JP-Morgan-Chef Dimon
„Wir haben eine Menge Leute enttäuscht“

JP Morgan-Chef Jamie Dimon muss sich für Milliardenverluste eines Londoner Händlers seiner Bank vor dem US-Parlament rechtfertigen. Der Auftritt des Top-Bankers wird begleitet von Demonstrationen.
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New York/Washington„Dieser Mann gehört ins Gefängnis!“, schallt es durch mit Marmor und dunklem Holz ausgekleideten Sitzungssaal des US-Senats. Noch bevor sich Jamie Dimon, als JP Morgan Chef einer der mächtigsten Banker der Welt, vor dem Bankenausschuss für die Milliardenverluste eines seiner Händler rechtfertigen kann, wird er von Zuhörern attackiert. Die einen fordern seine Verhaftung, andere skandieren „Stoppt Zwangsversteigerung jetzt“ und kritisieren damit den Umgang der US-Banken mit überschuldeten Hausbesitzern. Dimon, der an einem kleinen Tisch alleine vor dem Podium mit den Politikern sitzt, starrt mit unbewegtem Gesicht vor sich hin. Vorsichtige Entspannung zeigt sein Gesicht erst als die Saaldiener die Demonstranten entfernt haben. Endlich kann er mit seinem nicht ungeschickt formulierten Einstiegsbemerkungen beginnen. 

„Wir haben eine Menge Leute enttäuscht und das tut uns leid“, sagt Dimon. In seinem Auftaktbericht wie in der sich anschließenden, derzeit noch andauernden Fragestunde, versucht Dimon die Balance zwischen Demut und Verteidigung seiner Branchen gegen mehr Regulierung zu wahren. So räumte er ein, dass es in der betroffenen Abteilung organisatorische Fehler gegeben habe. Gleichzeitig zählt er auf, was er alles getan habe, um eine Wiederholung der Ereignisse zu verhindern. Zudem wird er nicht müde zu betonen, welchen Dienst an der Gesellschaft seine Bank mit ihrem Geschäft leistet. 

Für die Verluste machte der Bankchef eine schlechte Handelsstrategie verantwortlich. Diese sei von der Führungsspitze nicht geprüft worden. Die Fehler seien im Zusammenhang mit dem Vorhaben entstanden, in Vorbereitung auf die neuen internationalen Kapitalregeln („Basel III“) die eigenen Risiken zu vermindern. Ein neues Team im Investmentgeschäft der Bank habe bereits einige Fortschritte erzielt und die Risiken minimiert, um „die Wahrscheinlichkeit und das Ausmaß künftiger Verluste zu verhindern.“

Mitte Mai hatte Dimon Aktionäre, Regulierer und Märkte mit dem Eingeständnis überrascht, dass die riskanten Wetten eines einzelnen Londoner Händlers der Abteilung Central Investment Office (CIO) Verluste in Höhe von mindestens zwei Milliarden Dollar, möglicherweise sogar vier Milliarden Dollar produziert hätten. Durch die Auflösung anderer, profitabler Geschäfte hofft die Bank, unter dem Strich den Verlust auf einige 100 Millionen Dollar zu drücken. Wie groß die Verluste wirklich sein werden, sagte Dimon in seinem Eingangsbericht nicht. Er erklärte lediglich: „Auch wenn noch zwei Wochen in diesem Quartal vor uns liegen, erwarten wir, dass dieses Quartal solide profitabel sein wird.“

Lesen Sie hier die Rede von Jamie Dimon in der Vorabversion: Testimony of Jamie Dimon.

 

Kommentare zu " JP-Morgan-Chef Dimon: „Wir haben eine Menge Leute enttäuscht“"

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  • Zitat: "Zudem wird er nicht müde zu betonen, welchen Dienst an der Gesellschaft seine Bank mit ihrem Geschäft leistet."

    Ein Dienst seines Hauses ist mir ganz besonders in Erinnerung: Das fälschen der Bilanzen des griechischen Staates von 1999 bis 2001, damit Griechenland die Euro-Kriterien erfüllt.

    Vielen Dank auch. Aber dafür müßen wir uns heute von u.A. von diesem Herrn sagen lassen, wir täten nicht genug für dieses Land. Betrüger gehören in den Knast.

  • Wenn man sich Äußerungen von Dimon anhört-besonders von 2010/2011 ist dieser Mann an Arroganz nicht zu übertreffen. Er ist um die ganze Welt geflogen um die G20 Beschlüsse von London(2009) zu beseitigen. Ich finde es Schade dass er nur 2-7 Mrd $ Verlust gemacht hat.20 Mrd. wäre besser, dann müsste er endlich von der Bühne verschwinden und seine eigene Finanzpyramide gründen.

  • Toll ein Nettogewinn von 5 Mrd. bunte Scheine, leider wird allerdings vergessen, das JP Morgan auch Schulden von 24.000 Mrd. Dollar hat...

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