KfW-Chef Schröder
„Mit der Garantie des Bundes lebt es sich angenehm“

Die KfW Bankengruppe ist Partner der privaten Geldhäuser, versteht sich jedoch nicht als Nothelfer der Finanzbranche. Ulrich Schröder, Chef der Förderbank, über eine Branche im Wandel und das Vertrauen von Investoren.
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DüsseldorfEuropas Bankenaufsicht fordert von den Banken, ihre Eigenkapitalbasis zu stärken und gleichzeitig die Kreditvergabe nicht einzuschränken. Das kommt einer Quadratur des Kreises gleich. Die Förderbank KfW ist zwar als öffentlich-rechtliches Institut vom Bund abgesichert und von den strengen Auflagen kaum betroffen. Als Partner der privaten Geldhäuser hat sie aber detaillierte Einblicke in die wirtschaftlichen Herausforderungen der Geschäftsbanken. Sie fördert gezielt die Kreditversorgung in einzelnen Wirtschaftsbereichen. Wie ihr Chef Ulrich Schröder betont, versteht sie sich jedoch nicht als Nothelfer der Finanzbranche.

Handelsblatt: Herr Schröder, sind Sie froh, dass die KfW Bankengruppe keine Privatbank ist?

Ulrich Schröder: Mit der Garantie des Bundes lebt es sich in der Tat momentan sehr angenehm.

Die KfW ist zudem hochprofitabel – ein Schrecken für die Geschäftsbanken?

Das ist ein sehr sensibles Thema und der besonderen Situation geschuldet. Dass wir im Vergleich so gut dastehen, hat auch mit der massiven Krise der Geschäftsbanken zu tun. Das wird weitere Auswirkungen haben. Banken in Deutschland und Europa werden in den nächsten Jahren massiv unter Druck stehen, ihre Geschäftsmodelle anzupassen.

Das bedeutet?

Allein durch die regulatorischen Anforderungen wird die Rendite der Banken sinken. Hinzu kommen die gestiegenen Refinanzierungskosten. Das stellt die Banken vor enorme Renditeprobleme.

Und wie sollen die Banken diese lösen?

Ich glaube, dass die Bankkunden mit höheren Margen rechnen müssen. Es wird zu einem geringeren Angebot an mittel- und langfristigen Krediten kommen, die Banken werden ihr Personal deutlich reduzieren und die Gehälter, insbesondere die variablen Anteile, nach unten anpassen. Die Banken befinden sich in einem tiefgreifenden Restrukturierungsprozess, der gerade erst begonnen hat.

Und was macht man in der Zwischenzeit?

So brutal das ist: Viele Banken stehen vor den Herausforderungen, die Bilanz zu schrumpfen und ihr Finanzierungsproblem durch verstärkten Einsatz besicherter Refinanzierungsinstrumente zu lindern. Daneben müssen sie zudem das Investorenvertrauen wiedergewinnen, denn wir haben im Kern eine Vertrauenskrise der Investoren – auf der Fremd- wie auf der Eigenkapitalseite. Ziel muss sein, dass der Zugang der Banken zu unbesicherten Refinanzierungen mittelfristig wieder hergestellt wird. Sonst wird keine Bank erfolgreich operieren können.

... und dann droht eine Kreditklemme?

Wir glauben nicht an eine Kreditklemme. Wir haben im Bankensektor eine starke kurzfristige Liquiditätshaltung. Denken Sie an Volksbanken und Sparkassen. Sie werden die Bedürfnisse der regionalen Kunden befriedigen können. Wir erwarten auch nicht, dass die Kreditinstitute allein aufgrund der Tatsache, dass sie künftig mehr Eigenkapital vorhalten müssen, das Kreditgeschäft undifferenziert kürzen werden. Die Kreditinstitute werden vielmehr außerhalb des Kerngeschäfts kürzen.

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