JP Morgan-Anhörung
Ein Sturm im Wasserglas

JP-Morgan-Chef Jamie Dimon musste vor dem US-Senat den Milliardenverlust erklären und hatte leichtes Spiel. Die Fragen waren zahm, die verfeindeten Abgeordneten neutralisierten sich. Nur einer traute sich etwas.
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Washington/New YorkEs ist ungefähr eine Stunde vergangen, als plötzlich so etwas wie ein Rededuell entbrennt. Ob die neuen Finanzmarktgesetze die Banken sicherer gemacht haben, will der Senator oben auf dem Podium wissen. Jamie Dimon, der alleine am Zeugentisch sitzt, versucht die Frage zu umgehen. „Also es ist gut, dass die Banken mehr Kapital...“, setzt er an, aber er kommt nicht weit. „Ich habe Sie gefragt, ob die Branche sicherer geworden ist!“, schallt es zurück. Ein paar Mal geht das dann noch hin- und her, schließlich sagt Dimon leise: „Ich weiß es nicht“.

Selbst für einen der mächtigsten Banker der Welt ist das hier heute kein einfacher Termin. Jamie Dimon, Chef der nach Vermögenswerten größten US-Bank JP Morgan, ist nach Washington gereist, um vor dem Bankenausschuss des US-Senats die jüngsten Milliardenverluste zu erklären. Grillen würden die Abgeordneten den Banker, hatten deren Mitarbeiter zuvor gestreut. Allein: Allzu heiß sollte es für Dimon im Laufe der zweistündigen Vernehmung nicht werden.
Am Anfang wirkt er noch angespannt, als er den mit Holz und Marmor verzierten Tagungssaal durch den Seiteneingang betritt. Und noch bevor der Vorsitzende Tim Johnson die Sitzung eröffnet, wird auch klar, warum.

„Dieser Mann gehört ins Gefängnis!“, brüllt plötzlich ein Demonstrant, der sich in den Saal geschmuggelt hatte. Dimon lässt es über sich ergehen, Sicherheitsleute eilen herbei, aber sie lassen den aufgebrachten Mann in Ruhe. Nur Minuten nach dem Zwischenfall gibt es abermals kurz Tumult, als fünf weitere Demonstranten von ihren Sitzen aufspringen und skandieren: „Stoppt Zwangsversteigerung jetzt!“ und kritisieren damit den Umgang der US-Banken mit überschuldeten Hausbesitzern.

Der Rest sollte dann mehr oder weniger ein Spaziergang werden für den redegewandten und gut vorbereiteten Spitzenbanker. „Wir haben eine Menge Leute enttäuscht, und das tut uns leid“, sagt Dimon gleich zu Anfang. In seinem vorbereiteten Statement wie in der anschließenden Fragestunde versucht er dann stets die Balance zu wahren zwischen Demut einerseits und andererseits der Verteidigung seiner Branche gegen mehr Regulierung.
Seine Strategie: Zugeben, dass Mitarbeiter der Londoner Abteilung Chief Investment Office schwere Fehler gemacht und damit den Verlust von mindestens zwei Milliarden Dollar verursacht zu haben. Gleichzeitig aber zählt Dimon auf, was er alles getan habe, damit sich so etwas nicht wiederholt. Auf gar keinen Fall, beteuert er, liege der Fehler im System. Schließlich müssten Banken Risiken eingehen, um ihren Dienst an der Gesellschaft auch richtig ausüben zu können.

Konkret macht Dimon eine schlechte Handelsstrategie für die Fehlspekulationen verantwortlich. Diese sei von der Führungsspitze nicht geprüft worden. Die Fehler in Vorbereitung auf die neuen internationalen Kapitalregeln Basel III entstanden. Ein neues Team im Investmentgeschäft habe nun bereits einige Fortschritte erzielt und die Risiken minimiert, um „die Wahrscheinlichkeit und das Ausmaß künftiger Verluste zu verhindern.“ Wie groß die Verluste aus dem verpatzen Handelsgeschäft wirklich sein werden, verrät Dimon auch heute nicht. Er sagt lediglich: „Auch wenn noch zwei Wochen in diesem Quartal vor uns liegen, erwarten wir, dass dieses Quartal solide profitabel sein wird“.

Kommentare zu " JP Morgan-Anhörung: Ein Sturm im Wasserglas"

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  • "The American Dream" von George Carlin fasst das Ganze recht gut zusammen.

    http://www.youtube.com/watch?v=acLW1vFO-2Q

    Menschen wie George Schultz, Warren Buffet, George Carlin, Paul Volcker sind die "moral minority" im heutigen Amerika das vollkommen verfilzt ist.

    Tja, was wäre Amerika ohne die 400 die soviel verdienen wie die ärmsten 100 Millionen Amerikaner doch für ein schönes Land.

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