Jede Zweite in Gefahr

Vielen Krankenkassen droht die Insolvenz

Fast die Hälfte der Krankenkassen steht vor der Insolvenz. Nach einem geheim gehaltenen Bericht des wissenschaftlichen Beirates können vielen Kassen ihre Ausgaben bald nicht mehr decken.
Update: 26.09.2011 - 08:18 Uhr 19 Kommentare
Versichertenkarten der gesetzlichen Krankenkassen. Quelle: dapd

Versichertenkarten der gesetzlichen Krankenkassen.

(Foto: dapd)

BerlinDer seit 2009 geltende krankheitsorientierte Finanzausgleich zwischen den Krankenkassen weist erhebliche Schwächen auf. Zu diesem Ergebnis kommt ein Gutachten des wissenschaftlichen Beirats, das seit vier Monaten unter Verschluss gehalten wurde. Die Reform habe den seit den 1990er-Jahren praktizierten Ausgleich zwar zielgenauer gemacht. Bei vielen Krankenkassen decke er aber nicht die Ausgaben.

„Auf Einzelkassenebene reicht die Spanne der Deckungsquoten von 90,6 bis 124,8 Prozent“, heißt es in dem fast 250 Seiten langen Bericht, der dem Handelsblatt vorliegt. Dies bedeutet: Es gibt Kassen, die rund ein Viertel mehr über die Zuweisungen aus dem Gesundheitsfonds erhalten als sie brauchen. Andere laufen nur deshalb ins Defizit, weil sie für ihre kranken Versicherten zu wenig Geld bekommen.

Nach Ansicht von Thomas Dabrinski, Leiter des Instituts für Mikrodatenanalyse in Kiel, „zeigt der Evaluationsbericht, dass im Ergebnis der Gesundheitsfonds zu einer Einheitskasse führen wird“. Nach den Daten befinde sich nämlich bereits heute „etwas weniger als die Hälfte aller Krankenkassen in konkreter Insolvenzgefahr, da ihre Ausgaben nicht zuverlässig durch Zuweisungen des Bundesversicherungsamts gedeckt werden können, weder kurz- noch mittel- und langfristig,“ so Dabrinski. Der Beirat spricht sich für Reformen des Ausgleichs aus.

Pläne der Koalition, den Finanzausgleich abzuspecken, indem statt der Kosten von 80 Krankheiten nur noch 50 oder 30 berücksichtigt werden, lehnten die Gutachter ab. Dies könnte ein Grund sein, warum Gesundheitsminister Daniel Bahr das von seinem Vorgänger Philipp Rösler angeforderte Votum bislang unter Verschluss hält.

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19 Kommentare zu "Jede Zweite in Gefahr: Vielen Krankenkassen droht die Insolvenz"

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  • eigentlich eher eine gute Nachricht! Wir brauchen nicht mal halb so viele Krankenkassen wie heute.

  • Gesundheit hin und her , schon mal an die dann arbeitslosen Mitarbeiter gedacht !!??

  • ..sorry für die grammatikalischen Fehler

  • Nachdem immer wieder das Gewitter der GKV´s in Richtung PKV gedroschen worden ist, man sich liebend gerne über die stillen Reserven dergleichen hermachen würde, ist jetzt endlich mal ein Artikel über den wahren Zusatnd und der "Flut" von GKV ´s erstellt worden : 155 Kassen ,von denen 58 laut GKV Verband "in bedenklichen Handlungssträngen sich befinden" ,sprich eigentlich ohne den Subventionstopf stehend pleite wären , nachdem Unternehmen wie die City BKK von heute auf morgen Insolvenz melden und Versicherte keine neue GKV finden, weil der Kontrahierungszwang "ja nicht das entscheidene Kriterium" sein kann (Vorstand der TK !) sollte man mal klar Schiff machen und einige veraltete Strukturen über Board werfen !Wenn man wie ich mit PKV / GK gleichermaßen zusammenarbeitet ,merkt man leider auch schnell wer ,egal auf wlecher Seite ,proffesionell und verantortlich mit seinen Kunden umgeht ! HG Der Makler

  • sorry, man hat ALLES selbst verursacht.
    Egal wann auch immer.

