Japan-Geschäft
Wieder Korruptionsvorwürfe gegen Deutsche Bank

In Japan setzten Mitarbeiter der Deutschen Bank zur Partneranwerbung auch Dinner und Reisen ein. Ein wegen Korruption inhaftierter früherer Banker belastet Ex-Vorgesetzte: Sie hätten die unlauteren Praktiken angeregt.
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TokioEin Mitarbeiter der Deutschen Bank in Japan hat seine Vorgesetzten in einem Bestechungsskandal belastet. Der 37 Jahre alte Shigeru Echigo sagte am Dienstag vor Gericht aus, er sei angewiesen worden, die Bewirtung von Pensionsfonds-Managern zu verschleiern. Von den nach japanischer Auffassung illegalen Praktiken habe auch ein Vorgesetzter gewusst, der heute Chef der Investmentbank in Japan ist. Makoto Kuwahara sei auf die Praxis bei der Deutschen Bank aufmerksam gemacht worden, nachdem ein Skandal bei einem anderen Vermögensverwalter für großes Aufsehen gesorgt hatte. Die Deutsche Bank wollte sich zu den Aussagen des ehemaligen Angestellten nicht äußern.

Echigo sitzt in Untersuchungshaft, weil er den Manager eines großen Pensionsfonds für umgerechnet 6500 Euro zum Essen, Golf-Turnieren und anderen Vergnügungen eingeladen hatte - als Dank dafür, dass dieser 7,2 Millionen Euro bei Deutschlands größter Bank angelegt hatte. Echigo steht in Tokio vor Gericht, weil solche Einladungen in Japan als Bestechung gelten, sofern die Fondsmanager auch staatliche Gelder anlegen. Echigo hat sich bereits für schuldig bekannt. Das Urteil soll am 16. Juli fallen.

Der Banker sagte in der Verhandlung, er habe nie geglaubt, dass ein solches Verhalten als Bestechung gewertet würde. Sein Vorgesetzter habe gesagt, Vertriebsleute müssten Spesen machen, um Aufträge von öffentlichen Pensionsfonds zu erhalten. Einer seiner Chefs habe ihn sogar ermutigt, Kunden zu Auslandsreisen einzuladen, weil das besonders effektiv sei. „Wenn sie mir gesagt hätten, ich soll jemandem zehn Yen geben, um einen Auftrag zu bekommen, hätte ich das zurückgewiesen“, gab Echigo an. „Aber ich dachte, Vergnügungen in Form von Einladungen zum Essen und Golfspielen seien normal.“ Echigo sagte aus, man habe ihn angewiesen, die Wörter „Unterhaltung“ und „Pensionsfonds“ nie in der selben E-Mail zu verwenden, um keinen Verdacht bei der Börsenaufsicht zu erregen.

Die Finanzaufsicht hatte die Deutsche Bank im Dezember dazu verpflichtet, ihr Geschäftsgebaren zu ändern und die internen Kontrollsysteme zu verbessern. Nach den Erkenntnissen der Aufseher hat sie zwischen 2010 und 2012 insgesamt 160.000 Euro ausgegeben, um Pensionsfondsmanager bei Laune zu halten. Die für Pensionsfonds zuständige Abteilung wurde bereits im September geschlossen. Die Gehälter der höchstrangigen Manager der Bank in Japan wurden gekürzt.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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