KfW-Bankengruppe: Wirtschaft macht Bogen um Gründerfonds

KfW-Bankengruppe
Wirtschaft macht Bogen um Gründerfonds

Die staatliche KfW-Bankengruppe versteht die Welt nicht mehr: Da beklagen Wirtschaftsvertreter landauf, landab das Hinterherhinken Deutschlands bei Forschung und Entwicklung - und lassen ein entsprechendes Förderprogramm des Instituts links liegen. Gerade drei Unternehmen nahmen den Fonds in Anspruch.



HB FRANKFURT. KfW-Vorstandssprecher Hans Reich sagte dem Handelsblatt: „Es ist doch nicht nachvollziehbar, einerseits die Benachteiligung des Forschungsstandorts Deutschland zu beklagen und gleichzeitig nichts für den Standort beizusteuern“. Reich zeigte sich tief enttäuscht über die bisherige Resonanz auf ein neues Förderinstrument der KfW.

Zusammen mit Partnern aus der Industrie hat die zu 80 Prozent dem Bund gehörende KfW einen Hightech-Gründerfonds aufgelegt, der insgesamt rund 260 Mill. Euro an Investitionskapital bereitstellt. Damit sollen in den nächsten Jahren technologieintensive Unternehmensgründungen finanziert und somit die aktuell nahezu ausgetrocknete Gründungsphase wiederbelebt werden. Dabei investiert die KfW in gleicher Höhe und zu gleichen Konditionen wie ihr jeweiliger privater Partner. „Wir haben hier unseren Beitrag geleistet. Aber die Beteiligung der Wirtschaft ist enttäuschend“, sagt Reich. Bisher hätten nur drei Unternehmen - die Telekom, die Post und die BASF - insgesamt elf Mill. Euro bereitgestellt. Das sei bedenklich wenig. „Deshalb mein dringender Appell an die Industrie: die deutsche Wirtschaft muss sich hier viel stärker engagieren“, schlägt Reich Alarm.

Erst Ende vergangener Woche hatte sich Jürgen Hambrecht, der Vizepräsident des Stifterverbandes für die Deutsche Wissenschaft, ähnliche Sorgen um den Forschungsstandort gemacht. Die Gesamtausgaben für Forschung und Entwicklung von Staat und Wirtschaft sind 2004 auf 2,48 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) gesunken, für 2005 und 2006 seien keine nennenswerten Steigerungen zu erwarten, hatte Hambrecht erklärt, der gleichzeitig Chef des Chemiekonzerns BASF ist. So könne die Zielmarke der EU bis 2010 von 3,0 Prozent nicht erreicht werden.

Mit dem Platzen der Internetblase und der 2001 einsetzenden Konsolidierung des Beteiligungsmarktes gerieten die Finanzierungen von Ideen oder Gründungsvorhaben unter die Räder. Auch die Ausgründungen aus wissenschaftlichen Einrichtungen und Unternehmen erlitten herbe Rückschläge. Im Jahr 2000 machten so genannte Seed-Investitionen nach Angaben des Branchenverbandes BVK noch 8,7 Prozent des gesamten Investitionsvolumens der Beteiligungsbranche aus, 2004 waren es nur noch 0,6 Prozent. Wurden im Jahr 2000 noch 272 Gründungsideen finanziert, waren es 2004 lediglich 26 gewesen. Auch 2005 nahmen die Investitionen im Frühphasenbereich nochmals deutlich ab, jedoch waren in der zweiten Jahreshälfte erste Anzeichen einer Belebung festzustellen. Von einem Aufschwung kann aber keine Rede sein.

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