Jean-Jacques Henchoz im Interview
„Die Branche ist unter Druck, aber uns geht es gut“

Die Konsolidierungswelle auf dem Rückversicherungsmarkt lässt Swiss Re kalt: Europa-Chef Jean-Jacques Henchoz spricht im Interview über die Situation auf dem Markt und die Entwicklungen in der Zukunft.

Monte CarloDie Terminkalender von Versicherungsmanagern ist in Monte Carlo prall gefüllt. Überall in den Hotellobbies, extra angemieteten Hotelzimmern, in Cafés, Restaurants und Pavillions wird diskutiert, im Halbstundentakt wird der Gesprächspartner gewechselt. Die Branche spricht mit ihren Kunden über deren Vorstellungen, wie man ins Geschäft kommt – oder bleibt. Bei den Terminen geht es Schlag auf Schlag – es sei denn, man wird vom lauten Motorengeräusch eines vorbeifahrenden Ferrari abgelenkt, wie im Gespräch mit Jean-Jacques Henchoz, Europa-Chef für Rückversicherungen bei Swiss Re.

Herr Henchoz, Sie kommen schon seit vielen Jahren jedes Jahr nach Monte Carlo. Wie ist die Stimmung dieses Jahr?
Gemischt, man hört sowohl positives als auch negatives. Zwar ist das Angebot an Rückversicherungsschutz nach wie vor groß und wir haben keine großen Schäden erlebt, die zu einem Preisanstieg geführt hätten. Ein größeres Schadensereignis könnte das ändern. Derzeit haben noch immer die Kunden das Sagen. Dennoch bin ich der Meinung, dass die Kunden stärker darauf achten, mit wem sie Geschäfte machen und nicht mehr nur auf den Preis schauen. Deswegen: Ja, die Branche steht unter Druck, aber finanzstarken und breit aufgestellten Unternehmen wie uns geht es gut.

Leiden also in erster Linie die kleineren Rückversicherer?
Größe allein ist nicht entscheidend. Aber uns kommt das derzeitige Marktumfeld zu Gute – auch wenn es nicht leicht ist, Geschäfte zu machen.

Gab es deswegen auch so viele Zusammenschlüsse und Kooperationen von kleinen und mittelgroßen Unternehmen in der Versicherungs- und Rückversicherungsbranche?
Das hat sicherlich mehrere Gründe. Zum einen fehlen die Wachstumsperspektiven, zum anderen ist sehr viel Kapital im Markt. Und man achtet verstärkt auf die Kosten. Ein Zusammenschluss kann da Abhilfe schaffen.

Was für Folgen wird die Konsolidierungswelle für den Rückversicherungsmarkt haben?

Die neuen Unternehmen werden versuchen, ein größeres Stück vom Kuchen abzubekommen – und den Kuchen größer werden zu lassen, also neue Wachstumsmöglichkeiten suchen.

Was sind aus Ihrer Sicht Wachstumsfelder? Hier in Monte Carlo hört man viel über die Chancen von Cyberversicherungen.
Sicher, Cyber wird in den kommenden fünf bis zehn Jahren ein großes Wachstumsfeld. Aber wir bei Swiss Re setzen verstärkt darauf, unseren Kunden mehr Service zu bieten, ihnen bei Themen wie Kapitalmanagement und Regulierung zu helfen. Big Daten – die Nutzung großer Datenmengen – wird ebenfalls immer wichtiger. Man muss die neuen Technologien nutzen.

Herr Henchoz, vielen Dank für das Gespräch.

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