Karten-Konzern unter Druck: Marke Visa leidet unter Automatenstreit

Karten-Konzern unter Druck
Marke Visa leidet unter Automatenstreit

Sparkassen und Direktbanken streiten heftig darüber, wessen Kunden an welchen Automaten Bargeld abheben dürfen. Darunter könnte der Ruf von Marken wie Visa leiden. Das Unternehmen hofft auf einen Kompromiss - doch eine schnelle Einigung ist noch nicht in Sicht.

FRANKFURT. Im Streit zwischen den Direktbanken und den Sparkassen um Bargeldabhebungen an Geldautomaten sieht sich die Karten-Gesellschaft Visa Europe in der Zwickmühle. "Wir sitzen zwischen allen Stühlen", sagte Deutschland-Chef Ottmar Bloching gestern in Frankfurt. Man sei von der Heftigkeit der Auseinandersetzung überrascht worden und hoffe auf eine Einigung. "Die Marke Visa darf keinen Schaden nehmen, deshalb wollen wir die streitenden Parteien an einen Tisch bekommen und eine Lösung finden", ergänzte Bloching. In Branchenkreisen hieß es, man setze darauf, noch im ersten Quartal 2009 einen Kompromiss zu finden.

Seit Monaten tobt eine gerichtliche Auseinandersetzung zwischen Sparkassen und Direktbanken wie der ING Diba um Geldabhebungen mit Visa-Karten an den Automaten der öffentlich-rechtlichen Institute. Einige Sparkassen hatten ihre Automaten für die Visa-Karten der Direktbanken gesperrt. Dabei wurde argumentiert, die Gebühren seien zu niedrig, außerdem wollten die Online-Banken ihr Problem eines fehlenden eigenen Automatennetzes zulasten der Sparkassen lösen. Eine Sprecherin des Sparkassenverbands DSGV sagte, man sei grundsätzlich für Gespräche offen.

Insgesamt zeigt sich Visa Europe zuversichtlich, trotz der Finanzkrise in der Nutzung des bargeldlosen Bezahlens weiter voranzukommen. "Wir erwarten auch 2009 Wachstum, wenngleich die Rate etwas niedriger als im vergangenen Jahr ausfallen dürfte", sagte President und CEO Peter Ayliffe. Im Geschäftsjahr 2008 nahmen die Ausgaben und Bargeldabhebungen der Karteninhaber von Visa Europe um 9,4 Prozent auf 1,39 Bill. Euro zu, der durchschnittliche Transaktionswert sank um 0,6 Prozent auf 56 Euro. Das lässt sich damit erklären, dass zunehmend kleinere Einkäufe mit Plastikgeld bezahlt werden. In Zukunft soll auch an den Kassen des Einzelhandels Bargeld ausgegeben werden, außerdem sind kontaktloses Zahlen über Lesegeräte und Handys auf dem Vormarsch.

Die Sicherheit bleibt weiter ein zentrales Thema für die Kredikartenanbieter. Bei Visa biete man mit dem Produkt "V Pay" einen "höchsten Sicherheitsstandard" durch die Kombination aus Chips und PIN. Allerdings wurde erst gestern wieder ein großer Fall von Datenklau bei einem der größten Dienstleister für Kreditkartenzahlungen in den USA publik. Hacker verschafften sich Zugang zu den Datenbanken von Heartland Payment Systems, das jeden Monat rund 100 Mio. Zahlungen abwickelt. Den Eindringlingen gelang es, sich Kartennummern, Namen und Daten über die Gültigkeitsdauer zu verschaffen.

Heartland Payment Systems war nach eigenen Angaben von den weltweit führenden Kreditkartenkonzernen Visa und Mastercard auf ungewöhnliche Zahlungsvorgänge aufmerksam gemacht worden.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%