Japanische Banken
Nomura will sich mit striktem Sparkurs retten

Insiderhandel hat die japanische Investmentbank in eine tiefe Krise gestürzt. Nachdem der Gewinn um 90 Prozent gesunken ist, will die Bank ab September sparen. Unklar ist jedoch, wo genau Nomura Einschnitte machen wird.
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TokioSystematischer Insiderhandel, Verluste im Auslandsgeschäft und der Austausch der kompletten Führung – Japans Investmentbank Nomura taumelt. Der neue Chef, Koji Nagai, drückt daher aufs Tempo. In der ersten Septemberwoche, nur einen Monat nach seiner Amtsübernahme, wolle er seinen Restrukturierungsplan vorstellen, heißt es aus seinem Haus.

Die Erwartungen sind hochgesteckt. Masao Muraki, der Analyst der Deutschen Bank, glaubt zwar nicht, dass Nomura sich auf das Vorkrisenniveau zurückschrumpfen werde. Aber er erwartet, dass die Einschnitte „nicht nur ins Fleisch, sondern bis in die Knochen gehen“. Die Credit Suisse schätzt, dass das neue Sparpaket die Kosten um weitere 700 bis 750 Millionen Dollar senken müsse, wenn Nomura seine angepeilte Eigenkapitalrendite von vier Prozent erreichen wolle. Weniger dürfte die Märkte enttäuschen.

Die Not ist tatsächlich groß. Sein Vorgänger Kenichi Watanabe, der wegen des Skandals um systematischen Insiderhandel in Japan Ende Juli überraschend zurückgetreten war, wollte Nomura zu einer der führenden globalen Investmentbanken ausbauen. Um schneller ans Ziel zu kommen, kaufte er 2008 der amerikanischen Pleitebank Lehman Brothers das Europa-Geschäft ab.

Doch uneingeschränkt erfreuen konnte sich die Bank an ihrer Akquise noch nicht. Selbst ein erstes Sparprogramm, mit dem Nomura seit Ende 2011 die Kosten um 1,2 Milliarden Dollar trimmt, hat den Aderlass nicht stoppen können. Im vergangenen Quartal fiel der Reingewinn mit 19 Millionen Dollar 90 Prozent niedriger aus als im Vorjahr.

Der Ausweg aus der Misere seien – sowohl für Nomura als auch den Lokalrivalen Daiwa – nur weitere Einsparungen, urteilte die Kreditbewertungsagentur Standard & Poor's Anfang August. Ein Grund sei die Krise in Europa, ein anderer schärfere Eigenkapitalrichtlinien, hieß es. Wo Nomura das Messer genau ansetzen wird, ist allerdings offen. Denn die Führung gibt sich vage. In einem Brief an die Mitarbeiter versicherte Vizepräsident Atsushi Yoshikawa, dass Nomura auf Erfolge in Europa, dem Nahen Osten, Afrika und Amerika aufbauen werde. Aber er ergänzte, dass die Investmentbank auch Bereiche angreifen müsse, „die beständig Geld verlieren“.

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