Italiens Banken-Krise

EZB hält Problem fauler Kredite für lösbar

Die jahrelange Wirtschaftsflaute macht italienischen Banken zu schaffen – sie ächzen unter der Last fauler Kredite. EZB-Bankenwächter Ignazio Angeloni findet, das sei kein landesweites und zudem ein lösbares Problem.
Update: 15.07.2016 - 12:25 Uhr
Der Schriftzug der italienischen Bank Monte dei Paschi di Siena ist auf dem Schaufenster einer Filiale in Rom zu sehen. Faule Kredite belasten Italiens Geldhäuser. Quelle: dpa
Bank Monte dei Paschi di Siena

Der Schriftzug der italienischen Bank Monte dei Paschi di Siena ist auf dem Schaufenster einer Filiale in Rom zu sehen. Faule Kredite belasten Italiens Geldhäuser.

(Foto: dpa)

FrankfurtDie Schwierigkeiten italienischer Geldhäuser mit faulen Krediten können nach Einschätzung der EZB-Bankenaufsicht gelöst werden. Es gebe kein spezifisches oder landesweites Problem mit Italien, betroffen seien einige Institute, sagte EZB-Bankenwächter Ignazio Angeloni der italienischen Wirtschaftszeitung „Il Sole 24 Ore”, das die Europäische Zentralbank (EZB) am Freitag auf der Internetseite der Aufsicht veröffentlichte. „Das Problem der notleidenden Kredite kann bewältigt werden, sollte aber nicht unterschätzt werden”, sagte Angeloni.

Die faulen Kredite sind auch eine Folge der jahrelangen Wirtschaftsflaute im Land und belasten die ohnehin schon schwache Profitabilität der Institute. Schätzungen zufolge sitzen italienische Geldhäuser auf Problemdarlehen im Volumen von 360 Milliarden Euro. Der Bankensektor des Landes hatte 2014 beim großen EZB-Stresstest am schlechtesten abgeschnitten.

Angeloni zufolge reicht der unlängst eingerichtete Bankenrettungsfonds Atlante nicht aus, um in allen Fällen einzugreifen, bei denen Geld zum Aufkauf notleidender Darlehen oder zur Kapitalstützung der Institute benötigt wird. Den Fonds zu verstärken, vor allem durch Gelder von Privatinvestoren außerhalb des italienischen Bankensektors, sei deshalb wünschenswert. „Ich denke auch, dass eine Präsenz internationaler Investoren ein gutes Signal wäre”, sagte Angeloni.

Italiens Finanzminister Pier Carlo Padoan betont, dass die aktuellen Turbulenzen um italienische Banken vor allem Folge des Brexit-Votums. „Der Auslöser der Krise der letzten Wochen liegt doch nicht in Italien, sondern ist das Ergebnis des britischen Referendums”, sagte Padoan der „Bild”-Zeitung. Es habe eine Welle der Unsicherheit gegeben, was gravierende Auswirkungen auf die Finanzmärkte habe. Die Aktien italienischer Institute waren nach der Abstimmung in Großbritannien massiv unter Druck geraten. Damit rückte das Problem der faulen Kredite in den Bilanzen vieler Banken des Landes wieder stark in den Fokus.

Diese Banken sind groß – und daher gefährlich
Klasse 1
1 von 12

Der Finanzstabilitätsrat teilt die Banken in fünf Klassen ein. In der ersten Klasse befinden sich laut der vorgesellten Liste 18 Banken, die nicht als besonders systemrelevant gelten – eine mehr als im Vorjahr. Sie müssen nur ein Prozent Kapitalzuschlag vorhalten. Unter diesen nicht besonders gefährlichen Banken befinden sich Geldhäuser wie die Schweizer Großbank UBS, die Société Générale, die Santander, Credit Agricole, die Royal Bank of Scotland und die Bank of China. Neu hinzugekommen in diese Gruppe ist die US-Bank Morgan Stanley, die im Vorjahr noch einen höheren Kapitalpuffer vorhalten musste.

Klasse 2 – Morgan Stanley
2 von 12

Die amerikanische Großbank Morgan Stanley landet auf Platz 11. Sie muss 1,5 Prozent Kapitalzuschlag vorhalten. Seit der weltweiten Finanzkrise konzentriert sich Morgan Stanley stärker auf die Vermögensverwaltung. Damit soll das Geschäft weniger schwankungsanfällig werden.

Klasse 2 – Mitsubishi UFJ FG (MUFG)
3 von 12

Die Mitsubishi UFJ FG (MUFG) muss ebenfalls 1,5 Prozent Kapital als Zuschlag vorhalten. Zu der japanischen Holdinggesellschaft gehört die Bank of Tokyo-Mitsubshi UFJ. Die Bankengruppe gehört im japanischen Leitindex Nikkei neben Toyota, Toshiba und Sony zu den Schwergewichten. Japanische Banken wie die MUFG profitieren derzeit von der extrem expansiven Geldpolitik der japanischen Notenbank. Sie erzielen bessere Ergebnisse als ihre schwächelnden Konkurrenten in Europa.

Klasse 2 – Goldman Sachs
4 von 12

Auch die amerikanische Investmentbank Goldman Sachs wird als „systemisch“ eingestuft, sie muss 1,5 Prozent Kapitalzuschlag vorhalten. Im Sommer litt die Bank unter der Flaute an den Märkten. Ein florierendes Beratungsgeschäft bei Fusionen und Übernahmen (M&A) konnte das dritte Quartal nicht retten: Der Nettogewinn brach um mehr als ein Drittel ein.

Klasse 2 – Credit Suisse
5 von 12

Die zweitgrößte Schweizer Großbank Credit Suisse gilt als gefährlicher als ihr Konkurrent UBS. Der neue Chef der Bank, Tidjane Thiam, baut das angeschlagene Institut derzeit kräftig um. Er kündigte eine Kapitalerhöhung, einen Sparplan und einen Vorstandsumbau an. Aufschlag: 1,5 Prozent.

Klasse 2 – Bank of America
6 von 12

Das größte Kreditinstitut der USA, die Bank of America, landet auf Platz 7 (Aufschlag: 1,5 Prozent). Die Bank hat die Finanzkrise überstanden und schreibt inzwischen wieder schwarze Zahlen.

Klasse 3 – Deutsche Bank
7 von 12

Die Deutsche Bank ist das einzige deutsche Geldhaus, das vom Finanzstabilitätsrat als systemrelevant eingestuft wird. Sie muss zwei Prozent Kapital vorhalten. Der britische Neu-Chef John Cryan greift momentan durch und zeigt mit einem umfangreichen Stellenabbau und dem Streichen der Dividende Härte.

Die italienische Großbank Unicredit räumte unlängst erstmals ein, dass sie frisches Geld braucht. Analysten schätzen den Kapitalbedarf der Muttergesellschaft der Münchner HypoVereinsbank auf bis zu zehn Milliarden Euro. Der neue Chef des Instituts, Jean-Pierre Mustier, will noch dieses Jahr Pläne zum Umbau der Bank vorstellen. Der Franzose will einen neuen Geschäftsplan voraussichtlich im vierten Quartal vorlegen.

  • rtr
Startseite

Mehr zu: Italiens Banken-Krise - EZB hält Problem fauler Kredite für lösbar

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%