JP-Morgan-Chef Dimon unter Feuer
Thron oder Schleudersitz?

Jamie Dimon gilt als der „König der Wall Street“. Doch der Chef der US-Bank JP Morgan zittert vor kritischen Aktionären: Sie wollen auf der Hauptversammlung seine Macht beschneiden. Für Dimon steht viel auf dem Spiel.
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New YorkDie Szene ist schon fast zu schön, um wahr zu sein. Da treffen sich die zwei mächtigsten Chefs der Wall Street und besprechen, was man gegen seinen schlechten Ruf tun kann. Der eine, Goldman-Sachs-Boss Lloyd Blankfein, galt einmal als das Symbol für Gier und Fehler der Finanzwelt. Der andere ist Jamie Dimon, Vorstandschef der größten US-Bank JP Morgan Chase – und der neue Bösewicht.

Dimon also fragt Blankfein, wie er all die Vorwürfe von Politikern überstanden hat, die Klagen, die Kritik der Aktionäre und die negativen Schlagzeilen. „Der Sturm“, beruhigt Blankfein seinen langjährigen Banker-Kollegen, „wird irgendwann vorüber sein“. Von dieser Begegnung berichtete vergangene Woche die „New York Times“ unter Berufung auf Insider.

Allerdings – der vorläufig heftigste Teil steht Dimon noch bevor. Und zwar an diesem Dienstag, auf der Hauptversammlung in Tampa, Florida.

Dort wird es der Bankchef mit kritischen Aktionären zu tun bekommen. Mächtige Pensionsfonds und Anlegerberater wollen dem „König der Wall Street“ Macht wegnehmen: Dimon soll sein Parallel-Amt als Chef des Verwaltungsrates (Chairman) abgeben. Es sei nicht gut, so die Begründung, wenn sich ein Vorstandschef durch die Doppelrolle selbst kontrolliert.

Es ist ein Antrag mit großer Sprengwirkung. Sollten sich die Rebellen durchsetzen, was als durchaus möglich gilt, wäre der Beschluss zwar nicht bindend – der Schaden für Dimon jedoch immens. Nach US-Medienberichten soll der Bankchef intern bereits mit Rücktritt gedroht haben, sollte er die Abstimmung verlieren. Thron oder Schleudersitz – darum wird es in Tampa gehen.

Dass Aktionäre einmal gegen Dimon aufbegehren würden, galt lange als unerhört. Der 57-Jährige, seit 2005 im Amt und seit 2006 in Doppelfunktion, hatte JP Morgan souverän durch die Finanzkrise geführt. Nicht ein Quartal war dabei, in dem Verluste anfielen. Und während ringsherum andere Institute zusammenbrachen, machte Dimon seines durch günstige Zukäufe nur noch größer.

Aktionäre liebten Dimon, Politiker fragten ihn um Rat. Und die Medien fütterten das Bild eines erfolgreichen Bankers, der ehrlich ist und geradeheraus denkt. Doch im vergangenen Jahr begann Dimons Ruf zu leiden.

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