John Cryan übernimmt die Führung
Der Tag danach bei der Deutschen Bank

In einem Brief an die Mitarbeiter wirbt der Aufsichtsratschef für den neuen Deutsche-Bank-Boss John Cryan. Analysten glauben, dass der Brite noch stärker sparen wird. Und sogar die Kanzlerin äußert sich zum Chefwechsel.
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Düsseldorf/FrankfurtDer Aktienkurs in rot eingefärbt, daran hatten sich in den vergangenen Wochen die Manager in den Zwillingstürmen der Deutschen Bank in Frankfurt gewöhnt. Das Papier der Deutschen Bank verlor in diesem Zeitraum immer wieder an Wert – und rot ist die Farbe des Verlusts. Dabei hatte die im April verkündete neue Strategie eigentlich das Gegenteil bewirken sollen.

Am Montag dann das umgekehrte Zeichen. Die Aktie schnellt am Morgen um bis zu acht Prozent in die Höhe, der Börsenwert der Bank steigt um drei Milliarden Dollar. Die Investoren begrüßen John Cryan als neuen Vorstandschef der Bank auf ihre Weise. Mit grünen Zahlen, mit einem satten Plus beim Kurs.

Doch wie es unter Cryan weitergeht ab Tag eins nach seiner Nominierung durch den Aufsichtsrat, dazu gibt es nur Ahnungen. Die Grundsätze der neuen Strategie – Verkauf der Postbank, Schrumpfen des Investmentbankings – bleiben bestehen, schließlich hatte Cryan als bisheriger Aufsichtsrat der Bank das Paket selbst durchgewinkt. Der Plan der bisherigen Co-Chefs Anshu Jain und Jürgen Fitschen könnte aber durchaus modifiziert werden.

Zwar bleibt Jain zunächst als Berater und Fitschen bis Mai kommenden Jahres sogar als Co-CEO an der Seite Cryans, was für Kontinuität spricht. Doch Cryan „tut sich bei Kürzungen im Investmentbanking sicher leichter als Jain, der die Sparte viele Jahre geleitet hat“, sagt ein Top-10-Aktionär des Instituts. Und die Analysten der US-Großbank JP Morgan erwarten, dass der 54-jährige Brite an der Spitze der Deutschen Bank etwa im Privatkundengeschäft deutlicher durchgreifen könnte und das Filialgeschäft in Italien, Spanien oder Polen abstoßen könnte.

In den Türmen begannen die Deutungen rund um die Mitteilung nach einem Aufsichtsratstreffen am Sonntag in einem Frankfurter Hotel. Jain geht zum Ende des Monats, Fitschen bleibt bis Mai 2016, schrieb die Deutsche Bank. Und die Manager in Frankfurt registrierten vor allem, was nicht geschrieben stand. Es habe keine weiteren Abgänge im Vorstand oder dem erweiterten Topmanagement – dem GEC – gegeben. „Tabula rasa ist nicht gefragt“, meinte ein Manager in den Zwillingstürmen.

Der Deutschen Bank ist sehr daran gelegen, die Top-Personalie als Teil eines langfristigen Plans aussehen zu lassen. Doch Zweifel an dieser Darstellung sind angebracht. Noch bei der Hauptversammlung vor gut zwei Wochen war von personellen Konsequenzen an der Konzernspitze keine Rede. Im Gegenteil: Nachdem Privatkunden-Chef Rainer Neske im Streit um den künftigen Kurs der Bank hingeschmissen hatte, kehrte das Kontrollgremium eilends die Scherben zusammen und ordnete den Vorstand neu. Hauptergebnis: Jain sollte künftig mehr Macht bekommen. Kurz danach bot er selbst seinen Rücktritt an – und Fitschen gleich mit.

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„Tabula rasa ist nicht gefragt“

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  • Jetzt geht es um Nuancen:
    Gutes, krisenresistentes Banking braucht auch immer eine Prise des defensiven Assekuranzkonzeptes. Mit Experten, die selbst Schlechtwetterszenarien und Rechtsproblemen intern zu einer gebührenden Berücksichtigung verhelfen können.
    Ein prosperierendes Versicherungsunternehmen braucht im Gegenzug auch immer den Wagemut zu innovativen Produktkonzepten, die man noch nicht vollständig mit Daten abbilden kann. Das hat einen gewissen Investment-Charakter.
    Den All-Finance-Eintopf, hochgelobte Spezialität der Milleniumswende, möchten wir allerdings nicht mehr serviert bekommen.

  • Jetzt noch den Milliardenvernichter der Commerzbank ... Blessing weg!
    Dilettantismus ist seine Reputation.

  • Die Kommentare lesen sich nicht so als dass man in Euphorie ausbrechen müsste.

    Meine Einschätzung zur Aktie "Deutsche Bank": Yours!

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