JP-Morgan-Chef Dimon „Wir haben eine Menge Leute enttäuscht“

JP Morgan-Chef Jamie Dimon muss sich für Milliardenverluste eines Londoner Händlers seiner Bank vor dem US-Parlament rechtfertigen. Der Auftritt des Top-Bankers wird begleitet von Demonstrationen.
Update: 13.06.2012 - 17:14 Uhr 3 Kommentare
JP-Morgan-Chef Jamie Dimon.

JP-Morgan-Chef Jamie Dimon.

New York/Washington„Dieser Mann gehört ins Gefängnis!“, schallt es durch mit Marmor und dunklem Holz ausgekleideten Sitzungssaal des US-Senats. Noch bevor sich Jamie Dimon, als JP Morgan Chef einer der mächtigsten Banker der Welt, vor dem Bankenausschuss für die Milliardenverluste eines seiner Händler rechtfertigen kann, wird er von Zuhörern attackiert. Die einen fordern seine Verhaftung, andere skandieren „Stoppt Zwangsversteigerung jetzt“ und kritisieren damit den Umgang der US-Banken mit überschuldeten Hausbesitzern. Dimon, der an einem kleinen Tisch alleine vor dem Podium mit den Politikern sitzt, starrt mit unbewegtem Gesicht vor sich hin. Vorsichtige Entspannung zeigt sein Gesicht erst als die Saaldiener die Demonstranten entfernt haben. Endlich kann er mit seinem nicht ungeschickt formulierten Einstiegsbemerkungen beginnen. 

„Wir haben eine Menge Leute enttäuscht und das tut uns leid“, sagt Dimon. In seinem Auftaktbericht wie in der sich anschließenden, derzeit noch andauernden Fragestunde, versucht Dimon die Balance zwischen Demut und Verteidigung seiner Branchen gegen mehr Regulierung zu wahren. So räumte er ein, dass es in der betroffenen Abteilung organisatorische Fehler gegeben habe. Gleichzeitig zählt er auf, was er alles getan habe, um eine Wiederholung der Ereignisse zu verhindern. Zudem wird er nicht müde zu betonen, welchen Dienst an der Gesellschaft seine Bank mit ihrem Geschäft leistet. 

Für die Verluste machte der Bankchef eine schlechte Handelsstrategie verantwortlich. Diese sei von der Führungsspitze nicht geprüft worden. Die Fehler seien im Zusammenhang mit dem Vorhaben entstanden, in Vorbereitung auf die neuen internationalen Kapitalregeln („Basel III“) die eigenen Risiken zu vermindern. Ein neues Team im Investmentgeschäft der Bank habe bereits einige Fortschritte erzielt und die Risiken minimiert, um „die Wahrscheinlichkeit und das Ausmaß künftiger Verluste zu verhindern.“

Mitte Mai hatte Dimon Aktionäre, Regulierer und Märkte mit dem Eingeständnis überrascht, dass die riskanten Wetten eines einzelnen Londoner Händlers der Abteilung Central Investment Office (CIO) Verluste in Höhe von mindestens zwei Milliarden Dollar, möglicherweise sogar vier Milliarden Dollar produziert hätten. Durch die Auflösung anderer, profitabler Geschäfte hofft die Bank, unter dem Strich den Verlust auf einige 100 Millionen Dollar zu drücken. Wie groß die Verluste wirklich sein werden, sagte Dimon in seinem Eingangsbericht nicht. Er erklärte lediglich: „Auch wenn noch zwei Wochen in diesem Quartal vor uns liegen, erwarten wir, dass dieses Quartal solide profitabel sein wird.“

Lesen Sie hier die Rede von Jamie Dimon in der Vorabversion: Testimony of Jamie Dimon.

So lief der Jahresstart der US-Großbanken
Morgan Stanley Reports Their Quarterly Profits Fell 48 Percent In First Quarter
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Morgan Stanley

Der US-Investmentbank ist ein fulminanter Start ins Jahr geglückt. Das Geldhaus steigerte seinen Gewinn im ersten Quartal um ein Fünftel auf 1,4 Milliarden Dollar, während viele andere Institute in dieser Zeit einen Rückgang gegenüber dem Vorjahr verbuchten. Morgan Stanley profitierte vor allem von einer rasanten Belebung des Handelsgeschäfts. Auch die Einnahmen lagen mit 8,9 Milliarden Dollar weit über den Erwartungen von Branchenexperten.

Earns Morgan Stanley
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Morgan Stanley

Wegen einer bizarren Bilanzierungsregel aus der Finanzkrise musste das Geldhaus dennoch unter dem Strich einen Verlust von 119 Millionen Dollar ausweisen: Die erforderliche Neubewertung von eigenen Verbindlichkeiten kostete Morgan Stanley zwei Milliarden Dollar. Diese Auflage führt zu Verlusten, wenn die Schulden an Wert zunehmen und zu Gewinnen, wenn sie im Wert sinken. Dies sollte die Unternehmen in der Krise vor riesigen Verlusten schützen.

