Jetzt auch Fehrenbach
Unternehmer knöpfen sich die Banken vor

Wetten gegen den Euro, dubiose Finanzkonstrukte und Spekulationen ohne Risikobewusstsein: Die Manager von deutschen Top-Unternehmen rechnen mit den Praktiken der Finanzwirtschaft ab - in ungewohnt deutlichen Tönen.
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Frankfurt / HamburgFranz Fehrenbach ist nicht gerade bekannt für ein aufbrausendes Temperament und auch nicht für leichtfertig hingeworfene Kritik. Beim Thema Finanzwelt aber macht der Vorstandschef des weltgrößten Automobilzulieferers Bosch seinem Ärger hörbar Luft. In ungewöhnlich klaren Worten nahm der Topmanager angesichts der Turbulenzen an den Finanzmärkten nun Politik und Finanzindustrie unter Beschuss.

„Da können Sie in der Realwirtschaft schuften und machen, was Sie wollen, gegen diese Spekulation kommen Sie nicht an“, sagte er am Montagabend im Internationalen Club Frankfurter Wirtschaftsjournalisten. Die Finanzmärkte seien wieder kurz davor, die Weltwirtschaft in eine neue Krise zu reißen.

An eine Rezession glaubt Fehrenbach zwar derzeit nicht. Das Wachstum werde sich verlangsamen, aber es werde nicht zu Ende gehen. Umso deutlicher sprach er sich jedoch für eine schärfere Regulierung der Banken aus: „Wenn es stimmt, was ich lese, dass Goldman Sachs bereits eine Anleitung geschrieben hat, wie man gegen die Euro-Zone mit Gewinn wettet, dann zeigt sich doch, was da für eine Spekulation an den Finanzmärkten im Gange ist.“

Fehrenbach steht mit seiner Kritik nicht alleine. Immer mehr gestandene Unternehmer und Manager machen Front gegen die Banken, vor allem gegen jene Teile und Institute, die sich auf virtuelle und komplexe Finanztransaktionen spezialisiert haben. „Die größte Katastrophe, die wir seit etwa zehn Jahren erleben, sind die nicht-realen Finanztransaktionsgeschäfte, die kein Mensch mehr versteht, noch nicht einmal die, die diese Transaktionen vornehmen“, kritisierte in der vergangenen Woche Jürgen Heraeus, langjähriger Chef und derzeit Aufsichtsratsvorsitzender des Edelmetallkonzerns Heraeus, im Unternehmergespräch mit dem Handelsblatt. „Ich glaube, diesen Teil des Geschäfts von Goldman Sachs und anderer Banken braucht man eigentlich nicht.“

Wolfgang Schmitt, Vorstandsvorsitzender des Pumpenherstellers KSB, hat schon seit längerem eine distanzierte Meinung zu den Banken entwickelt. Sie hatten 1995 nach einem kompletten Management-Wechsel bei KSB den Hahn zugedreht. „Das hat uns darin bestärkt, ein hohes Maß an finanzieller Unabhängigkeit anzustreben“, sagte Schmitt dem Handelsblatt. „Es wäre sehr ärgerlich, wenn durch Probleme in der Finanz-Branche nun zum zweiten Mal nach 2008 eine weltweite Wirtschaftskrise ausgelöst würde.“

In den Augen von Bosch-Chef Fehrenbach ist die Politik in der Pflicht. Die Situation in der Euro-Zone sei derzeit extrem kritisch, sagte er. Die Politik müsse eine Richtungsentscheidung treffen und sagen, ob sie eine weitere Integration Europas wolle. Tue sie das nicht, werde die Spekulation nicht abreißen.

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Fehrenbach fordert schärfere Regulierung

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  • Die Banken sollte sich jetzt mal Bosch vorknöpfen. Fehrenbach ist das allerletzte. Null Erfolg und große Klappe.

  • Endlich trauen sich mehr Leute, eine vernünftige Lösung wie die Abschaffung der Universalbanken, also die Einführung eines Trennbankensystem anzusprechen! Damit könnten wir nicht nur den Staat, sondern auch Länder und Kommunen von einem Großteil der Schulden befreien, weil ein großer Teil davon zum Glücksspiel, euphemistisch auch Investmentbanking genannt, gehört und daher ersatzlos gestrichen oder zumindest auf den freien Markt auf sich allein gestellt gehört, denn ohne die derzeitige staatliche und internationale Stütze durch EZB & Fed wären diese Papiere schon lange sang- und klanglos untergegangen.

    Mehr dazu auch hier: www.bueso.de/trennbankensystem

  • an Anonymer Benutzer: Till

    Bevor man solch etwas behauptet sollte man sich erstmal informieren. Bosch ist genau in diesen Dingen die große Ausnahme. Selbst in der Krise 08/09 wurde nicht außerplanmäßig gekündigt. Die Löhne sind in Deutschland sowie auch in den Schwellenländern auf sehr gutem Niveau (dazu sind die Arbeitsbedingungen in den Schwellenländern identisch zu denen in Deutschland).
    Und da Sie auf die Dividende zusprechen kommen: 93% der Dividende geht an die gemeinnützige Robert Bosch Stiftung. 7% geht verteilt an die Familie. Die Dividende ist vergleichsweise aber sehr niedrig, da dass Geld lieber in Forschung investiert wird.
    Im Großen und Ganzen mögen Sie Recht haben, doch ist ihr Kommentar leider unter dem falschen Artikel.

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