JP Morgan
US-Großbank macht Vorjahr vergessen

Die US-Großbank JP Morgan hat in den vergangenen drei Monaten deutlich Gewinn und Einnahmen gesteigert. Im Vorjahr hatten noch hochriskante Wetten das Geschäft belastet.
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New YorkJP Morgan hat die Berichtssaison der US-Geldhäuser mit einem soliden Gewinnsprung eröffnet: Der Überschuss legte im zweiten Quartal um 31 Prozent auf 6,5 Milliarden Dollar (fünf Milliarden Euro) zu, wie das Institut am Freitag mitteilte. Zwar schnitt der Branchenprimus vor allem im Investmentbanking besser ab als erwartet. Doch er profitierte auch davon, dass er etwa im Immobiliengeschäft einen Teil der Risikovorsorge für faule Kredite auflösen konnte. Im Vorjahreszeitraum hatte zudem noch ein milliardenschwerer Handelsskandal das Ergebnis erheblich belastet.

Anleger bewerteten das große Gewinnplus daher mit Skepsis: JP-Morgan-Aktien legten im vorbörslichen Handel zunächst zu, drehten dann aber leicht ins Minus.

Dass das Tagesgeschäft nicht ganz so kräftig anzieht wie erhofft, zeigten die Konzerneinnahmen, die auf 26 Milliarden Dollar (20 Milliarden Euro) von zuvor 23 Milliarden Dollar stiegen. Analysten hatten hier einen Schnaps mehr erwartet. Vorstandschef Jamie Dimon verwies darauf, dass die Kreditnachfrage insgesamt verhalten bleibe. „Wir sehen aber viele Anzeichen dafür, dass sich die US-Wirtschaft weiter erholt.“ Das dürfte im Jahresverlauf auch dem Kreditgeschäft der Banken helfen, erklärte er.

Im Immobiliengeschäft konnte JP Morgan zwar einen Teil der Risikovorsorge für faule Kredite auflösen, was das Vorsteuerergebnis um fast eine Milliarde Dollar ankurbelte. Doch das eigentliche Hypothekengeschäft war rückläufig - auch weil die jüngste Refinanzierungswelle, die durch die Niedrigzinspolitik der US-Notenbank ausgelöst worden war, schon wieder abebbt. Das könnte den Kostendruck erhöhen und zu weiteren Sparmaßnahmen führen, wie Finanzchefin Marianne Lake signalisierte. Erst im Februar hatte JP Morgan den Abbau von 17.000 Jobs bis Ende 2014 angekündigt - knapp sieben Prozent der Gesamtbelegschaft. Betroffen sind vor allem das Hypotheken- und Privatkundengeschäft. Lake betonte, JP Morgan liege zwar im Plan. Aber in Anbetracht des Marktumfeldes müsse die Bank beim Sparen eventuell noch eine Schippe drauflegen.

Im Investmentbanking fuhr JP Morgan einen Nettogewinn von 2,8 Milliarden Dollar ein – 19 Prozent mehr als vor einem Jahr. Damals hatte ein Londoner Händler mit dem Spitznamen „der Wal“ mit hochriskanten Wetten Milliarden in den Sand gesetzt, die sich tief in die Quartalsbilanz fraßen. Insgesamt hatte lag der Schaden bei 6,2 Milliarden Dollar gelegen. Zwei Drittel davon hatte JP Morgan Chase im zweiten Quartal 2012 verbuchen müssen. Kritiker von Dimon scheiterten jedoch auf der Hauptversammlung mit dem Versuch, den mächtigsten Banker der Wall Street zu entmachten. Er konnte seine Doppelrolle als Firmenchef und Vorsitzender des Verwaltungsrats behalten.

Sonderbelastungen gab es dieses Mal nicht. Insbesondere im Handel liefen die Geschäfte besser, als viele Branchenexperten angesichts des Auf und Ab an den Märkten zuletzt erwartet hatten. Das lässt auch für die europäischen Banken hoffen, allen voran die Deutsche Bank, die ihre Quartalszahlen am 30. Juli vorlegt. JP Morgan Chase ist nicht nur die größte, sondern auch die erste namhafte US-Bank, die ihre Geschäftszahlen präsentiert. In der kommenden Woche folgen andere Schwergewichte wie Goldman Sachs, Bank of America oder Citigroup.

Die Banken sehen sich einer Reihe von Problemen gegenüber: Zum einen gehen schärfere gesetzliche Vorgaben ins Geld, zum anderen ist es schwierig, bei den derzeit niedrigen Zinsen etwas an Krediten zu verdienen. Die Banken reagieren darauf mit Sparprogrammen. Alleine bei JPMorgan Chase sank die Zahl der Mitarbeiter binnen eines Jahres um 9400. Der Wall-Street-Riese beschäftigte Ende Juni noch 157.900 Leute.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Ist auch sonst nicht meine Art.

    Aber wem soll ich gratulieren bei einer solch perversen Manipulation.
    Es scheint, als wenn der Kollege super blauäugig ist. Möglicherweise eben aber nur dämlich.

    Und mein Vergleich mit dem Junkie trifft die Größenordnung zumindest ungefähr ....

  • Die Royal Bank of Scotland sieht das leicht anders mit ihrem Beispiel. Das sind schließlich keine Geschenke. Und natürlich kann man zumindestens innerhalb der peergroup Ergebnisse vergleichen, außerhalb wohl nicht, aber das Ergebnis ist realtiv stark, im Verhältnis zur direkten Konkurrenz.
    Ich finde es sehr schade, dass hier Foristen direkt als dumm dargestellt werden, nur weil sie eine andere Meinung haben. Ich finde es persönlich auch besser, wenn die Banken Gewinne einfahren und keine Probleme machen als wenn sie Verluste anhäufen und es Probleme gibt.

  • @ Mettwürstchen

    Dämlich wäre noch geprahlt.
    Anders ausgedrückt: Wenn ich 'nem Junkie täglich einen 40-Tonner mit Stoff zur Verfügung stelle, dann bleibt auch noch was übrig am Ende des Tages.

    Mal ein paar Zahlen gefällig, die das unterstreichen:

    ""Getting 391 Billion Bennybucks at 0 interest seems to really really helps......The list of institutions that received the most money from the Federal Reserve can be found on page 131 of the GAO Audit and are as follows..
    Citigroup: $2.5 trillion ($2,500,000,000,000)
    Morgan Stanley: $2.04 trillion ($2,040,000,000,000)
    Merrill Lynch: $1.949 trillion ($1,949,000,000,000)
    Bank of America: $1.344 trillion ($1,344,000,000,000)
    Barclays PLC (United Kingdom): $868 billion ($868,000,000,000)
    Bear Sterns: $853 billion ($853,000,000,000)
    Goldman Sachs: $814 billion ($814,000,000,000)
    Royal Bank of Scotland (UK): $541 billion ($541,000,000,000)
    JP Morgan Chase: $391 billion ($391,000,000,000)
    Deutsche Bank (Germany): $354 billion ($354,000,000,000)
    UBS (Switzerland): $287 b"

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