Keine Zeugenaussage: Ehemaliger Chef der Hypo Alpe Adria versetzt das Gericht

Keine Zeugenaussage
Ehemaliger Chef der Hypo Alpe Adria versetzt das Gericht

Er gilt als Schlüsselfigur im Skandal um den Verkauf der Hypo Alpe Adria an die BayernLB. Doch bei seiner Zeugenaussage vor dem Landgericht München fehlt der Ex-HGAA-Chef Berlin. Aus gutem Grund, sagen seine Anwälte.
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MünchenEiner der wichtigsten Zeugen im Prozess gegen ehemalige Vorstände der BayernLB hat die Münchner Richter versetzt und damit für Ärger gesorgt. Der ehemalige Chef der österreichischen Krisenbank Hypo Alpe Adria (HGAA), Tilo Berlin, erschien am Montag nicht zu seiner Vernehmung im Landgericht. Zunächst hatte der Vorsitzende Richter Joachim Eckert kritisiert, dies sei „kein guter Stil“, da sich Berlin nicht entschuldigt habe.

Berlins Anwälte schickten sofort ein Fax an das Münchner Landgericht, in dem sie den Vorwurf zurückwiesen: Berlin habe sich schon im Dezember schriftlich entschuldigt. Der Richter bestätigte dies. Seitdem habe er aber keine neuen Terminvorschläge von Berlin erhalten und daraus geschlossen, dass er zur Vernehmung kommen werde.

Berlin war im Jahr 2007 maßgeblich an dem Verkauf der HGAA an die BayernLB beteiligt und gilt deshalb als eine der Schlüsselfiguren im Skandal um die Bank. Berlins Anwälte widersprachen aber der Aussage des Richters, dass Berlin unentschuldigt gefehlt habe. „Dies entspricht nicht der Wahrheit“, erklärte die Kanzlei Westpfahl Spilker Wastl über einen Sprecher. Sie habe den Münchner Richtern vielmehr bereits im Dezember ein Entschuldigungsschreiben geschickt, weil ihr Mandant an dem geplanten Termin verhindert sei.

Richter Eckert hatte nach eigenen Angaben aber keine Informationen über das Fernbleiben des Zeugen. Das Entschuldigungsschreiben sei bereits vor der Ladung eingegangen, und seitdem habe er nichts von Berlin gehört. „Wir werden das klären.“ In einem anderen Prozess in Österreich hatte sich Berlin vor wenigen Wochen entschuldigen lassen, weil er in den USA sei und aus gesundheitlichen Gründen nicht zurückfliegen könne.

Die Münchner Richter haben nach Worten von Eckert nur von „dritter Seite“ erfahren, dass Berlin angeblich einen Flug aus den USA nach Europa gebucht habe. Wann und mit welcher Maschine, sei aber nicht bekannt. „Bis jetzt ist ja nur eine Maschine abgängig“, sagte der Richter in Anspielung auf das vermisste Flugzeug aus Malaysia.

Nach einem Bericht der österreichischen „Kronenzeitung“ ist Berlin bereits wieder in Österreich angekommen: Dort sei der Banker beim Golfspielen gesehen worden, schrieb die Zeitung am Montag. Der Sprecher der Anwälte Berlins bestätigte der Nachrichtenagentur dpa, dass er sich seit Freitag wieder in Österreich befinde.

Richter Eckert will nicht auf die Zeugenvernehmung Berlins verzichten und ihn erneut laden. Auch Berlins Vorgänger an der HGAA-Spitze, Wolfgang Kulterer, soll in dem Münchner Prozess erneut geladen werden, nachdem er sich vergangene Woche entschuldigen ließ.

Die Staatsanwaltschaft nutzte die freigewordene Zeit am Montag für die weitere Befragung der angeklagten Ex-Vorstände der BayernLB. Sie müssen sich wegen Untreue verantworten, weil sie die HGAA im Jahr 2007 viel zu teuer gekauft haben sollen. Die Angeklagten bestreiten die Vorwürfe. Der Zukauf entpuppte sich als großer Fehler für die BayernLB und trieb sie fast in die Pleite. An diesem Dienstag (18. März) soll der ehemalige bayerische Finanzminister Kurt Faltlhauser (CSU) als Zeuge befragt werden, der den Kauf damals als einer der Chef-Kontrolleure der Landesbank mit abgesegnet hatte.

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