Jahresbilanzen der Banken
Skandale, Schrumpfkuren und Stellenabbau

Geldhäuser weltweit stehen unter Druck. Die Banken ringen mit der Konjunkturflaute in Europa, Skandalen und hohen Abschreibungen. Die Vorzeichen drehen von Erholung auf Sturm – mit Folgen für die Angestellten.
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DüsseldorfFür die Bankenbranche ist die Phase der ungetrübten Erholung von den Ausläufern der Finanzkrise vorbei. Weltweit ringen Geldhäuser wieder verschärft mit Problemen. Besonders die Banken in Europa ächzen unter den Lasten der Staatsschuldenkrise und der schwachen Konjunktur. Zudem rüsten sich die Banken für eine schärfere Regulierung und bauen lukrative, aber riskante Geschäfte ab oder lagern diese aus. Die Führungsebene reagiert mit Kürzungen und Stellenabbau auf die schwierige Lage.

Doch die Finanzbranche ringt auch mit hausgemachten Schwierigkeiten. Die Manipulation wichtiger Leitzinssätze wie Libor und Euribor durch einige Händler brocken den beteiligten Geldhäuser Strafen in Höhe von Hunderten Millionen oder gar Milliarden Euro ein. Hinzu kommen hohe Vergleiche, um Ermittlungen wegen der Beihilfe zur Geldwäsche oder Steuerhinterziehung zu entkommen. Zudem müssen immer mehr Banken ihre Kunden wegen des Verkaufs fragwürdiger Finanzprodukte entschädigen.

Aktuelles Beispiel: Die britische Großbank HSBC meldet einen Gewinnrückgang auf 15 Milliarden Dollar. Die Bilanz wurde von einem teurem Geldwäsche-Skandal in den USA und der Entschädigung von Kunden in Großbritannien wegen des Verkaufs von umstrittenen Finanzprodukten deutlich belastet.

Bei den umstrittenen Angeboten geht es um von vielen Kunden gar nicht benötigte Restschuldversicherungen. Für diese Fälle hatte zuletzt auch die britische Lloyds nach mehreren Aufstockungen eine Vorsorge von 6,8 Milliarden Pfund gebildet und bereits 4,3 Milliarden ausgezahlt - so viel wie keine andere Bank auf der Insel. Solche Milliardenlasten schlagen neben HSBC und Lloyds auch bei Barclays und der Royal Bank of Scotland (RBS) zu Buche.

Die machte zuletzt zwar der britischen Regierung Hoffnung, ihre Anteile an dem teilverstaatlichten Institut bald wieder loswerden zu können. Die Bank sei auf dem Weg der finanziellen Gesundung einen guten Schritt vorangekommen, sagte RBS-Chairman Philip Hampton. Der Punkt rücke näher, an dem die Eigentümer eine Dividende bekommen und der Staat Teile seines 82-Prozent-Pakets verkaufen könne.

Insgesamt sehen die Zahlen aber noch nicht gut aus. Vor Steuern summierte sich der Verlust auf 5,16 Milliarden Pfund, nachdem 2011 schon ein Minus von 1,19 Milliarden zu Buche stand. Hier wirkte sich vor allem die bilanzielle Neubewertung der eigenen Schulden aus. Dies führte zu einer schmerzhaften Wertkorrektur von 4,6 Milliarden Pfund.

Auch heimische Institute wie die Deutsche Bank und die Commerzbank überraschten Anleger mit schwachen Ergebnissen. Die Deutsche Bank hat im Jahr 2012 einen Gewinn nach Steuern in Höhe von gerundet 700 Millionen Euro erzielt. Im Vorjahr waren es noch 4,3 Milliarden Euro. Besonders das Ergebnis in den letzten drei Monaten des Jahres fiel mit einem Minus von 2,6 Milliarden Euro vor Steuern sehr schwach aus.

Die Commerzbank wiederum hat für das Gesamtjahr 2012 einen Gewinn in Höhe von sechs Millionen Euro verbucht – nach 638 Millionen Euro im Vorjahr. Das Institut hat einen umfassenden Stellenabbau angekündigt und will besonders das Privatkundengeschäft wieder auf Rendite trimmen. Bis zu 6000 Stellen will die Bank abbauen.

Kommentare zu " Jahresbilanzen der Banken: Skandale, Schrumpfkuren und Stellenabbau"

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  • halb Europa versingt in Armut, da kommt es auf die paar Banker auch nicht mehr an! erscheinen die auch alle in der Arbeitslosen Statistik ?

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