Kartellamt gegen Höchstgrenze Geldabheben darf weiter teuer bleiben

Das Bundeskartellamt hat sich gegen eine Obergrenze bei Abhebegebühren an Geldautomaten entschieden. Nur wenn einzelne Institute bei den Gebühren über die Stränge schlagen, droht ihnen die Behörde mit einem Verfahren.
3 Kommentare
Wer bei der falschen Bank Geld abhebt, muss häufig hohe Gebühren dafür berappen. Quelle: dpa
Teures Vergnügen am Geldautomat

Wer bei der falschen Bank Geld abhebt, muss häufig hohe Gebühren dafür berappen.

(Foto: dpa)

FrankfurtFür Verbraucher ist es ein Ärgernis: Wer mit seiner „Girocard“ Geld an den Automaten fremder Banken abheben will, muss teils üppige Gebühren zahlen. Das Bundeskartellamt hat die Praxis der deutschen Kreditinstitute und Sparkassen unter die Lupe genommen – und die Untersuchung nun ergebnislos eingestellt. „Für die meisten Verbraucher ist es heute möglich, hohe Gebühren beim Geldabheben zu vermeiden“, erklärte der Präsident der Behörde, Andreas Mundt.

Er verwies darauf, dass Kunden nicht nur die Geldautomaten der eigenen Bank nutzen können, sondern dass viele Banken auch Teil eines Geldautomaten-Verbundes sind, der es Kunden erlaubt, auch bei Partnerbanken kostenlos Geld abzuheben. Auch durch die Abhebemöglichkeiten in Supermärkten oder bei Tankstellen hat sich aus seiner Sicht die Abhängigkeit der Kunden von Geldautomaten fremder Banken reduziert.

Anlass der Untersuchung waren die teils exorbitanten Gebühren gewesen, die sich Banken vor einigen Jahren noch untereinander in Rechnung stellten, wenn Kunden fremde Automaten nutzen – ohne dass Kunden davon wussten. Daraufhin stellten die Kreditinstitute die Praxis um und weisen seither aus, wie viel der Service kostet. Zunächst zeigten zumindest die Privatbanken guten Willen und erlegten sich selbst eine Obergrenze von 1,95 Euro auf. Sparkassen und Volksbanken haben sich daran nie gehalten. „Seitdem scheren immer mehr private Banken aus und bitten fremde Kunden wieder stärker zur Kasse“, heißt es in einer Analyse der Stiftung Warentest von November.

Heute verlangen Banken von fremden Kunden fürs Geldabheben überwiegend zwischen drei und fünf Euro, heißt es im ausführlicheren Fallbericht des Bundeskartellamts. „Bei der Nutzung von Geldautomaten spezialisierter Anbieter werden je nach Standort des Geldautomaten teilweise auch deutlich höhere Entgelte verlangt“, so der Fallbericht.

Der mobile Geldassistent im Wandel der Zeit
Bei zehn Pfund war Schluss
1 von 8

Der Vize-Chairman der Barclays Bank, Sir Thomas Bland, startet am 27. Juni 1967 ein neues Zeitalter für den Zahlungsverkehr: Die Kunden der Bank können den weltweit ersten Geldautomaten nutzen. Zur Identifikation war keine Magnetkarte notwendig, sondern ein Scheck, dessen Identifikationsnummer mit radioaktivem C 14 imprägniert war und der dann vom Automaten einbehalten wurde. Ausgezahlt wurden maximal zehn Pfund.

Eine schottische Erfindung
2 von 8

Erfinder war der Schotte John Shepherd-Barron, ein Manager der Firma De La Rue Instruments, die damals auch Banknoten druckte. Auslöser für die Idee war ein Erlebnis, bei dem ihm am Samstag die Tür der Bankfiliale vor der Nase zugemacht wurde und er am Wochenende kein Geld hatte. Ursprünglich wollte Shepherd-Barron sechsstellige Identifikationsnummern verwenden: Da das seiner Frau jedoch zu viel war (sie sagte ihm, sie könne nur vierstellige Zahlen im Gedächtnis behalten), verwendete er vierstellige. Die PIN-Tastatur selbst wurde von dem Schotten James Goodfellow erfunden (und 1966 patentiert), der um 1965 gleichzeitig mit Shepherd-Barron einen Geldautomaten erfand, der allerdings später aufgestellt wurde.

Warten auf den Durchbruch
3 von 8

Der US-Konzern NCR brachte 1977 mit dem Modell NCR 770 den ersten wirtschaftlich erfolgreichen Geldautomaten auf den Markt. Viele Kunden standen der neuen Technik lange misstrauisch gegenüber. Zudem standen anfangs viele Automaten noch in den Filialen. Waren diese geschlossen, konnten die Kunden auch über die Automaten nicht an Bargeld kommen. Der Durchbruch zum milliardenfachen Einsatz der Automaten kam erst mit der Einführung des Magnetstreifens auf den EC- oder Kreditkarten.

