JP Morgan jetzt wertvollste Bank
Skandal um Wells Fargo kostet Buffett mehr als eine Milliarde

Der Skandal um Scheinkonten zwingt Wells Fargo zu härteren Maßnahmen – die US-Großbank kündigt eine genaue Prüfung an. Ihr Großaktionär muss bluten, ein Rivale profitiert.

New YorkDie US-Großbank Wells Fargo hat am Dienstag den Titel als wertvollste Bank der Welt verloren. Die Aktie gab im New Yorker Handel 3,3 Prozent auf 46,96 Dollar nach, der Konzern ist damit noch 236,9 Milliarden Dollar wert. Der Rivale JP Morgan kommt auf eine Börsenbewertung von 240,3 Milliarden Dollar.

Wells-Fargo-Großaktionär Warren Buffett trifft der Kursrückgang natürlich auch. Allein am Dienstag schrumpfte sein rechnerisches Vermögen laut der Finanzagentur Bloomberg um 1,4 Milliarden Dollar. Buffett hält 479 Millionen Wells-Fargo-Aktien, also etwa ein Viertel der Anteile. Außerdem gaben auch die Titel seiner Holding Berkshire Hathaway um zwei Prozent nach, was zum Vermögensverlust beitrug.

Wells Fargo will im Skandal um die falschen Konten durchgreifen. Bei einer Prüfung solle genau untersucht werden, wer was wann wusste, sagte Finanzvorstand John Shrewsberry bei einem Branchentreffen. Dabei werde vor keiner Hierarchieebene halt gemacht. Wells Fargo erreichte in der Sache in der vergangenen Woche mit drei US-Behörden einen Vergleich und zahlt eine Strafe von 185 Millionen Dollar. Zudem sollen Kunden der Bank fünf Millionen Dollar Entschädigung für fingierte Konten unter ihrem Namen erhalten.

Wells-Fargo-Mitarbeiter sollen Kunden zu kostspieligen Finanzprodukten überredet haben, die diese weder angefordert noch gebraucht haben. Teilweise mussten sie dafür Gebühren zahlen. Die Mitarbeiter wollten offenbar anspruchsvolle Verkaufsziele erreichen. Insgesamt richteten sie mehr als zwei Millionen falscher Konten ein. Das Verhalten sei nicht zu akzeptieren, sagte US-Finanzminister Jack Lew. Das müsse verfolgt und abgestellt werden. Wells Fargo kündigte zudem an, im Privatkundengeschäft künftig keine Ziele mehr ausgeben zu wollen. Wegen unangemessen Verhaltens hat die Bank bereits 5300 Mitarbeiter entlassen. Bei zehn Prozent handele es sich um Manager, sagte Shrewsberry. Darunter seien auch Filialleiter.

Wells-Fargo-Chef John Stumpf ist aufgefordert worden, in Washington zum Verhalten der Bank Rede und Antwort zu stehen. Stumpf sagte, das zumindest seine Vergütung nicht von den Absatzzielen positiv beeinflusst worden sei. „Es gibt keinerlei Verknüpfung der Verkaufsziele mit meiner Vergütung oder der anderer ernannter Mitglieder der Führungsgremien“, sagte Stumpf in einem Interview mit dem Fernsehsender CNBC. Im Jahr 2015 hatte er 19,3 Millionen Dollar verdient.

Zu Forderungen nach seinem Rücktritt sagte Stumpf: „Das beste, was ich im Moment tun kann, ist die Firma zu führen und diese Firma voranzubringen.“

Martin Dowideit, Leiter Digitales, Handelsblatt.
Martin Dowideit
Handelsblatt / Leiter Digitales
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