Kaum Gewinnausschüttungen
Sparkassen behalten Millionen lieber auf der hohen Kante

Nur einen winzigen Teil ihres Gewinns zahlen die Sparkassen an Kreise und Städte aus. Die Sparkassen begründen das mit den niedrigeren Zinsen und steigenden Regulierungskosten. Ein Experte vermutet andere Gründe.

BerlinDie Kommunen im Norden Deutschlands bekommen von ihren örtlichen Sparkassen einem Bericht zufolge nur einen winzigen Teil der erwirtschafteten Gewinne ausgeschüttet. Statt ihren Trägern das Geld zu überweisen, horteten die öffentlich-rechtlichen Sparkassen die Profite lieber als Sicherheitsrücklage für strengere Eigenkapitalquoten, berichtete das NDR-Magazin „Panorama 3“ am Montag. Im Schnitt nur 2,18 Prozent der vorsteuerlichen Gewinne landeten demnach im Jahr 2014 bei den norddeutschen Städten und Kreisen.

Die Sparkassen begründen die geringen Quoten dem NDR zufolge mit wachsenden Belastungen durch die niedrigen Zinsen und höhere Kosten durch strengere Regulierung. Ein Sprecher des niedersächsischen Sparkassenverbandes sagte dem NDR, die Sparkassen bräuchten in „ausreichendem Maße selbst erwirtschaftetes Eigenkapital“ zur Erfüllung ihrer Aufgaben. Eine Sprecherin des auch Mecklenburg-Vorpommern einschließenden ostdeutschen Sparkassenverbands verwies auf Sponsoringaktionen und Spenden, die die Banken stattdessen leisteten.

Ab 2019 müssen die Sparkassen laut Gesetz 10,5 Prozent ihrer Bilanzsumme durch eigenes Kapital decken. Diesen Wert hätten allerdings fast alle norddeutschen Kassen mit kommunalem Träger schon 2014 erreicht, berichtete „Panorama 3“. Einige Sparkassen haben die Quote laut dem Magazin sogar längst deutlich übertroffen.

Spitzenreiter ist demnach mit 35,3 Prozent Eigenkapitalanteil die Sparkasse Uecker-Randow. An ihren Träger, den Landkreis Vorpommern-Greifswald, habe sie zuletzt keinen einzigen Euro ausgeschüttet. In Schleswig-Holstein hätten 2014 gerade einmal zwei von zehn Instituten ihren Trägern Geld überwiesen – gemessen am vorsteuerlichen Gewinn habe sich deren Ausschüttungsquote auf 0,56 Prozent belaufen.

Der Ökonom Ralf Jasny nannte dem Magazin einen weiteren möglichen Grund für die Zurückhaltung der Sparkassen: Da die Vorstandsgehälter an das Eigenkapital der Bank gekoppelt seien, hätten die Bankchefs bei höheren Ausschüttungen „eine kleinere oder geringere Argumentation, ihre Gehälter so hoch zu halten“.

afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur
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