Jahrestagung Private Equity: Fundamentaler Wandel

In der Private-Equity-Branche ist eine Erholung erst 2010 in Sicht. Alle Hoffnungen der Finanzinvestoren auf eine schnellere Rückkehr der guten alten Zeiten sind in den vergangenen Wochen zerstoben. Dieses Urteil fällten die Top-Manager auf der Jahrestagung Private Equity des Handelsblatts in München.

MÜNCHEN. Grund für den Meinungsumschwung sind vor allem die Unsicherheiten über die weitere konjunkturelle Entwicklung. Experten erwarten einen fundamentalen Wandel in der Branche. Für Martin Hintze, Managing Director bei Goldman Sachs steckt „die Beteiligungsbranche mitten in einem Anpassungsprozess“. Die Übernahme der auf die Energiebranche spezialisierten Beratungsgesellschaft Wood Mackenzie für 650 Mio. Euro durch das Beteiligungsfirma Charterhouse von Ende vergangener Woche bezeichnet er als Ausnahme. Der in Schwierigkeiten geratene Finanzinvestor Candover musste verkaufen, da er unter fehlgeschlagenen Investitionen leidet. Dass eine Transaktion im Wert von Wood Mackenzie an der Spitze der Rangliste der größten Transaktionen in diesem Jahr in Europa steht, zeigt die angespannte Lage der Branche, in der im Boom die Beteiligungshäuser mit Milliardentransaktionen von sich reden gemacht hatten.

Hintze erwartet deshalb, dass sich die Branche fundamental ändert, nachdem in vielen Fällen Kapital und Vertrauen fehle, um größere Transaktionen zu stemmen. Der Banker hält es für realistisch, dass etwa 20 Prozent der Spieler vom Markt verschwinden werden. Nach der Beobachtung von Stephan Illenberger, Deutschland-Chef von Axa Private Equity, haben bereits zehn Prozent der Finanzinvestoren aufgegeben. Die andere Hälfte seien „Zombies, die noch da sind und Gebühren einstreichen, obwohl in ihren Portfolios nichts mehr bewegt wird“.

Ohnehin sieht Illenberger große Probleme für Finanzinvestoren, die mitten in der Krise neue Mittel bei Investoren einwerben müssten. Selbst bei einer guten Entwicklung früherer Investments seien nur wenige Großanleger wie Pensionsfonds bereit, Geld zu investieren. Allerdings besteht für die meisten Fonds keine Existenzgefahr. Die Branche habe immer noch eine Feuerkraft von rund 480 Mrd. Dollar, die sie für Käufe einsetzen könne, sagt Goldman-Banker Hintze. Davon entfielen rund 200 Mrd. Dollar auf die zehn größten Finanzinvestoren weltweit wie KKR oder Blackstone. Doch gerade in jüngster Zeit sind die Mittelzuflüsse eingebrochen und lagen im ersten Quartal 2009 mit 45 Mrd. Dollar auf dem niedrigsten Stand seit 2003.

Für Stefan Zuschke, Managing Partner bei BC Partners, ist klar, dass ein Spieler im Private Equity eine Rendite von 20 Prozent erzielen muss, wenn er in „der Topliga dabei sein will“. Ohnehin seien höhere Transparenz gegenüber den Investoren, regelmäßige Informationen und die Einbindung in strategische Entscheidungen, heute Pflicht in der Branche, sagt Andreas Schober, stellvertretender Vorstandschef der Hannover Finanz Gruppe. Dies kombiniert mit der zu erwartenden schärferen Regulierung gehe auf Kosten erzielbarer Renditen.

Um sich auf das neue Zeitalter in der Beteiligungsbranche einzustellen, müssen aus der Sicht von Hintze folgende neue Trends verfolgt werden: Minderheitsbeteiligungen würden in Zeiten der Krise attraktiv, der Kauf von notleidenden Krediten entwickele sich zu einem attraktiven Investment. „Kleinere Transaktionen werden auch für größere Spieler attraktiv“, sagt der Banker. Und es ergäben sich angesichts des erwarteten verstärkten Verkaufs von Konzerntöchtern in der Industrie in den nächsten zwölf Monaten neue Kaufmöglichkeiten.

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