    Kebs z.B. bekommen immer nur die lieben, artigen Menschen. Denn bei agressiven Menschen ist auch das Immunsystem genau so aggressiv und macht sich unmittelbar über die mutierten Zellen her.

    Ich weiß zwar dass der müdige und aufgeklärte Bürger das nicht hören soll oder darf, denn er soll ja zahlen und nicht selbst sein Leben steuern können. Aber ALLE Krankheiten sind selbst verursacht und müssen daher auch selbst erlitten werden.

    Aber der müdige und aufgeklärte Bürger redet sich dann lieber ein Fremdverschulden ein, oder eben den dummen Zufall.

    Ok, es ist schon bedenklich, wie blind und unwissend der müdige Bürger ist. er ist brav (wird durch fluor noch braver gemacht) und wehrt sich nicht gegen Ungerechtigkeit. Ein Verhalten,w as man sonst nur bei Schafen antrifft, die man zur Schlachtbank führt und sie erst dann etwas Widerstand zeigen, wenn man sie auf den Schlachttisch legt.

  • Genau! Dann noch alle Beamten in diese gesetzliche KV und es sind genug Beitragszahler. Das würde dann auch die überdurchschnittlich hohe Krankenquote der Beamten senken. Kassenpatienten werden nicht einfach so aus Gefälligkeit krankgeschrieben wie gewinnbringende privatversicherte Beamte!

  • Liebe Handelsblatt-Redakteure,

    das Gutachten steht seit Freitag auf der Seite des Bundesgesundheitsministeriums jedem zum Download bereit. Es wird also nicht geheimgehalten - zumindest nicht mehr. Und dass es dem Handelsblatt "vorliegt", ist damit auch keine Kunst...

  • Ich gebe meinen Vorschreibern (fast allen) gerne Recht. Dem ist nichts mehr hinzuzufügen. Nur noch eine kleine Anekdote:

    Die AOK Nordschwarzwald stellt der Stadtverwaltung Freudenstadt 20 E-Bikes kostenlos (!) zur Verfügung. Die Gründe hierzu sind in der örtlichen Presse nachzulesen - aber auch völlig irrelevant. Warum konzentrieren sich die Krankenkassen nicht auf ihre Aufgaben, sondern verschwenden unsere Beiträge??? Im Grunde genommen müsste dies ein Untreuetatbestand darstellen. Das wäre eine anwaltliche Prüfung wert...

  • ... Ihr Kommentar ist absolut nicht nachvollziehbar. Es gibt auch Menschen, die trotz gesunder Lebensweise krank sind. Ich trinke so gut wie keinen Alkohol, rauche nicht, bin nicht übergewichtig (BM > 20), habe keinen Bluthochdruck, ernähre mich gesund, treibe Sport - und trotzdem habe ich eine Krankheit, die ich nicht selbst verschuldet habe. Also überlegen Sie einfach mal, was für einen Quatsch Sie hier schreiben.

  • Ich seh das anders als der (offenbar) militante Veganer "Pendler".

    Wir reden hier nämlich nicht über ne Grippe, sondern über Dinge, die der Mensch NICHT beeinflusst, z.B. Krebs.

    Natürlich ist es so, dass viele Krankenkassen nicht überleben werden wegen unausgewogener Mitgliederstrukturen, wie sie z.B. auch die CityBKK hatte.

    Über kurz oder lang werden wir vielleicht wirklich nur noch 5-6 gesetzliche Krankenkassen in Deutschland haben. Sehe das auch kommen.

    Was ich allerdings schlimm finde ist, dass ein solcher Bericht wieder geheim gehalten bzw. verschwiegen wird. Immerhin geht es hier um Dinge, die uns Bürger ganz direkt betreffen könnten.
    Solche Geschichten sind es auch, die dazu beigetragen haben dürften, dass die Piraten in Berlin so erfolgreich sind. Wenn noch weitere solche verschwiegenen Berichte ans Licht kommen, wird die Forderung der Piraten nach mehr Transparenz in der Politik mehr Gewicht bekommen. Und sollten die Piraten 2013 in den Bundestag einziehen, können sich die Etablierten warm anziehen.

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