Josef Ackermann im Handelsblatt-Magazin

„Boni-System hatte jeden Bezug zur Realität verloren“

Der Ex-Chef der Deutschen Bank zeigt sich nach seinem Abschied aus der Finanzwelt selbstkritisch. In der Finanzkrise seien moralische Grundsätze über Bord geworfen worden, sagt Ackermann. Er habe es nicht ändern können.
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Josef Ackermann benennt Fehler der Finanzbranche. Quelle: dpa

Josef Ackermann benennt Fehler der Finanzbranche.

(Foto: dpa)

DüsseldorfJosef Ackermann, früherer Chef der Deutschen Bank, zeigt sich selbstkritisch, was die Verantwortung für die 2008 ausgebrochene Finanzkrise angeht. „Problematisch wird es, wenn vor lauter Kampf und Wettbewerb ethisch-moralische Grundsätze verloren gehen. Das war in der Finanzindustrie in den Jahren vor der großen Krise leider teilweise der Fall“, sagte er in einem Interview mit dem Handelsblatt Magazin, das am Donnerstag erstmals erscheint.

Dass das gesamte System in manchen Punkten „auf dem falschen Weg“ gewesen sei, habe man damals durchaus auch im Vorstand der Deutschen Bank diskutiert. Man sei sich „ziemlich einig“ gewesen, dass das Boni-System „jeden Bezug zur Realität verloren hatte“, sagte Ackermann. „Aber ein Problem zu erkennen ist etwas anderes, als zu versuchen, es als Einzelner zu ändern. Da können Sie schnell untergehen.“

Zugleich hat Ackermann im Fall Kirch seine Unschuld bekräftigt: „Den Vorwurf der Staatsanwaltschaft, vor Gericht bewusst falsche Angaben gemacht zu haben, weise ich unverändert zurück.“ Die Staatsanwaltschaft München hat Ackermann und seine früheren Vorstandskollegen wegen versuchten Prozessbetrugs rund um die juristische Aufarbeitung der Kirch-Pleite angeklagt.


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4 Kommentare zu "Josef Ackermann im Handelsblatt-Magazin: „Boni-System hatte jeden Bezug zur Realität verloren“"

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  • die aussagen von herrn a. sind nun sicherlich nicht mehr in gerichtsverfahren zu verwenden
    bzw.
    herr a. braucht seine unmoralischen einkünfte nicht mehr zurück oder gar an die geschädigten auszuzahlen
    hat er sie ordentlich versteuert?

  • Jeder der in der Aera Ackermann ein leitender Angestellter in der DB war, wird sich wundern das immer wieder neue Rekorde in "Tatsachen auf den Kopf stellen" und "Shizophrene distanzierung von meinem gestrigen ich" aufgestellt werden koennen.
    Man koennte sehr sehr viele einzelne Entscheidungen des Herrn Ackermanns diskutieren bei denen er direkt und persoenlich ganz klar NICHT zu gunsten einer besseren Ethik entschieden hat.
    Die menge an solchen Beispielen die man finden koennte verdichtet sich zu einem schluessigen Bild die in krassem Gegensatz zu diesen Auesserungen stehen.

    Das Handelsblatt sollte mal ein paar andere Ex-Vorstaende interviewen und fragen warum sie Ihren Hut genommen haben?

  • Die größten Verbrecher müssen sich vor dem Ableben am lautesten läutern...

  • Mit verspäteter Einsicht Reue heucheln?

    Herr Ackermann, dieses Märchen können Sie vielleicht im Kindergarten erzählen. Sie haben sich im Laufe Ihrer Karriere genügend geleistet und immer das genommen, was Sie bekommen konnten. Einzelne Schicksale haben Sie bestimmt nicht gerührt.

    In anderen Branchen spricht man in solchen Fällen deutlich folgendes aus:

    Der Mann geht über Leichen. Oder was interessiert mich mein Geschwätz von gestern.

    Gut ist, dass es noch mutige Staatsanwälte gibt, die hoffentlich solche Taktiker und Methoden zu Fall bringen.

    Man sieht sich immer zweimal im Leben! Das gilt heute um so mehr!

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