Kapitalerhöhung der Commerzbank
Staat raus, Anleger arm

Mit dem Geld aus der Kapitalerhöhung will die Commerzbank den Staat loswerden. Um Investoren dafür zu begeistern, ist jedoch ein heftiger Abschlag nötig. Was das für Anleger und die Bank bedeutet.
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DüsseldorfMartin Blessing hat diesen Tag lange herbeigesehnt. Endlich werde man wieder „eine ganz normale Bank“, frohlockte der Vorstandschef der Commerzbank schon vor Wochen. Damals hatte er die milliardenschwere Kapitalerhöhung angekündigt, die heute nach Börsenschluss über die Bühne gehen soll. Mit dem Geld, das er sich am Kapitalmarkt besorgt, will er den Staat loswerden. Damit bestimmt Blessing künftig wieder allein über die Geschicke der Bank. Doch der Preis dafür ist hoch - zahlen müssen ihn die Anteilseigner.

Der Staat gibt seine Stille Einlage in Höhe von 1,6 Milliarden Euro und damit seine Sperrminorität ab. Er bleibt dem Institut aber als Aktionär treu. Der Rettungsfonds Soffin tauscht das Geld, dass er für die Stille Einlage erhält, in Aktien. Nach der Kapitalerhöhung der Commerzbank wird der Soffin mit einem Anteil von mehr als einem Sechstel der Aktien größter Anteilseigner. Niemals geht man also so ganz.

Aus eigener Kraft hätte die Bank die Finanzkrise nicht überlebt. Blessing musste notgedrungen beim Staat um Hilfe bitten. Ein Makel, den der Commerzbanker so schnell wie möglich wieder loswerden wollte. „Ich gehe da nicht nochmal hin“, erklärte er einst. Dafür schröpfte er dann die Aktionäre. Die mussten in den vergangenen Jahren eine Kapitalerhöhung nach der anderen über sich ergehen lassen – und damit eine Verwässerung ihrer Anteile.

Der Aktienkurs fiel seit 2007 um 97 Prozent. Allein in diesem Jahr verlor die Aktie mehr als 30 Prozent. Das ist laut Bloomberg die schlechteste Entwicklung unter den 148 wichtigsten Banken der Welt.

Kapitalerhöhungen der Commerzbank
DatumVolumen (in Mio. Euro)Angebotspreis (in Euro)Abschlag (in Prozent)
28.06.20121631,277,1
06.06.20119.5782,1844,5
13.01.20116265,301,2
05.06.20091.1932,6048,2
08.09.20081.11217,007,3
Quelle: Thomson Reuters

Jetzt bittet die Commerzbank ihre Anteilseigner erneut um Geld. Die Bank will neue Aktien im Wert von 2,5 Milliarden Euro verkaufen – und damit ihr Kapital fast verdoppeln. Insgesamt wird sie 555,6 Millionen neue Aktien zu je 4,50 Euro an den Mann bringen. „Es wird eine Herausforderung sein, drastische Auswirkungen auf den Aktienkurs zu vermeiden“, sagte Christian Hamann, Bankenanalyst der Hamburger Sparkasse. „Es sieht nach einem großen Discount aus.“

Die Aktionäre können die neuen Aktien von Mittwoch an zeichnen, für je 21 alte Anteilsscheine gibt es 20 neue. Bis zum 28. Mai müssen sie entschieden haben, ob sie bei der Kapitalerhöhung mitmachen wollen oder nicht. Machen sie mit, müssen sie ihrer Bank mitteilen, dass sie ihr Bezugsrecht ausüben wollen. Entscheiden sie sich dagegen, können sie ihre Bezugsrechte an der Börse verkaufen. Die Bezugsrechte haben - vergleichbar mit einem Gutschein - einen Wert von 2,65 Euro.

Um die Anleger zu locken, muss Blessing einen Abschlag auf den aktuellen Börsenkurs bieten. Dieser fällt etwas höher aus als noch zuletzt erwartet. „Das könnte ein Zeichen für eine geringere Nachfrage sein, die einen höheren Abschlag erforderte“, schrieb Andreas Pläsier von MM Warburg.

Am Montag waren die Commerzbank-Papiere mit 9,94 Euro aus dem Handel gegangen, am Dienstag fielen sie um sechs Prozent auf 9,31 Euro. Der Preis der neuen Aktien dürfte sich - ohne Bezugsrecht - nach dem Start der Kapitalerhöhung bei mehr als sieben Euro einpendeln.

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  • Banken haben nichts begriffen. Die handelnden Personen in den Banken aber schon. Dass sie sich selbst absichern, bei ihren Aktionen auf jeden Fall Profit zu haben: vor dem Zock die Provision, wenn der Zock funktioniert, die Beteiligung, und wenn er in die Hose geht, dann eine vorher vereinbarte Abfindung. Auf keinen Fall eine Haftung. Diese Spielregeln haben sich die Zocker selber geben können, und wir alle haben dabei weggesehen.

  • eine Etage tiefer agieren die Sparkassen etc. Dazwischen gibbet keine Sparte. Aber wissen Sie wer der größte Kunde der Sparkasse Walldorf ist? SAP und diese Sparkasse hat als Existenzgründer der SAP gewirkt. Keine Bank AG wollte das Risiko tragen. Bis auf diese kleine Dorfsparkasse. Auch ohne international aktiv zu sein - es reicht der richtig gute Riecher. Auch ganz unten und viel kleiner als alle unsere Banken.
    Mitleid mit den KleinZockern, die jetzt ihr Geld verlieren habe ich nicht. Dieses Risiko ist allen die an der Börse spekulieren bekannt. Die Steuerverluste verdanken wir Merkel. Und die haben die Steuerzahler gewählt. Selber schuld, wenn man einer roten Socke das Vertrauen schenkt

  • Aus ökonomischer Sicht dürfte die CoBa eigentlich überhaupt nicht mehr existieren. Sie hätte längst einem ordentlichen Insovenzverfahren abgewickelt sein müssen.

    Da aber etliche Politiker aus Unwissenheit und Ideologiewahn sich unbedingt als Retter aufspielen mußten, siecht dieser Bankzombie weiter vor sich hin.

    Steuergelder wurden regelrecht verbraten, Aktionäre massiv geschädigt, Ertragslage und Kapitalsituation sind absolut unbefriedigend und bleiben es auf absehbare wohl auch. Und Blessing macht weiter so ...

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