JP Morgan
Jamie Dimon greift tief in die Trickkiste

JP Morgan verliert mehr als fünf Milliarden Dollar durch Fehlspekulationen, Bankchef Dimon muss daher um einen Teil seiner Boni fürchten. Das Ergebnis stimmt dennoch, auch wenn es kräftig aufgehübscht wurde.
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New YorkJP-Morgan-Chef Jamie Dimon lässt die Katze aus dem Sack: Der spektakuläre Handelsskandal im Frühjahr hat vor Steuern ein Loch von mehr als fünf Milliarden Dollar im ersten Halbjahr gerissen. Das ist mehr doppelt so viel, wie der Vorstandschef zunächst eingeräumt hatte. Dennoch schaffte die Bank das Kunststück, ihren Quartalsgewinn im Vergleich zum starken Vorjahreszeitraum beinahe konstant zu halten - unter dem Strich verdiente das Institut mit knapp fünf Milliarden Dollar nur sieben Prozent weniger.

Analysten hatten das dem US-Branchenprimus nicht zugetraut. Allerdings machte sich JP Morgan einige Sondereffekte zunutze. So löste die Bank unter anderem einen Teil ihrer milliardenschweren Risikovorsorge für faule Kredite auf. Auch die Neubewertung eigener Schulden hübschte die Bilanz etwas auf. Die Bank steckte weniger Geld in den Bonuspool für die Mitarbeiter. Überdies verbuchte sie einige Verluste rückwirkend noch im ersten Quartal.

„Wir haben uns selbst ins Knie geschossen“, sagte Dimon am Freitag in New York zu den Spekulationsskandal. Er entschuldigte sich abermals bei seinen Aktionären und versicherte im gleichen Atemzug: „Es ist ein isoliertes Ereignis.“ Die Erträge - die gesamten Einnahmen von JP Morgan - sanken im zweiten Quartal um 16 Prozent auf 22,9 Milliarden Dollar.

Bereits Anfang Mai hatte Dimon seine Anleger schockiert. Er musste einräumen, dass die Bank mindestens zwei Milliarden Dollar durch schlecht kontrollierte Geschäfte des Londoner Händlers Bruno Iksil verlieren würde. Jetzt wurden daraus 5,1 Milliarden Dollar im ersten Halbjahr. Weitere 700 Millionen Dollar liefen nach Angaben von Finanzvorstand Doug Braunstein bereits zwischen Ende Juni und diesen Donnerstag auf. „Beschämend“ nennt Jamie Dimon die Verluste seiner Londoner Filiale. Das kostet Bankchef Dimon nicht nur den Ruf als Superstar der Wall Street.

„Wir wissen, dass wir nachlässig waren. Wir wissen, dass wir dumm waren“, entschuldigte sich Dimon. Damals hoffte er, durch den Verkauf von gewinnträchtigen Positionen die Verluste unter dem Strich auf 800 Millionen Dollar begrenzen zu können. Seither schossen die Spekulationen ins Kraut, wie groß die Verluste wirklich sein werden und was die Bank dagegen unternimmt. „Das hat unser Unternehmen in seinen Grundfesten erschüttert“, sagte Dimon heute, betonte aber: „Wir haben die Risiken deutlich reduziert.“

Kommentare zu " JP Morgan: Jamie Dimon greift tief in die Trickkiste"

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  • was Dimon leider vergessen hat zu erwähnen, ist die Tatsache, dass sie auch über 500 Milliarden Schulden haben, Tendenz steigend, hupppsss.

    Bei den grössten Banken liegen nach wie vor billionenschwerer Giftmüll in den Bilanzen, da richten ein paar Milliarden nichts aus. So lasten lt. der Bank für internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) in Basel rund 700 Billionen US-Dollar Derivate-Müll auf den Big Playern der Finanzindustrie. Die sind unterlegt mit gerade einmal 60 Milliarden US-Dollar werthaltigem Vermögen.

    Aber prima Jamie, dass du 4 Milliarden dir zurecht gerechnet hast, Kopf hoch der Boni ist dir sicher!

  • • Das Desaster ist vollendet, wenn den Banken nicht sofort ein Stopp gesetzt wird

    Lesen Sie -lesen sie - lesen sie - lesen sie

    Der Ökonomiker fasst in diesen Tagen alle wichtigen Ereignisse der letzten Jahre zusammen.

    http://der-oekonomiker.blogspot.de/2012/03/standpunkt-191-update-enteignung.html

    http://der-oekonomiker.blogspot.de/2012/07/stanpunkt-291-derivate-desaster.htmltp://der-oekonomiker.blogspot.de/2012/07/standpunkt-300-sinn-lich-okonomenstreit.html

    • http://www.heise.de/tp/artikel/37/37234/1.html

    • http://der-oekonomiker.blogspot.de/2012/07/standpunkt-301-nachrichten-ticker-1007.html

    • Lesen Sie standpunkt 301 hier ein Auszug
    • Kommentar: Nein, es ist eine Bankenkrise mit inkludierter Vertrauenskrise von Bank zu Bank. Die geschilderten Lösungsansätze sind grundsätzlich richtig, aber nur nützlich, wenn vorher die Bankenbilanzen vom Giftmüll befreit, Schattenbanken und Zweckgesellschaften konsolidiert und nicht mehr lebensfähige Banken abgewickelt werden, ohne jede Rücksicht auf Rang und Namen.
    http://der-oekonomiker.blogspot.de/2012/07/standpunkt-304-hintergrundwissen.html

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