KfW
Deutschlands Förderbank Nr. 1 verplempert Millionen

Die KfW bekommt die Einführung einer neuen Software nicht in den Griff: Die Kosten verdoppeln sich auf 180 Millionen Euro. Das wichtige Reformprojekt gerät zum Fiasko. Und verzögert nötige Änderungen bei der Förderbank.
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FrankfurtDie staatliche KfW hat massive Probleme bei einem der wichtigsten Großprojekte. Wie das Handelsblatt aus Kreisen des Verwaltungsrates und der Bank erfahren hat, wird die Einführung einer neuen IT-Architektur die Förderbank deutlich mehr Geld kosten als gedacht.

Allein die neue Standard-Software für Finanzbuchhaltung wird nach einer internen Hochrechnung nicht wie ursprünglich geplant 90 Millionen Euro, sondern bis zu 180 Millionen Euro kosten. Die neue Finanzsoftware ist nur eines von insgesamt vier IT-Großprojekten, für die die staatliche Förderbank insgesamt ursprünglich 400 Millionen Euro hatte ausgeben wollen.

Die Modernisierung der IT zeichne sich durch hohe Komplexität und zeitliche Herausforderungen aus, sagte ein KfW-Sprecher. „Zu Projektdetails, Zeitplan und Kostenentwicklung haben wir ein transparentes Berichtsverfahren gegenüber dem Verwaltungsrat aufgesetzt“, ergänzte er. Öffentlich wollte er sich zu Details aber nicht äußern.

Die Wurzel des Problems sind Verzögerungen beim Aufbau einer neuen IT-Architektur, mit der die KfW künftig alle ihre Daten in einem zentralen Datenpool bündeln will. Weil dieser Datenpool noch nicht zuverlässig funktioniert, musste die KfW auch die Einführung ihrer neuem Buchhaltungssoftware um zwei Jahre auf 2017 verschieben.

Durch die Verzögerungen beim IT-Umbau gerät die KfW auch an anderer Stelle in Verzug: Eigentlich sollte sie ab dem kommenden Jahr der Finanzaufsicht Bafin kontinuierlich und automatisiert Meldungen über ihre Eigenmittelausstattung und Liquidität abliefern. Die dazu notwendige Software baut aber auf dem Datenpool auf, der erst später startklar sein wird. Die Förderbank habe sich mit der Bafin darauf geeinigt, die Meldungen ab 2017 auf Knopfdruck abzuliefern, hieß es.

In der Bundesregierung und im Verwaltungsrat in dem zahlreiche Politiker sitzen, sorgen die Probleme für Unruhe. Mitte September wird sich der Präsidialausschuss der Förderbank erneut mit dem Thema befassen. Für Bankchef Ulrich Schröder könnte das eine ungemütliche Sitzung werden.

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Sven Afhüppe
Sven Afhüppe
Handelsblatt / Chefredakteur
Der Autor ist Ressortleiter Wirtschaft und Politik.
Thomas Sigmund
Handelsblatt / Ressortleiter Politik und Leiter des Hauptstadtbüros

Kommentare zu " KfW: Deutschlands Förderbank Nr. 1 verplempert Millionen"

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  • Sie haben vergessen, dass es für diese Bank auch kein Problem war, selbst nach der Insolvenz des Kunden noch zu zahlen und den Betrag ohne Folgen für die "Verantwortlichen" abzuschreiben.

    Da muss eine schon zwei Dinge haben:
    1. viel Geld
    2. blinde Kontrolleure

  • Sie sprechen von den Abgeordnetendiäten und -pensionen?

    Ich denke mehr an die Verantwortung für den Geschäftsbetrieb.

    Gewiss habe ich das Urteil des Berliner Kammergherichts zur Kenntnis genommen, dass der Belehrung des Angeklagten Dr. Dirk Hoffmann folgte (http://www.berlinkriminell.de/2/gericht_akt108.htm) und Vorständen lediglich die Verantwortung für die Personalauswahl nach dem Vortrag des ehemaligen Vorstandes Dr. Hoffmann zuwies. Es ist mir auch nicht der Freispruch der Vorstände der HSH, insbesondere der des "Dr. No" entgangen.

    Auch wenn Richter über ihre Meinung "Im Namen des Volkes" schreiben, spricht uns dies nicht frei, unseren eigenen Verstand, unsere Ethik- und Moralgefühle, für Rechtssicherheit einzutreten.

    Es ist auch bekannt, dass es nicht die Aufgabe der Richter ist, Urteile nach Rechtslage zu sprechen, sondern unter Berücksichtigung der Folgen ihrer Entscheidung.

    Wenn Sie daran denken, dann habe ich Ihre Kritik mit "stimmt leider nicht ganz" verstanden. Da sind Sie in Ihrer Formulierung, zugegeben, präziser.

  • Diese Bank hat fast immer Geld verbrannt, aber es ist ja nur das Geld der Steuerzahler.
    Übrigens, der Berufsschullehrer Gabriel ist Vorsitzender des Aufsichtsrates.
    Da kann doch nichts schief gehen, oder?

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