Kabul: Polizisten verprügeln Bankkunden

Kabul
Polizisten verprügeln Bankkunden

Mit Schlagstöcken ist die Polizei gegen wütende Kunden der Kabulbank in der afghanischen Hauptstadt vorgegangen, die Geld bei dem angeschlagenen Institut abheben wollten. Nur mit Mühe konnten die Sicherheitskräfte am Mittwoch 200 aufgebrachte Kunden vor einer Filiale der größten afghanischen Privatbank unter Kontrolle halten.
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HB KABUL. Eineinhalb Wochen vor den Parlamentswahlen wächst in Afghanistan die Sorge vor einer Bankenkrise. Wegen eines Korruptionsskandals bei der größten Privatbank Kabulbank versammelten sich am Mittwoch 200 aufgebrachte Kunden vor der einzig geöffneten Filiale in der afghanischen Hauptstadt. Kurz vor einer dreitägigen muslimischen Feiertagsruhe forderten sie ihr Geld zurück. Sicherheitskräfte konnten die wütende Menge nur mit Mühe unter Kontrolle halten und setzten Schlagstöcke ein.

Ausgelöst wurde die Krise durch die Kündigung zweier Top-Manager bei der Kabulbank, zu deren Kunden rund 250 000 Staatsbedienstete gehören. Die Manager sahen sich in Medienberichten Korruptionsvorwürfen ausgesetzt. Die Regierung begründete die Rücktritte dagegen mit neuen Vorgaben zur Bankenregulierung, die Anteilseignern Spitzenpositionen im Management verbieten. Zu den größeren Kabulbank-Aktionären gehört auch ein Bruder Karsais. Am Montag fror die afghanische Zentralbank dann die Vermögen mehrerer Anteilseigner und größerer Schuldner ein. Daher fürchten auch viele Sparer um ihre Einlagen.

Ein Sprecher von Präsident Hamid Karsai versicherte den Kabulbank-Kunden, ihre Ersparnisse seien sicher. Karsai rief sie auf, Ruhe zu bewahren. Die Zentralbank sei bereit, der Kabulbank Kredite zu gewähren, sollte dies erforderlich sein.

Die Kunden zeigten sich wenig beruhigt: „Wenn sie uns nicht zuhören, schlagen wir die Fenster der Kabulbank ein, wir werden alle Filialen plündern, selbst den Präsidentenpalast“, sagte einer der Bankkunden. Viele Afghanen halten die Regierung Karsai für korrupt. Die US-Regierung befürchtet, dass die Vorwürfe den aufständischen Taliban in die Hände spielen könnten. Die Korruption im Land ist auch ein wichtiges Thema im Vorfeld der am 18. September geplanten Parlamentswahl.

Kommentare zu " Kabul: Polizisten verprügeln Bankkunden"

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  • Das Schöne dabei ist, daß neben einem (Stief-?)bruder des Präsidenten Karsai - was letzterem genutzt haben mag - auch alle anderen "großen" Teilhaber der bank von derselben großzügige Darlehen zum Erwerb ihrer beteiligung am institut erhielten. Damit ist die Existenz des "perpetuum mobile" im Finanzwesen belegt. Darüber hinaus gab`s Kredite in hundertfacher Millionen-Dollarhöhe an diese Herrschaften, womit sie sich vornehmlich in der Sandkiste Dubai völlig überteuerte private Wohnimmobilien zulegten. Nun weiß man endlich, wer diesen Wahn (mit-)finanziert hat - bis zur aktuellen Pleite des ganzen Emirates. bleibt die Frage: woher kam das viele Geld, wer haftet dafür und wer zahlt am Ende? Na, kommen wir drauf...? Genau!

  • Da haben einige unserer muslimischen Freunde vielleicht begriffen, wer ihr Feind ist.

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