Jurist Abeln zum Commerzbank-Jobabbau
„Ich würde das Angebot nicht annehmen“

Die Commerzbank will Tausende Jobs streichen. Der auf Führungskräfte spezialisierte Anwalt Christoph Abeln sieht die Abbaupläne der Bank kritisch und ist überzeugt, dass Banker gute Chance haben, ihre Stelle zu behalten.
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FrankfurtManager sind seine Spezialität: Der Berliner Jurist Christoph Abeln vertritt Führungskräfte, die mit ihrem Arbeitgeber im Clinch liegen. Im Handelsblatt-Interview erklärt er, wieso er die Abbaupläne der Commerzbank kritisch sieht und warum Banker gute Chancen haben, ihren Job zu behalten.

Herr Abeln, die Commerzbank will sich von Tausenden Mitarbeitern trennen. Ein erstes Angebot, in Altersteilzeit zu gehen, haben bislang aber nur wenige Commerzbanker angenommen. Wieso?
Das überrascht mich nicht. Als Betroffener würde ich das Angebot der Bank auch nicht annehmen. Ich habe vielen meiner Mandanten davon abgeraten.

Das müssen Sie erklären.
Meinen Mandanten wurde beispielsweise nicht gesagt, welche Tätigkeit sie in der Altersteilzeit übernehmen sollen. Das ist eine Reise ins Nirvana! Zudem sollen sie in der Altersteilzeit auf ihren Bonus verzichten. Die Bank will auch keinen Beitrag zur betrieblichen Altersvorsorge mehr leisten. Wenn man das zusammenrechnet, drohen den Betroffenen empfindliche Einbußen.

Aber dafür bietet die Commerzbank hohe Prämien an. Wenn Mitarbeiter sich etwa im Vorfeld für die Altersteilzeit entscheiden, erhalten sie 30.000 Euro.
Auf den ersten Blick sieht das lukrativ aus, aber langfristig droht ein Verlustgeschäft. Alleine durch die verlorenen Boni entgehen Mitarbeitern in Führungspositionen schnell fünfstellige Summen, von der Altersvorsorge ganz zu schweigen. So gesehen grenzt das Angebot der Bank an eine Unverschämtheit.

Was wäre denn die Alternative?
Der Königsweg wäre eine Vorruhestandsregelung, die bietet die Bank meines Wissens nach aber nur in Einzelfällen an. Dabei zeigt etwa die Deutsche Bank, dass es deutlich besser geht. Sie bedient auch die Altersvorsorge weiter.

Schon jetzt dürfte der Stellenabbau die Commerzbank rund 810 Millionen Euro kosten. Und jetzt soll sie Mitarbeitern den Abschied noch mehr vergolden?
Es geht nicht um den goldenen Handschlag, sondern um geltendes Arbeitsrecht. Alle Banken kämpfen mit niedrigen Zinsen, hohen Regulierungskosten und der Digitalisierung. Darauf reagieren sie mit Personalabbau. Aber dass auch dieser Personalabbau viel Geld kostet, wird dabei oft verdrängt. Mich würde nicht wundern, wenn die Kosten für die Bank am Ende doch noch höher ausfallen.

Was würden Sie denn Commerzbank-Mitarbeitern raten, deren Job wegfallen soll?
Ich würde erst einmal einen Kassensturz machen und nachrechnen, welche Ansprüche ich erworben habe und welche möglichen Nachteile mir bei der Altersvorsorge drohen. Von einer verhältnismäßig hohen Abfindung sollte man sich nicht blenden lassen, zumal auf sie auch noch hohe Steuern fällig werden.

Können sich die Betroffenen nicht einfach einen neuen Job suchen?
Das ist ja das Problem. Bei solchen Kürzungsrunden spekulieren Banken häufig darauf, dass sich Mitarbeiter eine andere Stelle suchen werden. Diese Rechnung geht aber heute nicht mehr auf, weil alle Institute unter enormem Kostendruck stehen und Jobs abbauen. Für die betroffenen Mitarbeiter gibt es also kaum Alternativen.

Also lautet die Maxime: „Durchhalten“?
Vielen Mitarbeitern dürfte wenig anderes übrig bleiben, als um ihren Arbeitsplatz zu kämpfen. Je länger sie im Unternehmen sind, desto besser sind ihre Chancen, es auch zu bleiben. Für betriebsbedingte Kündigungen brauchen Unternehmen gute Gründe. Viele Leute wissen das nicht, aber der Kündigungsschutz gilt auch für Führungskräfte.

Kommentare zu " Jurist Abeln zum Commerzbank-Jobabbau: „Ich würde das Angebot nicht annehmen“"

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  • Als langjähriger (normaler) Mitarbeiter und Leistungsträger der Commerzbank fuehlt man sich bei dem vorliegenden Rahmeninteressensausgleich und Rahmensozialplan verschaukelt

  • Hartz 4 wird der Traum eines Jeden werden, der längst digitalisiert ist ohne es zu merken. Herr Ebert, sie haben die Sache erkannt.

  • Egal, was uniformierte Schreiberlinge über den Rückstand der BRD bei der Digitalisierung auch schreiben mögen. Tatsache ist, dass wir damit deutlich weiter sind, als machen in ihren schlimmsten Albträumen auch befürchten können.

    Und nach er Wahl wird dann wohl die nächste Welle kommen, wo man Büro-Experten an die Luft setzen wird. Bruder Computer holte gerade mit K.I massiv auf. Es werden schließlich nur die humanistischen Berufe bleiben und die, wo es um seelische Belange geht.

    Wohl dem, der sich darauf einstellt.

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