Jedes dritte Produkt stammt nicht mehr von der Investmenttochter Cominvest: Commerzbank verkauft mehr Fremdfonds

Jedes dritte Produkt stammt nicht mehr von der Investmenttochter Cominvest
Commerzbank verkauft mehr Fremdfonds

Das Fondsgeschäft der deutschen Banken steht nach Meinung von Martin Blessing, Privatkundenvorstand der Commerzbank, vor einem radikalen Wandel. Bisher werden in den Filialen noch bevorzugt Produkte der konzerneigenen Fondsgesellschaften angeboten.

chp FRANKFURT/M. Dies werde sich in absehbarer Zeit ändern. „In zehn Jahren werden die Banken 60 bis 70 Prozent Fremdfonds vertreiben“, sagt Blessing dem Handelsblatt. Das eigene Haus sieht der Banker an der Spitze der Bewegung. Erst vor drei Jahren begann das drittgrößte deutsche Kreditinstitut mit dem Vertrieb von Fremdfonds, im Fachjargon „open architecture“ genannt. Heute stammt schon jeder dritte Investmentfonds, der in den Filialen verkauft wird, nicht mehr von der konzerneigenen Fondsgesellschaft Cominvest (Marke Adig), Tendenz steigend. Im Oktober betrug der Anteil der Fremdfonds sogar 37 %. „Ich bin sicher, dass der offene Vertrieb die Zukunft ist“, sagt Blessing.

Mit der Ausweitung der Produktpalette reagiere die Commerzbank auf die Wünsche der Kunden, sagt Blessing. Allerdings werden bei weitem nicht alle in Deutschland zugelassenen Investmentfonds angeboten, sondern nur die von neun ausgewählten Partnern. Darunter sind viele angelsächsische Adressen, aber auch die Deutsche-Bank-Tochter DWS. „Niemand kann alle Fonds überblicken“, begründet Blessing die Vorauswahl durch die Bank, auch „guided architecture“ genannt. Die Verfechter des Fremdfondsverkaufs verweisen auf die Entwicklung in den USA. Dort begannen die Banken Anfang der neunziger Jahre mit der „open architecture“. „Heute liegt der Anteil hauseigener Produkte oft nur noch bei 30 Prozent“, sagt Achim Küssner, Geschäftsführer bei Merrill Lynch Investment Managers in Deutschland.

Gelegentlich wird in Finanzkreisen gemutmaßt, dass sich Banken das Prinzip „open architecture“ zwar nach außen hin auf die Fahnen hefteten, um Kunden anzulocken, denen die Mitarbeiter in den Filialen dann aber doch vornehmlich die eigenen Produkte andienten. Demgegenüber verweist Blessing darauf, dass die Commerzbank fast ebenso viele Fremdfonds empfehle wie eigene Produkte. Von den 30 Fonds auf der Kaufliste der Bank stammen immerhin 14 von konzernfremden Gesellschaften.

Viele Finanzexperten teilen Blessings Einschätzung, dass der Fremdfondsabsatz in Deutschland wachsen werde. „Der Trend ist unaufhaltsam“, sagte Kai Wiecking, Analyst bei der Fondsresearchfirma Morningstar. Allerdings sind noch nicht alle Banken überzeugt. Als Pionier in Sachen „open architectur“ gilt hier zu Lande die Citibank. Andere Institute sind zurückhaltender, weil sie ihren hauseigenen Fondsgesellschaften nicht das Wasser abgraben wollen. Dies gilt vor allem für Sparkassen und die genossenschaftlichen Banken. Auch die Deutsche Bank hat erst im vergangenen Jahr in größerem Stil mit dem Vertrieb von Fremdfonds ausgewählter Gesellschaften begonnen. Die Hypo- Vereinsbank stieg zwar recht früh ein, stellt aber mittlerweile wieder die eigene Fondstochter Activest in den Vordergrund. Auch Blessing räumt ein, das die Commerzbank mit Fremdfonds kurzfristig „etwas weniger“ verdiene als mit dem Verkauf von Adig-Fonds. Auf längere Sicht könne man aber mit dem breiten Angebot Marktanteile gewinnen. Dafür nimmt er auch in Kauf, dass Cominvest als einzige der großen Fondsgesellschaften in Deutschland im vergangenen Jahr einen Abfluss von Gelder erlitt – auch wegen der Konkurrenz anderer Fonds in den Commerzbank- Filialen.

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