Kampf um alte Stärke
Bank of America gibt keine neuen Aktien aus

Konzernchef Moynihan steht extrem unter Druck und hat sich den wütenden Anlegern in einer Telefonkonferenz gestellt. Die größte Bank der USA wird durch Milliardenklagen in die Enge getrieben.
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New YorkDie angeschlagene Bank of America geht in die Offensive. Nach massiven Kursverlusten und starker Kritik von Investoren in den vergangenen Tagen stellte sich Bankchef Brian Moynihan am Mittwochabend den Fragen von mehr als 6000 wütenden Anlegern sowie von Analysten in einer Telefonkonferenz.

Moynihan schloss dabei die Ausgabe neuer Aktien zur Stärkung der Kapitalbasis aus. Allein diese Ankündigung gab einen Hinweis auf die begrenzten Mittel der Bank of America (BofA) im Ringen mit hohen Verlusten im Hypothekengeschäft und den gestiegenen Eigenkapitalanforderungen. Nach der Finanzkrise hatte die BofA viele neue Aktien auf den Markt geworfen. Derzeit beläuft sich die Summe der Umlauf befindlichen Papiere bei mehr als zehn Milliarden - im Vergleich zu 4,5 Milliarden Anteilsscheinen Mitte 2008.

Anleger nahmen die Aussagen Moynihans relativ gut auf. Die BofA-Aktie verringerte ihre Verluste von zuvor mehr als elf Prozent auf zunächst rund fünf Prozent. Kurz vor Handelsschluss weitete die Bank ihr Minus wieder aus. In den vergangenen Tagen waren die Papiere um etwa 24 Prozent eingebrochen.

Aktionäre haben zuletzt immer wieder mit Sorge auf die Kapitalausstattung des Geldhauses geschaut. Noch im Juni hatten Analysten geschätzt, das Institut müsse sein Kapital um 50 Milliarden Dollar aufstocken, um den neuen Anforderungen der Regulierer nachzukommen. Moynihan versicherte diesbezüglich zuletzt, die Bank könne die Bedingungen mit Hilfe der Quartalsüberschüsse erfüllen. Finanzchef Bruce Thompson sagte, BofA könne mit Hilfe von Verkäufen ihre Kapitalposition stärken. Einem Medienbericht zufolge einigte sich die Bank bereits darauf, ein Portfolio aus Privatkrediten für eine halbe Milliarde Dollar an Fannie Mae zu verkaufen.

Erst am Montag hatte Moynihan in einem Brief an seine Mitarbeiter versichert, das Institut werde alles tun, um die Hypotheken-Klagen hinter sich zu lassen. „Wir haben herausfordernde Zeiten in der Vergangenheit bestanden und werden dies auch jetzt tun.“

In einem Interview mit dem TV-Sender CNBC betonte Moynihan, er habe nicht vor, zurückzutreten. Zugleich versicherte er, dass die in der Finanzkrise übernommene
Merrill Lynch zum Kerngeschäft des Bankhauses gehöre. Ein Verkauf sei nicht geplant.

Die Bank of America befindet sich in schwerem Fahrwasser: Das US-Finanzinstitut wird im Zusammenhang mit dem Verkauf fauler Hypotheken von mehreren Firmen verklagt. Wegen Altlasten aus der Immobilienmarktkrise verzeichnete das Geldhaus im abgelaufenen Vierteljahr den größten Quartalsverlust in seiner Geschichte.

Zuletzt reichte sogar der teilverstaatlichte Versicherungskonzern AIG eine Milliardenklage wegen verlustreicher Hypothekengeschäfte ein. Mittlerweile werden die Rückstellungen für Rückkauf fauler Hypothekenkredite mit 18 Milliarden Dollar vier Mal so hoch angegeben als noch vor Monaten.

„Moynihan hat den Job nicht so gemacht, dass er viele Anhänger hat“, sagte Greg Donaldson von Donaldson Capital Management. „Wir kommen uns vor wie in einem Spiegelsaal. Immer wenn du denkst, du siehst die Realität, ist es nur das Bild von etwas anderem“, ergänzte er.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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