Kapitalspritze: Österreichische ÖVAG wird teilverstaatlicht

Kapitalspritze
Österreichische ÖVAG wird teilverstaatlicht

Österreich pumpt 250 Millionen Euro in die angeschlagene ÖVAG. Neben der Kapitalspritze muss der Staat auf bis zu 700 Millionen Euro seiner bereits geleisteten Hilfen über insgesamt eine Milliarde Euro verzichten.
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WienDie angeschlagene Österreichische Volksbanken AG (ÖVAG) wird teilverstaatlicht. Österreich pumpt im Zuge einer Kapitalerhöhung 250 Millionen Euro in das kriselnde genossenschaftliche Spitzeninstitut, wie die Bank am Montagabend mitteilte. Nach dem Umbau hält Österreich Kreisen zufolge mehr als 40 Prozent der ÖVAG-Anteile.

Den österreichischen Steuerzahler kommt der Schritt teuer zu stehen. Neben der Kapitalspritze muss der Staat auf bis zu 700 Millionen Euro seiner bereits geleisteten Hilfen über insgesamt eine Milliarde Euro verzichten. Aber auch die übrigen österreichischen Banken werden zur Kasse gebeten. Der Bund will die ihm entstehenden Kosten „über einen Beitrag des Bankensektors gegenfinanzieren“, hieß es in einer Mitteilung des Finanzministeriums. Geplant sei, die Bankenabgabe bis 2017 um ein Viertel zu erhöhen, berichtete die Nachrichtenagentur APA unter Berufung auf Finanzsstaatssekretär Andreas Schieder.

Die ÖVAG ist seit langem das Sorgenkind unter den österreichischen Banken. Sie war durch den letzten Stresstest gerasselt und kommt mit ihrer Sanierung nur sehr langsam voran.

Bereits in der vergangenen Finanzkrise hatte sie neben Staatskapital über eine Milliarde Euro Garantien über drei Milliarden Euro erhalten - von denen sie eine Garantie über eine Milliarde Euro bereits wieder zurückgegeben hat. Nun erhält sie weitere Staatsbürgschaften über 100 Millionen Euro.

Finanzministerin Maria Fekter hatte sich lange gegen eine direkte Beteiligung des Staats an der ÖVAG gewehrt. Dem Schritt waren langwierige Verhandlungen mit allen ÖVAG-Eigentümern und den österreichischen Bankenaufsehern sowie dem Finanzministerium vorangegangen. Am Montag hatten auch die regionalen Volksbanken als Mehrheitseigentümer der ÖVAG dem Plan zugestimmt. Sie pumpen im Zuge der Kapitalerhöhung 230 Millionen in ihr Spitzeninstitut und bleiben damit Mehrheitseigentümer.

Die Anteile der übrigen Eigentümer - die deutsche DZ Bank (23,4 Prozent), die Ergo Versicherung (9,4 Prozent) und die Raiffeisen Zentralbank (5,7 Prozent) - schrumpfen deutlich. Grund ist ein Kapitalschnitt von bis zu 70 Prozent. Die beiden deutschen Institute hätten sich darüber hinaus verpflichtet, der ÖVAG keine Liquidität zu entziehen, um die Refinanzierung der kriselnden Tochter in Rumänien und des Leasing-Geschäfts sicherzustellen, teilte die ÖVAG weiter mit.

Die Raiffeisen Zentralbank habe zugesichert, der ÖVAG bis Ende August über „geeignete Maßnahmen“ 100 Millionen Euro an Kapital und 500 Millionen Euro an Liquidität zur Verfügung zu stellen. Die ÖVAG will ihren rund fünfprozentigen Anteil an der RZB an deren Mehrheitseigentümer verkaufen - stieß dabei bislang allerdings auf taube Ohren.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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