Kirch-Prozess
Deutsche-Bank-Chef Fitschen muss Anklage fürchten

Die Staatsanwaltschaft leitet ein Bußgeldverfahren gegen die Deutsche Bank ein. Ein Indiz dafür, dass die Ermittler die Anschuldigungen für stichhaltig erachten. Die Anklage gegen Bankchef Fitschen wird wahrscheinlicher.
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MünchenIm Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft München gegen Deutsche-Bank-Co-Chef Jürgen Fitschen und frühere Spitzenmanager des Instituts verdichten sich die Hinweise auf eine Anklage. Die Strafverfolger leiteten nun auch ein Bußgeldverfahren gegen die Bank selber ein, wie ein Sprecher der Behörde bestätigte. Grundlage sei der Verdacht des versuchten Betrugs im Kirch-Schadensersatzprozess, weshalb bereits gegen fünf Top-Banker ermittelt wird. Die Ausweitung des Verfahrens ist ein deutlicher Hinweis darauf, dass die Ermittler von der Stichhaltigkeit ihrer Anschuldigungen überzeugt sind. Die Deutsche Bank weist die Vorwürfe zurück.

„Sollte es zu einer Anklageerhebung und zur Eröffnung eines Hauptverfahrens kommen, dann würde die Deutsche Bank auch auf der Anklagebank sitzen“, betonte der Sprecher der Staatsanwaltschaft. „Wenn wir ausreichend Verdachtsmomente haben, dass ein Vertreter eines Unternehmens strafrechtlich belangt werden kann, dann besteht die Möglichkeit, das Unternehmen selbst mit einem Bußgeld zu belegen.“

Derzeit haben die Anwälte der Manager und der Bank Gelegenheit zur Stellungnahme. Eine Entscheidung über eine Anklage dürfte sich noch etliche Wochen hinziehen. Anschließend müsste das Landgericht München entscheiden, ob es ein Hauptverfahren - den eigentlichen Gerichtsprozess - eröffnet.

Die drohende Geldbuße selbst wäre zwar beträchtlich, könnte für die Bank aber ein verschmerzbares Ärgernis sein: Das Gesetz über Ordnungswidrigkeiten sieht für solche Fälle eine Zahlung von bis zu zehn Millionen Euro vor. Die Bank hatte bereits in der Nacht einen Bericht der „Süddeutschen Zeitung“ über das Bußgeldverfahren bestätigt.

Die Staatsanwaltschaft beschuldigt fünf Spitzenbanker, im langjährigen Rechtsstreit des Instituts um die Pleite der Kirch-Mediengruppe vor Gericht gelogen zu haben, um Schadenersatzansprüche der Erben von Leo Kirch abzuwehren. Unter den Beschuldigten sind auch Fitschens Vorgänger Josef Ackermann und Rolf Breuer. Fitschen leitet das Geldhaus gemeinsam mit dem zweiten Vorstandschef Anshu Jain.

Über das Bußgeldverfahren sei die Deutsche Bank am 10. Oktober informiert worden, sagte der Behördensprecher. Am 18. Oktober habe die Bank deshalb bei der Ermittlungsbehörde um Akteneinsicht gebeten, um dazu Stellung nehmen zu können.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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