JP-Morgan-Chef Dimon
Großer Banker, ganz klein

JP-Morgan-Chef Dimon ist der lauteste und mächtigste Kämpfer der Wall Street gegen neue Bankengesetze. Nach dem peinlichen Milliarden-Desaster seiner Bank zeigt er sich nun reumütig. Ihm bleibt auch nichts anders übrig.
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WashingtonVieles ist in den vergangenen Jahren an der Wall Street passiert, das zuvor undenkbar schien. Traditionsbanken gingen pleite, andere bettelten beim Staat um Hilfe. Aber jetzt das? Ein zerknirschter, selbstkritischer, ja demütiger Auftritt von Jamie Dimon? Der Chef von JP Morgan, der nach Vermögenswerten größten Bank der USA, war bisher bekannt dafür, verlässlich gute Zahlen zu liefern und als inoffizieller Sprecher der Branche gegen regulierungswütige Politiker zu Felde zu ziehen.

Nun spricht Dimon, mit 23 Millionen Dollar im vergangenen Jahr bestbezahlter Bankchef an der Wall Street, von „ungeheuerlichen Fehlern“, die „uns ziemlich dumm dastehen lassen“. Und sagt Sätze wie diesen: „Wir werden das zugeben, daraus lernen, das wieder geradebiegen und dann weitergehen“. Großer Banker, ganz klein.

Der mächtige Bankchef sprach diese Worte am späten Donnerstagabend US-Ostküstenzeit in einer eilig anberaumten Konferenz mit Anlegern und Analysten. Zuvor hatte JP Morgan der Börsenaufsicht SEC Ungeheuerliches mitteilen müssen: Das Institut habe sich bei einer fehlgeschlagenen Handelsstrategie verzockt und dabei mehr als zwei Milliarden Dollar verloren.

Seit Ende März habe es „signifikante Buchverluste“ im synthetischen Kreditportfolio in Bereich Chief Investments gegeben, schrieb die Bank an die SEC. Der Bereich Chief Investment ist der Arm der Bank, der genutzt wird, um Wetten einzugehen, die die Beteiligungen an individuellen Beständen absichern sollen, etwa Kredite an Firmen mit einer schlechten Bewertung.

Als Folge würden nun die Sparten Corporate und Private Equity im zweiten Quartal wohl einen Verlust von 800 Millionen Dollar ausweisen, so JP Morgan. Eigentlich hatte die Bank dort 200 Millionen Dollar Gewinn angepeilt. Das Desaster werde auch noch in den folgenden Quartalen Spuren hinterlassen, sagte Dimon. Die JP-Morgan-Aktie verlor nachbörslich fast sieben Prozent und zog auch andere Bankentitel mit sich.

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  • Das bekommen Sie nicht hin. Diese Herren regieren de Fakto die Welt. Da hat Henkel schon recht. Ihre bislang größte Leistung in Deutschland: Die Sozialisierung der Verluste "notleidender" Banken. Was demnächst ansteht: Die Sozialisierung der Verluste aus der Euro Einführung.
    Die Politik (außer Piraten) ist diesbezüglich gleichgeschaltet. Die kapitalistische Einheitspartei (CDUSPDFDP)ist die deutsche Exekutive; in Amerika die Konservativen und die etwas weniger Konservativen.

  • Die Aktionäre sind die Dummen,besonders die aus Europa.Fakt ist, wer vor 10 Jahren J.P.Morgan Aktien kaufte,hat jetzt schon 35 % auf Eurobasis verloren.

  • Die bestgeführte US-Großbank kann den Betrag verschmerzen, auch wenn dieser Fakt im aktuellen Ringen um regulatorische Vorgaben weder der Bank noch der Branche hilft. Und wenn die zugrunde liegenden Hypotheken den CDOs wieder auf die Beine helfen? Die Position ist offen und kann Erträge liefern - wer will schon 0,X auf seine US-Anleihen kassieren, wenn der Immobilienmarkt zum recovery ansetzt?

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