Josef Ackermann
„Ich schäme mich für die Rechtstaatlichkeit Deutschlands“

Im Deutsche-Bank-Prozess in München wird die Stimmung immer gereizter. Der Staatsanwaltschaft wird Prozessverschleppung vorgeworfen, dem Angeklagten Josef Ackermann platzt der Kragen – ganz im Stile des Victory-Zeichens.

MünchenIm Deutsche-Bank-Prozess sind die Emotionen hochgekocht. Schon zwanzig Mal mussten die angeklagten Banker - Deutsche-Bank-Co-Chef Jürgen Fitschen, seine Vorgänger Josef Ackermann, Rolf E. Breuer sowie Ex-Aufsichtsratschef Clemens Börsig und -Vorstand Tessen von Heydebreck vor dem Münchener Gericht auf der Angeklagtenbank Platz nehmen, um sich gegen die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft zu verteidigen. Sie sollen in dem Schadenersatzprozess, den die Bank bis zum Frühjahr 2014 gegen den mittlerweile verstorbenen Medienzar Leo Kirch führte, gelogen haben. 143 Leitzordner trugen die Ermittlungsbeamten zusammen, die Anklageschrift war 627 Seiten dick.

Das Verfahren zieht sich, was den Angeklagten natürlich nicht passt. Ex-Bankchef Josef Ackermann, der schon einmal mit seinem Victory-Zeichen im Mannesmann-Prozess für Aufruhr sorgte, platzte am Dienstag der Kragen. „Ich schäme mich für die Rechtstaatlichkeit Deutschlands“, raunte der ehemaligen Deutsche-Bank-Chef bei einer Unterbrechung der Verhandlung Journalisten zu.

Grund: Im Laufe des Prozesses legte die Staatsanwaltschaft noch nach und präsentierte einen 90-seitigen Beweisantrag. „Ein Unding“, meuterte die Verteidigung. „Der Prozess ist eine Zumutung“, schimpfen Prozessbeteiligte. Immer wieder werden die Verteidiger laut, werfen der Staatsanwaltschaft vor, das Verfahren zu verschleppen.

Dennoch wird sich auch der Schweizer wie auch seine deutschen Ex-Kollegen weiter gegenüber dem deutschen Rechtsstaat verantworten müssen. Die Staatsanwaltschaft lässt schließlich nicht locker, hält an ihren Vorwürfen des Prozessbetrugs fest. Bis Mitte Januar sind weitere Verhandlungstermine festgelegt – auch wenn der Vorsitzende Richter immer wieder beteuert, dass er den Prozess zügig beenden will und den Vorwurf, das Verfahren werde unnötig in die Länge gezogen, nicht auf sich sitzen lässt. Der Ausgang des Verfahrens ist noch nicht klar.

Korrespondentin des Handelsblatts.
Kerstin Leitel
Handelsblatt / Korrespondentin
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