Pedestrians walk past a Bank of America ATM in Charlotte
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Bank of America

Die angeschlagene Bank of America hinkt dagegen weiter der Konkurrenz hinterher. Das Sorgenkind der amerikanischen Bankbranche konnte zum Jahresauftakt zwar überraschend einen Gewinn vermelden, dieser fiel aber deutlich geringer aus als vor einem Jahr. Der Überschuss sei auf 653 Millionen Dollar von 2,05 Milliarden Dollar im gleichen Vorjahreszeitraum eingebrochen. Von den Milliardengewinnen der Konkurrenten JP Morgan, Citigroup und Goldman Sachs ist die Bank meilenweit entfernt.

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Bank of America

Bei der Bank of America drückten zum Jahresauftakt wieder eine Reihe von Sondereffekten auf das Ergebnis - dieses Mal waren es 4,8 Milliarden Dollar. Die Bilanz der Bank ist seit einiger Zeit durch zahlreiche Sonderbelastungen, aber auch zum Teil positive Effekte stark verzerrt. Das Ergebnis je Aktie belief sich bei der zweitgrößten US-Bank auf drei Cent nach 17 Cent ein Jahr zuvor. Die Einnahmen betrugen 22,5 Milliarden Dollar. Die Rückstellungen für Kredite im Berichtsquartal bezifferte das Finanzinstitut auf 2,42 Milliarden Dollar.

File photo shows traders on the floor of the New York Stock Exchange near the Goldman Sachs stall
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Goldman Sachs

Goldman Sachs hat trotz schwächerer Erlöse in der Investment- und der Wertpapiersparte mehr verdient als erwartet. Das Institut wies für das erste Quartal einen Gewinn je Aktie von 3,92 Dollar aus, rund zweieinhalbmal so viel wie zum Vorjahresauftakt. Analysten hatten im Schnitt mit 3,55 Dollar gerechnet. Insgesamt belief sich der Nettogewinn auf 2,11 Milliarden US-Dollar (rund 1,6 Milliarden Euro).

huGO-BildID: 25986698 (FILES)Lloyd Blankfein, chairman and CEO, Goldman Sachs speaks to the 2011 CARE Conference and International Women's Day C
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Goldman Sachs

Auch die Einnahmen lagen mit 9,95 Milliarden Dollar über den Erwartungen der Experten, die von 9,48 Milliarden Dollar ausgegangen waren. Doch Bankchef Lloyd Blankfein (Bild) kann sich nur bedingt freuen. Die Einnahmen im Investmentbanking sanken um neun Prozent und im Geschäft mit festverzinslichen Wertpapieren und Rohstoffen um 20 Prozent. Auch die Einnahmen aus dem Aktien-Geschäft gingen um drei Prozent zurück. Die Anleger waren nicht begeistert.

Earns Citigroup
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Citigroup

Die drittgrößte US-Bank musste im Auftaktquartal einen Gewinnrückgang hinnehmen. Nach 2,99 Milliarden Dollar vor Jahresfrist verdiente die Citigroup im ersten Vierteljahr 2,93 Milliarden Dollar. Ohne Sonderposten meldete das Geldhaus einen Gewinn pro Aktie von 1,11 Dollar, inklusive Sonderposten von 0,95 Dollar.

 

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3 Kommentare zu "JP-Morgan-Chef Dimon: „Wir haben eine Menge Leute enttäuscht“"

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  • Zitat: "Zudem wird er nicht müde zu betonen, welchen Dienst an der Gesellschaft seine Bank mit ihrem Geschäft leistet."

    Ein Dienst seines Hauses ist mir ganz besonders in Erinnerung: Das fälschen der Bilanzen des griechischen Staates von 1999 bis 2001, damit Griechenland die Euro-Kriterien erfüllt.

    Vielen Dank auch. Aber dafür müßen wir uns heute von u.A. von diesem Herrn sagen lassen, wir täten nicht genug für dieses Land. Betrüger gehören in den Knast.

  • Wenn man sich Äußerungen von Dimon anhört-besonders von 2010/2011 ist dieser Mann an Arroganz nicht zu übertreffen. Er ist um die ganze Welt geflogen um die G20 Beschlüsse von London(2009) zu beseitigen. Ich finde es Schade dass er nur 2-7 Mrd $ Verlust gemacht hat.20 Mrd. wäre besser, dann müsste er endlich von der Bühne verschwinden und seine eigene Finanzpyramide gründen.

  • Toll ein Nettogewinn von 5 Mrd. bunte Scheine, leider wird allerdings vergessen, das JP Morgan auch Schulden von 24.000 Mrd. Dollar hat...

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