JP-Morgan-Chef Jamie Dimon
„Ohne Großbanken geht es nicht”

Der US-Wahlkampf nähert sich der heißen Phase, und die Kandidaten schimpfen gegen Großbanken. JP-Morgan-Chef Jamie Dimon behagt das offenbar gar nicht. In seinem Investorenbrief pocht er auf die eigene Bedeutung.

DüsseldorfJedes Jahr im Frühjahr schreibt der Chef von JP Morgan, Jamie Dimon, einen Brief an seine Investoren. Darin äußert er sich – ganz allgemein – zur Lage der Welt. In diesem Jahr fühlt sich Dimon offenbar berufen, die Investmentbanken-Branche zu verteidigen. Investmentbanken seien für die Wirtschaft unerlässlich, so der JP-Morgan-Chef. Sie würden Dienstleistungen anbieten, die Regional- und Genossenschaftsbanken einfach nicht stemmen könnten.

Dass Dimon auf die Rolle der Großbanken eingeht, ist dem Vorwahlen-Schlagabtausch in den USA geschuldet. Rechts und links fahren die Kandidaten Geschütze gegen die Bankenindustrie auf. Von den Republikanern kann Dimon wenig Unterstützung erwarten. Zwar hat sich Donald Trump für eine Reform des Dodd Frank Acts ausgesprochen, der seit der Finanzkrise die Banken reguliert. Jedoch wäre Trump als Präsident vor allem eine große Unsicherheit. Was er mit der Finanz- und Bankenbranche genau vorhat, blieb bislang im Dunkeln. Er hat sich in seinen Forderungen vor allem für einen Einwanderungsstopp und eine Reform des US-Steuersystems konzentriert.

Von den Demokraten wettert Bernie Sanders gegen die Mächtigen der Finanzwelt: „Die Wall Street kann nicht weiterhin eine Insel bleiben, auf der mit Billionen gespielt und dann auf auf öffentliche Gelder zur eigenen Rettung gehofft wird”, so Sanders. Die Bilanzsumme der sechs größten Banken der USA betrage rund 60 Prozent des BIP, klagt der Kandidat, der aufgrund seiner Äußerungen von Medien wie Wählern als Sozialist bezeichnet wird. „Wir müssen diese Großbanken aufbrechen“, so Sanders auf seiner Webseite. „Wenn eine Bank zu groß zum Scheitern ist, ist sie auch zu groß zum Existieren.“

Sanders hat bereits einen Plan zur Aufspaltung der Banken vorgelegt. Innerhalb von nur einem Jahr will er so die „katastrophalen” Risiken für die US-Wirtschaft reduzieren. Weitere Forderungen Sanders: Reduzierung der Kreditkartenzinsen, eine Spekulationssteuer, über die Hochschulen finanziert werden sollen sowie Boni-Kürzungen für jene Banker, die zugleich politische Posten bekleiden.

In seinem Investoren-Brief will Dimon deutlich machen, dass das alles nicht so einfach ist. Natürlich sei es verlockend, inmitten der aufgeheizten politischen Debatte kleine gegen große Banken auszuspielen und so zu tun, als könne es nur einen Gewinner geben, doch: „Die US-Finanzindustrie lässt sich nicht mit wenigen Worten beschreiben“, so Dimon. „Es ist ein komplexes System, das viele verschiedene Geschäftsmodelle haben muss, um die verschiedenen Kundenwünsche der Amerikaner zu bedienen.“

Sollte der Wettbewerb zwischen den Banken eingeschränkt werden, könnten Banken anderer Nationen davor profitieren – allen voran die chinesischen Geldhäuser. „Ich will nicht, dass in 20 Jahren die Amerikaner zurückblicken und sich fragen, warum sie keine führende Nation in den Finanzdienstleistungen mehr sind“, sagte der JP Morgan-Chef.

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