Kapitalerhöhungen US-Finanzinstitute rüsten für die Rückzahlung

Wenn Banken in diesen Zeiten Kapitalbedarf anmelden, schaut die Börse immer ganz genau hin. Und wenn dann auch noch zwei große Institute gleichzeitig bekannt geben, Kapitalerhöhungen vornehmen zu müssen, umso mehr. Kein Wunder also, dass JP Morgan und American Express die Kurse von Banktiteln in aller Welt purzeln lassen.
JP Morgan und American Express müssen Kapitalerhöhungen vornehmen. Quelle: Reuters

JP Morgan und American Express müssen Kapitalerhöhungen vornehmen.

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hgn/HB NEW YORK/FRANKFURT. Die US-Finanzkonzerne JP Morgan, Morgan Stanley und Amercian Express (Amex) wollen fast acht Mrd. Dollar einsammeln und so möglichst schnell die im Herbst erhaltenen Staatshilfen zurückzahlen. Auch Goldman Sachs hat bereits erklärt, sich zügig wieder aus der Umklammerung des US-Steuerzahlers befreien zu wollen. Kommende Woche will die Regierung Obama bekannt geben, welche der in sogenannten „Stress-Tests“ auf ihre Kapitalausstattung hin untersuchten 19 größten Banken des Landes die Hilfen zurückzahlen dürfen. Zehn von ihnen kommen allerdings ohnehin nicht in Frage – bei ihnen war vor einigen Wochen zusätzlicher Kapitalbedarf festgestellt worden.

In Deutschland sorgten die Ankündigungen der US-Institute für Kursverluste bei Bankentiteln. „Den Anlegern wird in Erinnerung gerufen, dass auf dem erholten Kursniveau Kapitalerhöhungen immer attraktiver werden“, begründete ein Börsianer die Kursverluste. „Deutsche Banken könnten auf die gleiche Idee kommen.“ Wegen der Angst vor einer Verwässerung bestehender Aktien verloren die Papiere der Commerzbank in der Spitze gut zwei Prozent, die der Deutschen Bank sogar 3,3 Prozent.

Im Oktober, wenige Wochen nach der Pleite von Lehman Brothers, hatte der damalige US-Finanzminister Henry Paulson neun Großbanken in einem Überraschungscoup dazu genötigt, staatliche Eigenkapitalspritzen in Milliardenhöhe in Anspruch zu nehmen. Damit konnten zwar die Märkte stabilisiert werden. Einige der Banken sehen sich nun aber benachteiligt und argumentieren, Investoren zweifelten an ihrer Kapitalstärke. Hinzu kommt, dass die US-Regierung etwa bei Dividenden mitbestimmt und Gehälter deckelt.

JP Morgan will über die Ausgabe neuer Anteilsscheine fünf Mrd. Dollar Eigenkapital einsammeln. Insgesamt sollen 142 Mio. Aktien platziert werden, der Ausgabepreis liegt mit 35,25 Dollar je Anteilsschein nahe am aktuellen Kurs. Damit werde die Voraussetzung geschaffen, noch im Juni die vom Staat erhaltenen 25 Mrd. Dollar an Hilfen zurückzuzahlen, hieß es. Bankchef Jamie Dimon hatte sich mehrfach kritisch zu der staatlichen Eigenkapitalspritze geäußert und sogar von einer Stigmatisierung gesprochen.

Morgan Stanley kündigte an, 2,2 Mrd. Dollar am Markt einsammeln zu wollen. Der größte US-Kreditkartenanbieter American Express gibt sich mit maximal 575 Mio. Dollar etwas bescheidener. Beide Konzerne wollen ebenfalls die erhaltenen Mittel von zehn beziehungsweise 3,4 Mrd. Dollar zügig ablösen.

Der Rivale Goldman Sachs hatte bereits im April 5,75 Mrd. Dollar über eine Kapitalerhöhung eingenommen. Zudem verkaufte die US-Investmentbank gestern einen Teil ihrer Beteiligung an der chinesischen Großbank Industrial & Commercial Bank of China (ICBC). Die Amerikaner erlösten so gut 1,9 Mrd. Dollar.

US-Finanzminister Timothy Geithner äußerte sich optimistisch. „Ich denke, wir werden relativ schnell beträchtliche TARP-Rückzahlungen von einigen Instituten sehen“, sagte Geithner dem TV-Sender CNBC. So könnten sich die Banken überraschend viel Geld von privaten Investoren leihen. Auch komme der Verkauf von toxischen Wertpapieren in Gang. In der Folge werde womöglich das Interesse der Institute an staatlichen Lösungen für die Bereinigung ihrer Bilanzen nachlassen.

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