Kapitalspritze für Großbank
EZB kämpft gegen das Pleitephantom

Die EZB stattet eine Bank in der Eurozone mit zusätzlichen Dollars aus - 500 Millionen fließen an ein unbekanntes Geldhaus. Ein Anzeichen dafür, dass die Banken in der Eurozone kaum noch an US-Geld kommen.
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Düsseldorf/FrankfurtDollar-Klemme im Euroraum: Die Europäische Zentralbank (EZB) wird eine Bank in der Eurozone mit US-Dollar für eine Woche refinanzieren. Bei ihrem regulären Sieben-Tages-Tender wurden insgesamt 500 Millionen US-Dollar zu einem festen Zinssatz von 1,07 Prozent zugeteilt, teilte die EZB am Mittwoch in Frankfurt mit. Das Geschäft beginnt am Donnerstag. Schon in der vergangenen Woche hatten sich zwei Banken mit 575 Millionen Dollar über die EZB refinanziert.

Die Nachfrage ist ein Anzeichen dafür, dass Banken der Eurozone Probleme haben, sich Geld bei US-Banken zu leihen. Es wird jedoch nicht veröffentlicht, welche Banken Geld nachgefragt haben. Europäische Banken benötigen Dollar, um ihre eigenen Kredite in den USA zu finanzieren und Kredite an Kunden zu vergeben, die in Dollar ihre Geschäfte tätigen. Mittlerweile bietet die EZB auch Geschäfte mit einer Laufzeit von drei Monaten an. Die EZB hat mit der US-Notenbank ein entsprechendes Swap-Abkommen abgeschlossen. Die Nachricht über den Millionen-Tender der EZB entfacht nun Spekulationen darüber, an welche Bank das Geld fließt.

Liquiditätsprobleme für Frankreichs Banken

Wegen der Schuldenkrise in Europa leiden derzeit vor allem französische und griechische Banken. Auch die Schweizer Großbank UBS befindet sich nach dem milliardenschweren Handelsskandal in der Klemme. Die Institute geraten zunehmend unter Druck und auch die Privatwirtschaft verliert immer mehr das Vertrauen - so soll Siemens vor rund zwei Wochen mehr als 500 Millionen Euro an Barmitteln von der französischen Großbank Societe Generale abgehoben haben. Das Geld soll demnach nun bei der der Europäischen Zentralbank (EZB) liegen.

Die Finanzmärkte beobachten derzeit jede Äußerung zur Stabilität von Frankreichs Banken mit Argusaugen. Die drei großen Finanzkonzerne des Landes, zu denen auch BNP Paribas zählt, werden kritisch gesehen, weil sie stark in Griechenland und anderen europäischen Schuldenstaaten engagiert sind. Zweifel an der Zahlungsfähigkeit der Länder haben in den vergangenen Wochen dazu geführt, dass Frankreichs Banken nur erschwert Zugang zu kurzfristigem Geld hatten.

Keine Probleme bei deutschen Banken

Keine Schwierigkeiten, an frisches Geld zu kommen, haben derzeit die deutschen Geldhäuser. Laut Commerzbank-Chef Martin Blessing profitieren die Institute davon, dass Deutschland angesichts der Schuldenkrise in anderen Euro-Ländern als sicherer Hafen gilt. „Anders als nach der Lehman-Pleite im September 2008, als die gesamte Branche in Sippenhaft genommen wurde, wird derzeit stark nach Herkunftsland differenziert“, so Blessing. Gut ausgestattet scheint auch das größte deutsche Geldhaus, die Deutsche Bank zu sein. Das Institut fühlt sich für eine Krise gewappnet und sieht keinen Bedarf einer weiteren Kapitalerhöhung. „Wir fühlen uns mit unserer Kapitalausstattung wohl“, sagte Finanzchef Stefan Krause am Mittwoch auf einer Konferenz in Frankfurt. Er gehe davon aus, dass das größte deutsche Geldhaus das Ziel einer harten Kernkapitalquote von mehr als acht Prozent Anfang 2013 erreichen werde. Damit würde das Institut die Vorgaben des neuen Regelwerks Basel III bereits sechs Jahre früher einhalten als vorgesehen.

Situation auf dem Interbankenmarkt ist grauenhaft

Angesichts des wachsenden Misstrauens auf beiden Seiten des Atlantiks und der Verwerfungen an den Aktienmärkten leihen sich Banken derzeit untereinander immer weniger Geld. Die Situation am Interbankenmarkt sei „grauenhaft“, sagte ein Disponent vergangene Woche. Die Banken deponieren ihr überschüssiges Geld lieber bei der sicheren Zentralbank, statt es zu besseren Zinssätzen untereinander zu verleihen.

Beim Ausbruch der Finanzkrise im Herbst 2008 nach der Pleite der Investmentbank Lehman Brothers war der Interbankenverkehr nahezu zum Erliegen gekommen. Damals lagen zeitweise 200 Milliarden Euro im EZB-Depot.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
Carina Kontio ist Redakteurin im Ressort Unternehmen & Märkte.
Carina Kontio
Handelsblatt / Redakteurin Unternehmen

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  • Die kommenen Quartalszahlen werden zeigen,ob das Ausmaß der Panik und der Kursstrürze berechtigt war.

  • Ich habe die Banken(Coba,DBK,BNP,SocGen) per email mehrmals gewarnt,sich nicht auf den von der Politik geforderten Haircut(21 Prozent) mit Griechenland einzulassen,da dies zu Kursen und Stimmungen an den Märkten wie nach der "Lehman"-Pleite führen würde.Genau so ist es gekommen.Sie waren ja alle so schlau.Sie kennen eben nicht die Macht der Börsen,obwoghl sie in dem Metier arbeiten.Ein wahres Armutszeugnis der Banken und schlecht für deren Aktionäre!

  • Na, das ist wohl schon mal ein kleiner Vorgeschmack auf den baldig durchgewunkenen ESM. Dann wird man vermutlich auch nicht erfahren, welcher Staat oder welche Bank mit welchen Summen vom europäischen Steuerzahler beglückt wird, da der ominöse Gouverneursrat vor nichts und niemandem rechenschafts- geschweige denn regresspflichtig sein wird.

    Hier ein recht guter Überblick über dieses "Teufelswerk":
    http://www.youtube.com/watch?v=Vn1TUEMlWyc

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