Kapitalausstattung: Banken wollen eigene Risiken selbst einschätzen

Kapitalausstattung
Banken wollen eigene Risiken selbst einschätzen

Der Bankenverband wehrt sich gegen ein verbindliches Standardmodell zur Risikoschätzung. Die Banken wollen ihre Risiken selbst berechnen und weigern sich noch mehr Karten auf den Tisch zu legen.
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FrankfurtDie privaten Banken in Deutschland wollen sich bei der Berechnung ihrer Risiken künftig nicht tiefer in die Karten schauen lassen. Der Bankenverband wehrt sich gegen eine verbindliche Anwendung einheitlicher Standardmodelle zur Ermittlung der Risikopositionen in den Büchern.

„Das würde nur zu Herdenverhalten führen und wäre damit eine Gefahr für die Finanzstabilität“, warnte Hauptgeschäftsführer Michael Kemmer am Dienstag. „Zudem sind Aufseher nicht die besseren Modellbauer.“ Bislang berechnen die meisten Institute ihre Risiken auf Basis - nicht öffentlicher - interner Modelle, die zum Teil gravierend voneinander abweichen. Das hat direkte Folgen für die Kapitalausstattung: Denn die Höhe des geforderten Eigenkapitals richtet sich nach der Höhe der Risiken in der Bilanz. Weniger Risiko heißt weniger Kapitalbedarf.

Beispiel Deutsche Bank : Die Bilanzrisiken des größten deutschen Geldhauses waren im vierten Quartal 2012 um 55 Milliarden Euro geschrumpft. Davon geht nach Angaben des Instituts knapp die Hälfte auf Änderungen an den internen Risikomodellen zurück. Bei einer Kapitalunterlegung von durchschnittlich zehn Prozent entspricht dies einer Entlastung auf der Eigenkapitalseite von rund 2,5 Milliarden Euro. Kritiker werfen dem Institut vor, sich die Risiken so schön zu rechnen, um auf der Kapitalseite besser auszusehen.

Die Regulierer sind alarmiert - spätestens seit eine Studie im Auftrag des Baseler Ausschusses für Bankenaufsicht erstaunliche Bandbreiten in den Risiko-Berechnungen zu Tage gefördert hat. Die Aufseher dringen auf Reformen. Neben der verbindlichen Anwendung von Standardmodellen ist bei einigen auch die Verschuldungsquote (Leverage Ratio) einer Bank als Kennziffer für die Risikobeurteilung im Gespräch.

Die deutsche Finanzaufsicht BaFin will an individuellen Modellen festhalten, da diese die jeweiligen Geschäftsmodelle der Institute am besten abbilden. Zudem entstehen so Anreize, das interne Risikomanagement zu verbessern, wie Präsidentin Elke König der Nachrichtenagentur Reuters neulich sagte. Sie fordert aber wie zahlreiche andere Aufseher weltweit Beschränkungen in der Auswahl, womit die Banken Kemmer zufolge leben können. In Deutschland brauchen Geldhäuser die Genehmigung der BaFin, wenn sie interne Risikomodelle anwenden statt des Standardansatzes, den die Aufseher vorgegeben haben. „Je nach Qualität und Erfahrungen mit den Modellen verhängt die BaFin Strafzuschläge, die die Banken bei der Risiko-Berechnung berücksichtigen müssen“, sagte Kemmer. Da gebe es in den einzelnen Ländern Unterschiede zwischen den Regulierern.

Der Bankenverband räumt ein, dass die höheren Eigenkapitalanforderungen durch die neuen Regeln Basel III den Anreiz für eine „Optimierung der Risikoberechnung“ erhöhen. „Die Attraktivität aufwändiger interner Modelle, die Risiken so exakt und so billig wie möglich berechnen, steigt“, betonte Kemmer. Die Transparenz für Dritte sei dabei nicht immer gegeben. „Da müssen die Banken mehr tun.“

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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