Die Maschine ist allgegenwärtig
4 von 8

Anlässlich des 50. Geburtstags hat Marktführer NCR eine neue Automatenserie herausgebracht, die sich wie ein Tablet bedienen lässt, mit mobilen und interaktiven Diensten. Der Automat übernimmt immer mehr Funktionen des herkömmlichen Bankgeschäftes – und revolutioniert damit das Geldgewerbe. Die Mitarbeiter konzentrieren sich auf Kundengespräche, normale Bankgeschäfte dagegen wie die Kreditvergabe, Kundenanfragen oder Geldtransaktionen werden automatisiert. Displays und Ansprachen können je nach Kunde variieren.

Analyse aus vorherigen Abholungen
5 von 8

Nähert sich der Kunde der Maschine, bekommt diese über Bluetooth oder Nearfield-Communication (NFC) auf dem Smartphone einen kurzen Hinweis, wer dieser Mensch überhaupt ist. Ein 60-Jähriger findet dann einen seriös gestalteten Bildschirm vor, ein 16-Jähriget einen im Comic-Format und die direkte Ansprache: „Willst Du Geld?“ Auch wie viel es diesmal sein soll, weiß der Automat schon aus der Analyse der vorherigen Abhebungen – und macht einen entsprechenden Vorschlag. Der Siegeszug scheint unaufhaltsam: Weltweit gibt es rund 3,5 Millionen solcher Geldautomaten, im Jahr 2021 sollen es schon vier Millionen sein. Vor zehn Jahren waren es erst 1,75 Millionen Systeme weltweit. Die beiden größten Hersteller sind der US-Hersteller NCR und die vor einem Jahr fusionierte Diebold Nixdorf.

Kuriositäten – Bargeld bei Eis und Schnee
6 von 8

Der südlichste Geldautomat steht in der McMurdo Forschungsstation in der Antarktis, wo Wells Fargo eine kleine Bankfiliale betreibt. Dort stehen zwei Geräte von NCR, wobei ein Automat als „Backup“ dient, falls der andere ausfällt. NCR übernimmt die Wartung der Geräte, die zweimal im Jahr erfolgt.

Bargeld bei Eis und Schnee
7 von 8

In der Schweiz gibt es Automaten mit PIN-Heizung.

Einen kompletten Freibrief für Preisexzesse will das Bundeskartellamt den Banken aber dann doch nicht geben. Die Behörde werden den Markt weiter beobachten. „Dabei behalten wir uns vor, in Einzelfällen, bei besonders hohen Fremdabhebegebühren an Geldautomaten, für die es weit und breit keine Alternative gibt, Preismissbrauchsverfahren einzuleiten“, warnt Mundt die Branche.

Eine generelle Obergrenze hält seine Behörde dennoch „weder für erforderlich noch für zielführend“. Die Gründe dafür werden im Fallbericht aufgelistet. Zum einen könnte eine pauschale Höchstgebühr nicht nach den unterschiedlichen Kosten differenzieren, die für den Betrieb für Geldautomaten anfällt. Das Kartellamt sieht außerdem das Risiko, dass Höchstgrenzen „Anreize für Investitionen in die Geldautomateninfrastruktur schwächt“.

Die Versorgung mit Bargeld sei für den Verbraucher schon heute mitunter schwierig, „weil immer mehr Bankfilialen, Servicecenter und Geldautomaten geschlossen beziehungsweise abgebaut werden“, so die Behörde. Dieser Befund im Fallbericht widerspricht der offiziellen Aussage Mundts, dass die meisten Verbraucher heutzutage Fremdabhebungen leicht vermeiden können.

Die Motive der Banken für ihre Gebührenpolitik dürften allerdings nicht alleine die Kosten für den Betrieb der Geldautomaten sein. Die Bargeldversorgung ist ein wichtiger Service für Bankkunden. Gerade für Filialbanken mit ihrem breiten Netz an Zweigstellen und Geldautomaten ist die Versuchung groß, den Kunden von Online-Konkurrenten unter die Nase zu reiben, dass es schwierig ist, beides zu haben: ein günstiges Konto und einen breiten Gratiszugang zu Bargeld.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Startseite

Mehr zu: Kartellamt gegen Höchstgrenze - Geldabheben darf weiter teuer bleiben

3 Kommentare zu "Kartellamt gegen Höchstgrenze: Geldabheben darf weiter teuer bleiben"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • @ Jo Black15.09.2017, 17:54 Uhr

    es geht um Gebühren an fremden Automaten. Jeder kann ja an einem Automaten abheben, an dem es nichts oder weniger kostet. Die Aussage mit der "Produktion" wird auch nicht richtiger, wenn sie oft genug wiederholt wird. Die Geldschöpfung der Banken ist, auch hier, oft genug ausführlich dargestellt worden. Die einzige Bank, die Geld ohne wenn und aber produzieren kann, ist die EZB (im Euroraum). Sie tut es ausgiebig.

  • Wer "sein" von den Banken produzierte (Luft-)Geld abhebt, schadet halt dem Geldkreislaufsystem und muss deshalb mittels Gebühren bestraft werden. Da kennen die Produzenten keine Freunde.

  • Gebühren = Negativzins !

    Eine geschickte Methode den Negativzins auf die kleinen Bürger abzuwälzen. Den Negativzins haben wir, weil zuviel Schulden und gleichzeitig Vermögen im Geldsystem bestehen. Mit der Methode werden aktuell die Vermögenden Menschen vor Enteignung geschützt und das Problem auf den kleinen Mann umgewälzt. SEHR UNGERECHT!

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%