Italiens Banken-Krise
EZB hält Problem fauler Kredite für lösbar

Die jahrelange Wirtschaftsflaute macht italienischen Banken zu schaffen – sie ächzen unter der Last fauler Kredite. EZB-Bankenwächter Ignazio Angeloni findet, das sei kein landesweites und zudem ein lösbares Problem.

FrankfurtDie Schwierigkeiten italienischer Geldhäuser mit faulen Krediten können nach Einschätzung der EZB-Bankenaufsicht gelöst werden. Es gebe kein spezifisches oder landesweites Problem mit Italien, betroffen seien einige Institute, sagte EZB-Bankenwächter Ignazio Angeloni der italienischen Wirtschaftszeitung „Il Sole 24 Ore”, das die Europäische Zentralbank (EZB) am Freitag auf der Internetseite der Aufsicht veröffentlichte. „Das Problem der notleidenden Kredite kann bewältigt werden, sollte aber nicht unterschätzt werden”, sagte Angeloni.

Die faulen Kredite sind auch eine Folge der jahrelangen Wirtschaftsflaute im Land und belasten die ohnehin schon schwache Profitabilität der Institute. Schätzungen zufolge sitzen italienische Geldhäuser auf Problemdarlehen im Volumen von 360 Milliarden Euro. Der Bankensektor des Landes hatte 2014 beim großen EZB-Stresstest am schlechtesten abgeschnitten.

Angeloni zufolge reicht der unlängst eingerichtete Bankenrettungsfonds Atlante nicht aus, um in allen Fällen einzugreifen, bei denen Geld zum Aufkauf notleidender Darlehen oder zur Kapitalstützung der Institute benötigt wird. Den Fonds zu verstärken, vor allem durch Gelder von Privatinvestoren außerhalb des italienischen Bankensektors, sei deshalb wünschenswert. „Ich denke auch, dass eine Präsenz internationaler Investoren ein gutes Signal wäre”, sagte Angeloni.

Italiens Finanzminister Pier Carlo Padoan betont, dass die aktuellen Turbulenzen um italienische Banken vor allem Folge des Brexit-Votums. „Der Auslöser der Krise der letzten Wochen liegt doch nicht in Italien, sondern ist das Ergebnis des britischen Referendums”, sagte Padoan der „Bild”-Zeitung. Es habe eine Welle der Unsicherheit gegeben, was gravierende Auswirkungen auf die Finanzmärkte habe. Die Aktien italienischer Institute waren nach der Abstimmung in Großbritannien massiv unter Druck geraten. Damit rückte das Problem der faulen Kredite in den Bilanzen vieler Banken des Landes wieder stark in den Fokus.

Die italienische Großbank Unicredit räumte unlängst erstmals ein, dass sie frisches Geld braucht. Analysten schätzen den Kapitalbedarf der Muttergesellschaft der Münchner HypoVereinsbank auf bis zu zehn Milliarden Euro. Der neue Chef des Instituts, Jean-Pierre Mustier, will noch dieses Jahr Pläne zum Umbau der Bank vorstellen. Der Franzose will einen neuen Geschäftsplan voraussichtlich im vierten Quartal vorlegen.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%