu haben. Der Nachrichtenagentur Reuters lag das Dokument am Freitag vor. Die Börsenaufsicht hatte zuvor die drittgrößte italienische Bank gebeten, Details von bestimmten Transaktionen darzulegen, die das Finanzinstitut in Schwierigkeiten gebracht hatten. Als Konsequenz aus den Vorwürfen könnte Consob die Bank mit Sanktionen belegen und die Staatsanwaltschaft ihre Untersuchungen ausweiten. Außerdem könnten sie die Genehmigung der EU-Kommission für die milliardenschweren Staatshilfen erschweren.

In dem Schriftstück werden keine Namen von Bankmanagern genannt. In dem betreffenden Zeitraum war jedoch bereits das neue Management unter Konzernchef Fabrizio Viola und Verwaltungsratsvorsitzenden Alessandro Profumo installiert. Viola kam im Januar 2012 zu Monte Paschi, Profumo im April 2012. Consob wollte sich nicht dazu äußern. Monte Paschi teilte mit, dass das neue Management nicht Ziel der Untersuchungen sei.

Die EU-Kommission hatte im Juli von der Bank einen schärferen Sanierungskurs verlangt, um grünes Licht für die Staatshilfen geben zu können. Mehrere Derivate-Deals haben das Institut vergangenes Jahr knapp eine Milliarde Euro gekostet. Die für die umstrittenen Transaktionen verantwortliche Führungsspitze unter Antonio Vigni und Guiseppe Mussari musste deswegen abtreten.

Nur mit staatlicher Hilfe konnten die Löcher in der Kapitaldecke geschlossen werden. Mittlerweile ermitteln die Staatsanwälte wegen des Verdachts auf Korruption und Betrug. Vermutlich wird es aber noch Jahre dauern, bis die fatalen Derivate-Geschäfte juristisch aufgearbeitet sind.

Der Fall hat das Land auch politisch erschüttert und Kreise bis an die Spitze der Europäischen Zentralbank gezogen. Monte Paschi hatte im Februar Nothilfen des Staates von vier Milliarden Euro erhalten.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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